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Der Israelit · 1885-12-24 · Heft 100 (24.12.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 100 (24.12.1885)
Date
1885-12-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Beilage ju Ar. 100 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin. Den bekannten läppischen Text zu einer alten Polka: „Schmeißt ihn raus den Juden Jtzig rc." sang der in das Vurcau zurückkehrende Bankbuchhalter B. seinen Collagen vor, als ihm von dem Tircctor eines Berliner Bank- Instituts, in welchem B. beschäftigt war, wegen Pflichtwidrigkeiten ein ernstlicher Verweis ertheilt worden war. Der Director des Instituts, der Kenntniß von dieser Gesangsleistung seines Angestellten erhalten hatte, entließ denselben sofort aus seiner Stellung, nachdem ihm das Gehalt bis zum Tage seiner Entlassung ansgezahlt worden war. Der Entladene strengte hierauf gegen den Director des Bank-Instituts die Klage wegen des ihm seiner Meinung nach zu Unrecht vorenthaltenen Gehalts für den Zeitraum an, in welchem die gesetzliche Kündigung hätte vorgenommen werden müssen. Das Amtsgericht, Abtheilung 33, wies den Kläger mit seiner Klage ab, da der Beklagte zu einer sofortigen Entlastung desMlägers berechtigt war, weil an seinem Gesänge der Beklagte und die Angestellten des Instituts, zum Theil der jüdischen Religion angehörig, Anstoß genommen hatten. Hiergegen legte der Kläger Berufung ein und führte in dieser aus, daß der Director des Bank-Instituts, ein getaufter Jude, jetzt Ehrist, unmöglich Anstoß an seinem, des Klägers, harmlosen Gesänge habe nehmen können, und daß nur allein des Beklagten Gefühl, nicht das der übrigen Angestellten hier in Betracht kommen kann. Die zehnte Civilkammer bestätigte jedoch die abweisende Entscheidung des Amtsgerichts I. und führte in Begründung derselben aus, daß es gar nicht darauf ankomme, ob der beklagte Direktor der jüdischen oder der christlichen Religion angehöre, ein gebildeter Mensch, der sich solcher Redensarten wie der Kläger, bedient, gehöre nicht mehr in die anständige Gesellschaft, mithin war der Director zu sofortiger Entlassung des Klägers berechtigt, dem dann ein weiterer Gehaltsanspruch nicht mehr zustehe. Posen, im Dezeulber. Wieder wird mir die schmerzliche Ausgabe, das Hinscheiden eines edlen Mannes mitzutheilen, der vonstreng religiösemLebenswandel und von gründlicher Gelehrsamkeit min vbo n222m .“int war. Dr. Aron Hirschfeld, Schwiegersohn des verewigten -\inoybz ist am 14. d. Mts. in seinem 65. Lebensjahre verschieden. Seit 25 Jahren hier ansässig, wirkte er als Religionslehrer au der städtischen Mittelschule und seit 13 Jahren auch an der damals gegründeten Gcmeiude-Neligionsschnle mit seltener Gewissenhaftigkeit und Treue. Er besaß umfassendes Wissen in der heiligen Schrift und Sprache und beherrschte letztere mit außerordentlicher Gewandtheit, wovon seine zahlreichen poetischen Arbeiten in jüdischen Kalendern Zeugniß ablegen: auch war er in früheren Jahren fleißiger Eorrespondent 11. Mitarbeiter des „Israelit." Seine Kinder erzog er in 'n rem min und hatte noch vor Kurzem die Freude, daß einer seiner Söhne. Dr. Hartwig Hirschfcld, sich durch eine vortreffliche Uebersetzung des Kusari aus dem arabischen Original, so wie durch eine Ausgabe des Letzteren rühmlichst bekannt machte. Am 16. d. Bits, wurde er zu Grabe geleitet; an dem Leichcuznge bctheiligten sich eine große Menge Gemeindemitglieder, die zahlreichen Schüler und Schüleriuncu der städtischen Mittelschule und Religionsschulc, so wie dasLehrer- Eollegium der Mittelschule. Au der Bahre sprachen der Gemeinde-Rabbiner Herr Tr. Feilcheufcld, der ein Lebensbild des Hingeschiedenen, mit dem er schon in der Jugend durch gleiche Bestrebungen verbunden war, entwarf und dessen rühmliches Wirken und edle Eigenschaften in kraftvoller Rede hervorhob. Darauf sprach der Sohn des Verstorbenen Herr Dr. Hartwig Hirfchfeld einige tief empfundene, vom Herzen kommende und zum Herzen dringende Worte und endlich auch der Schwiegersohn und Schwager Herr Rabbiner Dr. Elias Plcßner ans Ostrowo, der in bewegter Rede dem Schmerze der Hinterbliebenen Ausdruck gab. Wer den Verstorbenen kannte, wird auf sein Hinscheiden das Wort anwenden. i'mrwa yi2ih by bn. Hamburg, hdd 'n. Heute hat man in Frankfurt a. M. einen jungen Mann zu Grabe geleitet, von dem seine Freunde sich nicht trennen können, ohne weiteren Kreisen zu sagen, was er ihnen und allen Denen gewesen, die seinen Rath und seiner That bedurften. Wer ihn kannte, den bescheidenen und geistvollen Menschen, Michael Aron Jastrow, wer seine grenzenlose Aufopferungsfähigkeit kannte, den

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