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Der Israelit · 1885-12-24 · Heft 100 (24.12.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 100 (24.12.1885)
Date
1885-12-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1707 heute fast in sämmtlichcn Staaten Europas mit Ausnahme Rußlands — leider hat derselbe von 1867 bis 1881 als Verbannter in der Stadt Taschkent» mRussisch- Turkestan gelebt und somit wenig Gelegenheit gehabt, die Segnungen einer sreisinuigen und liberalen Regierung durch den Augenschein kennen zu lernen — ihren andern Mitbürgern sowohl was Rechte als auch was Pflichten anbclangr. gleichgestellt sind. Er wagt es jedoch nicht, die Stellung der Juden in seinem Lande zu ändern, das heißt zu verbessern, da er den Fanatismus der Afghanen, die noch heute keinen Ehristen in ihrer Mitte dulden wollen, wohl kennt und daher sehr gut weiß, daß Reformen nach dieser Seite hin große Unruhen Hervorrufen und sogar auch das Leben der Juden in Gefahr bringen würden. Er läßt daher Alles beim Alten und hütet sich die mohamedanische Geistlichkeit zu reizen. Feuilleton. Veyaöikttirt. Erzählung von Friedrich Rott. XIX. Es war am folgenden Tage. Mrs. Trefoil befand sich auf der Veranda, die zur Seeseite Hinlatz. Träumerisch blickte die junge Frau hinüber auf die glitzernde Fluth des unermeßlichen Weltmeeres, auf die brandenden Wogen, deren weißer Schaum in den Sonnenstrahlen gleich Diamantenstaub glitzerte. Mrs. Trefoil hatte ein Buch' in der Hand, doch sie las nicht, es ist sogar zweifelhaft, ob sie des herrlichen Anblickes sich bewußt war, der vor ihren Augen sich entfaltete. Wohl haftete ihr Auge auf dem Ocean, doch ihr Blick war nach Jenen gerichtet. Mrs. Trefoil war eine Frau von ungewöhnlicher Schönheit, hoch und schlank gewachsen, jede Bewegung voll Anmuth, voll unnachahmlicher Grazie. Ihr klassisch schönes Antlitz war in Momenten vollkommener Ruhe vielleicht um einen Schein zu bleich, doch während des Sprechens oder bei der geringsten Erregung überzog es sich sofort mit einem rosigen Schimmer, der ihre seltene Schö:lhcit gradezu unwiderstehlich machte. Sie war so ve'sunken in ihren! Sinnen, daß sie den Diener nicht gewahrte, der schon seit einigen Minuten in ihrer unmittelbaren Nähe sich vergebens bemühte, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Endlich gelang es ihm, sie blickte fragend auf. „Ein Herr wünscht Missis zu sprechen iin Aufträge von Mr. Jameffon." „Führen Sie ihn in das Zimmer," erwiderte Mrs. Trefoil hastig, indem sie sich erhob. Doch gleichzeitig fuhr sie mit der Hand nach dem Herzen, es pochte plötzlich überlaut. Sie schien hineincileu zu wollen in das anstoßende Zimmer, doch lauschend blieb sie stehen, sie hatte die Zimmerthür öffnen und schließen hören, der Betreffende war vermuthlich cingctreten. — Roch einige Augenblicke zögerte sie, dann richtete sie sich auf und mit ruhiger, wenn auch im Augenblick etwas erzwungener Würde, trat sic in das Zimmer. Bei ihrem Eintritt erhob sich ein junger Mann. „Mr. Jameffon läßt sich empfehlen und übersendet Mrs. Trefoil den gewünschten Eontract zur gefälligen Einsicht. Gegen Abend wird Mr. Jamessou selbst sich die Ehre geben." „Dank Ihnen, mein Herr," erwiderte Mrs. Trefoil, die Schrift entgcgennehmend. „Wie ist Ihr weither Name?" „Steinhart," versetzte Eduard, sich leicht verneigend. „Ah, Mister Steinhart, bitte nehmen Sie Platz. Mr. Jameffon hat Ihrer gestern^ überaus lobend erwähnt." „Mr. Jameffon ist sehr freundlich." „Bitte, setzen Sie sich doch, Mr. Steinhart. Der Weg von Watcrstrcct hierher ist weit. Sie müssen sich ausruhen, bevor Sie den Rückweg antreten." „Sic sind sehr, sehr gütig Madame," erwiderte Eduard, indem er ihrer Aufforderung entsprechend sich in ein Fauteuil ihr gegenüber nicdcrließ. „Ich bin jedoch durchaus nicht ermüdet, denn ich habe den größten Theil des Weges mit der Trambahn zurückgelegt." „llm so besser," entgeguete Mrs. Trefoil „aber ein wenig ausruhen kann doch nicht schaden, namentlich bei dieser Hitze. — Haben Sie sich rasch an das hiesige Klima gewöhnen können, Mr. Steinhart? — oder sind Sie vielleicht hier geboren?" „Seit ich die Ehre habe, im Eomptoir des Hauses Trefoil and bruther zu arbeiten, geuirt mich die Hitze sehr wenig, in unserm Eomptoir in Waterstrect ist es immer kühl. Aber ein geborener Amerikaner bin ich nicht, ich bin Deutscher." „Ah!" rief Mrs. Trefoil lebhaft, „da sind wir so halb und halb Landsleute. In bin zwar nicht in Deutschland geboren, bin aber dort erzogen worden, und das Land, in dem wir denken gelernt haben, ist im Grunde inehr unser Vaterland als i unser Geburtsland. Wie lange sind Sie schon hier, l Mister Steinhart?"

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