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Der Israelit · 1885-12-17 · Heft 98 (17.12.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 98 (17.12.1885)
Date
1885-12-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Beilage ju Jtr. 98 des Israelit. Zeitüngsuachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Darmstadt. Die Ausweisungen der Nüssen und Polen ans Preußen scheinen auch im Großherzogthum Hessen Nachahmung zu finden. Man schreibt uns darüber von dort: „In der Nähe von Darmstadt wirkte seit etwa 6 Monaten ein in Ostrolenka geborener, aber seit seinem zweiten Lebensjahre in Preußen befindlicher Pole als Lehrer und Kantor. Vor einigen Tagen wurde demselben durch das großhcrzogliche Krcisamt in Darmstadt mitgetheilt, daß ihm, nachdem ihm die preußische Negierung den Aufenthalt im preußischen Staate versagt habe, auch ein Aufenthalt im Großherzogthum Hessen nicht mehr gestattet werden könnte. Das Aeußerste, wozu sich die, Negierung veranlaßt sah, war eine Erlaubniß zum Aufenthalt auf acht Wochen. Selbstverständlich hat der betreffende seine Stelle sofort eingebüßt, da die fragliche Gemeinde keinen Lehrer auf zwei Monate anstelle» will. Soviel wir wissen, ist dies der erste Fall der Ausweisung eines russischen Unthancn m dem genannten Bundesstaate. Der Bedanernswcrthe, welcher nunmehr das Gebiet des Neichcs verlassen muß, obwohl durchaus keine Beschwerden gegen ihn vorliegen, ist in der Lage, sich sehr gut ernähren zu können; es war also keinerlei Grund zu der Befürchtung vorhanden, daß er der Armenunterstützung zur Last fallen werde. Es wäre doch sehr interessant zu wissen, ob dieser Vorgang von prinzipieller Bedeutung ist und ob die großherzogliche Negierung beabsichtigt, den ans Preußen ausgewiesenen Nüssen, welche im Großherzogthum einen genügenden Unterhalt sich zu verschaffen im Stande sind, auch den Aufenthalt in ihrem Staatsgebiete zu versagen. Sollte denn auch in diesem im Herzen Deutschlands gelegenen Bundesstaate die Gefahr einer confessionellen oder nationalen Verschiebung ebenso vorhanden sein, wie an der Ostmark des Reiches? Würzburg. Zu dem veröffentlichten neuesten Rechenschaftsbericht über die i s r a e l i t i s ch c Lehrerbildungs-Anstalt zu Würzbnrg wird nachträglich benierkt, daß v i e r von den neuausgenommenen - Zöglingen ihre Vorbereitung zur Aufnahme in die bez. Anstalt in der Talmnd-Thora-Schule zu Sch w abach erhalten haben, was durch ein Versehen im Berichte selbst unerwähnt geblieben und deßhalb zur Ehre für diese Schule hier bekannt gegeben werden soll. ' B. Berlin, 10. Dezember. Der Enltusminister v. Goßler hat gegen den Amiscmitenhänptling Dr. Bernhard Förster, welcher in einer zu Dortmund gehaltenen Hetzrede den Minister wegen seiner angeblich „jüdischen" Herkunft heftig angegriffen hatte, den Strafantrag gestellt, und die königliche Staatsanwaltschaft ist diesem Anträge beigetreten. Frankfurt a. M, 0. Dezember. Am fünften und sechsten Tage Ehanuka fand hier in der Unterrichtsanstalt der israel. Religionsgesellschaft ein Schulfest statt, das auch die Leser Ihres geschätzten Blattes intercssiren dürfte, da es den Beweis lieferte, wie innig sich -p- Dy min das Studium unserer heiligen Neligionslehre mit allgemeiner Bildung verträgt. Im großen Turnsaale der Schulewar eine Bühne aufgeschlagen und die Schüler der Prima und Obersecunda der Realschule brachten im Vereine mit einer Anzahl ausgewählter Schüler der anderen Klassen zwei Scenen aus „Zopf und Schwert" von Gutzkopf und vier Scenen ans Wilhelm Tetl von Schiller in einer so vorzüglichen Weise zur Darstellung, daß man ganz vergaß nur Schüler vor sich zn haben. Mau erkannte sofort, daß man cs nicht mit etwas mechanisch Eingelcrntcm zn thnn hatte, sondern, daß ein tiefes Eindringen in die Ideen des Dichters für jedes Wort auch den richtigen Ton und Ausdruck finden ließ, daß das Dargestcllte auch tief empfunden und gleichsam reprodüzirt wurde. Eine dichtgedrängte Znhörermenge, ans den Eltern der Schüler und Schülerinnen, den Vcrwaltnngsmitgliedern der Nelkgionsgcscllschaft und geladenen Gästen bestehend, füllte den großen Saal und folgte der Darstellung mit Aufmerksamkeit und nicht zu verkennender Rührung. Ter Vorstellung ging ein Prolog voraus, der von einem Lehrer der Anstalt gedichtet und von einem Schüler vorgetrage» wurde. Zum Schlüsse wurde Moaus zur Jeschnosi unter Elavicrbegleituug von einem Knabenchor gesungen, in welches die Zuhörer in gehobener Stimmung einstimmten. Solche Vorstellungen erweisen sich als sehr fördernd sowohl für die Entwicklung der geistige» Fähigkeiten und^ den richtigen Ausdruck als auch für die Gewand'heit im Benehmen und die Leichtig-

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