Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 101 (28.12.1885)
- Date
- 1885-12-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1723 Rumänien. In Basau ist den jüdischen Schächtern das Schlachten für die jüdischen Gemeindemitglicder und den jüdischen Metzgern solches Fleisch an Christen zu verkaufen verboten worden, das den Inden rituell nicht erlaubt ist zu essen. Aus dem Dorfe Dermanesti wurden die feit langer Zeit daselbst wohnenden sechs jüdischen Familien plötzlich ausgetrieben. England. London. Prinzessin Louise besuchte vorige Woche die höhere jüdische Mädchenschule in Chcnies Street. Dieselbe hatte den Wunsch geäußert einen hebräischen Gesang zu hören, worauf die Mädchen den 29. Psalm sangen. Prinzessin Louise war hierüber ganz entzückt, wie sie überhaupt ihre volle Befriedigung über die Leistungen der Mädchen und die Einrichtung der Schule ausdrnckte. Hlcßaöikitirt. Erzählung von Friedrich Rott. XX. Eduard hatte die Trambahn erreicht und stieg ein, um den Weg bis zur Waterstrcet in derselben znrückzulegen. Er drückte den Hut tief in die Stirn und schloß die Augen, und wiederum war es ihm, als sähe er das wunderschöne Antlitz sich gegenüber, als vernähme er, den Straßenlärm übertönend, ihre volle, überaus wohllautende Stimme. — Dann aber war's ihm auch, als vernähme er seine eigenen ungeschickten Worte, als sähe er seine linkischen, ernannte sie tölpelhaften Bewegungen, und dunkle Gluth überzog seine Wangen. — Wenn nur Mr. Jameffon ihn recht bald wieder zur Villa schicken würde, damit er den sicher überaus migünftigen Eindruck, den sein Benehmen Hinterlagen haben mußte, vergessen machen könnte. — Zwar, Mrs. Trefoil hatte ihn in freundlichster Weise aufgefordert, sie öfters zu besuchen — doch es erschien ihm geradezu unmöglich, ohne dringende Veranlassung von dieser Einladung Gebrauch zu machen. Jetzt erst entsann er sich, daß er beabsichtigt hatte, nachdem er seinen Auftrag bei Mrs. Trefoil vollführt, deren Gesellschafterin, Frau Leah Kohn, aufzusuchen, und sie, wenn auch nur flüchtig, zu begrüßen. Er hatte vollständig daran vergessen, ein neuer Grund, sich über, sich selbst zu ärgern. Wenn Frau Kohn erfahren würde, daß er in der Villa gewesen, ohne nach ihr zn fragen — sie wäre berechtigt, es ernstlich übel zu nehmen. Freilich, tröstete er sich selbst, wie sollte sie erfahren, daß er in der Villa gewesen V Der Diener, der ihn zu seiner Herrin geführt, hatte seinen Namen nicht gekannt und Mrs. Trefoil hatte es sicher nicht der Mühe werth gefunden ihn zu erwähnen. — Dieser Fehler ließ sich auch leicht wieder gut machen. — Noch im Fahren nahm er eine Karte ans seinem Portefeuille, schrieb mit Bleistift einige Zeilen an seinen Freund Kohn, in denen er ihn ersuchte, ihn Abends zu erwarten, da er ihn zu seiner Mutter begleiten wolle. Als er die Trambahn verließ, warf er die Karte in den nächsten Briefkasten und nun erst athmcte er wieder frei auf. Ohne sich dessen klar bewußt zu sein, schmeichelte er sich mit der Hoffnung, Abends, wen.n er die Gesellschafterin aussuchen wollte, möglicherweise auch die Herrin zu treffen und bei dieser Gelegenheit, wo möglich, seine Tölpelei vergessen zu machen. In einer ihm selbst geradezu unerklärlichen Unruhe sah er dem Abend entgegen itnb bemerkte nicht einmal, daß Mr. Jameffon ihn hin und wieder mit lächelndem Kopfschüttcln betrachtete. Endlich, endlich waren die heute unerträglich langen Bürcanstmideu zn Ende, das Comptoir ward geschlossen, und Eduard eilte nicht der eigenen Wohnung zu, sondern der seines Freundes, der ihn bereits erwartete. „Sie haben doch nicht auf mich gewartet?" fragte Eduard, als er Kohn znm Fortgehen bereit fand. „Nur wenige Minuten. Aber es ist mir sehr angenehm, daß Sie mich begleiten wollen, meine Mutter wird eine große Freude haben, ich mußte schon gestern viel von Ihnen erzählen." „Auch ich freue mich hcrzlichst, F-rau Kohn wiederzusehen, der ich mich zu überaus großem Dank verpflichtet fühle. Lassen Sie uns die Trambahn benützen, da sind wir rasch draußen." In einer kleinen halben Stunde hatten sie die Villa erreicht. Hermann war dem Diener, der ihnen öffnete, bereits bekannt, er fragte nach seiner Mutter, sie erwartete ihn in ihrem Zimmer und Beide begaben sich dorthin. Erst nachdem Frau Kohn ihren Sohn umarmt hatte, gewahrte sie dessen Freund. „Ach, Herr Steinhart! Das ist wirklich schön von Ihnen, daß Sie mir das Vergnügen machen. i