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Der Israelit · 1885-12-07 · Heft 95 (7.12.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 95 (7.12.1885)
Date
1885-12-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Beilage;u Ur. 95 des Israelit. Leitender Artikel. Distr.-Hiabbiner Aöraßam Kirsch y": (Burgpreppach in Bayern). Der in der Ueberschrift Genannte verschied nach einem langen und schweren Leiden im kräftigsten Mannesalter, erst 46 Jahre alt. Mit ihm ist einer der besten und edelsten Menschen, die unsere Zeit aufzuweiseu hat, aus dem Leben geschieden. Er war eine selbstlose und bescheidene Natur, ganz dem Dienste Gottes und seinen heiligen Geboten lebend und mit einer beispiellosen Hingebung und einer geradezu bewunderungswürdigen Ausdauer für die Verbreitung der heiligen Gotteslehre wirkend. Durch seine Thätigkeit auf dem Gebiete der Schule ist er weiteren Kreisen in rühmlichster Weise bekannt geworden. — Cr war in dem Orte Poppenlauer in Unterfranken geboren. Schon als Knabe kam er nach Haßfurt und lernte dort bei Nabb. Js. Schüler ü"t. Später bezog er die Universität Würzburg und ward dort der Schüler des verewigten Rabbiners Bamberger b% und in Berlin lernte er bei Rabbiner M. Landsberg h“\. — Cr hatte zuerst ini Jahre 1864 im Verein mit seinem älteren Bruder ein Erziehungsiustitut in Mittenberg a. M. begründet. Er wurde dabei von dem Gedanken geleitet, daß gediegenes profanes Wissens in Verbindung mit einer gründlichen Kenntniß unserer heiligen Lehre nicht allein für den Lehrer, sondern auch für den Geschäftsmann wünschenswerth sei, und daß nnr eine Vereinigung beider dazu führen können, unsere Heranwachsende Jugend gegen alle Stürme und alle Versuchungen zu kräftigen. In diesem Sinne leitete er das Institut, das emporblühte und die schönsten Erfolge versprach. Da nahte der Krieg des Jahres 1866, der das Stäbchen Miltenberg schwer heimsuchte. Die Cholera war ausgebrochen, und ihr erlag auch der ältere Bruder des sel. Abraham Hirsch. Da mußte das Institut von dort weiterwandern, und es wurde nach Mainstockheim verlegt. Dort bestand es.bis zum Jahre 1874, und eine große Anzahl von Jünglingen genoß daselbst ihre Ausbildung; viele sind durch das echt fromme und gediegene Streben, das sie dort kennen lernten, in dem strengen Festhalten an den überlieferten göttlichen Gesetzen bestärkt worden, und sind zu tüchtigen Männern und braven Jehudim herangewachsen. Nach dem Tode seines Schwiegervaters, des sel. Rabbiner Joseph Gabriel Adler aus Burgpreppach, wurde Rabbiner Abr. Hirsch an dessen Stelle gewählt. Seinen Nabbinatspflichten lag er nun mit der größten Gewissenhaftigkeit ob, aber ganz besonders rief er hier eine Schöpfung in's Leben, die, wie wir hoffen , lauge, lange erhalten bleiben wird, und durch die der edle Verblichene sich ein unvergängliches Denkmal geschaffen hat, das ist die dortige Talmud-Thora-Schule. Rabbiner Hirsch fand bei dem Antritt seiner Stellung in Burgpreppach eine uralte Stiftung vor, aus deren Mitteln eine ganz geringe Anzahl von Schülern, ich glaube 3, in der Gotteslehre unterrichtet werden sollten. Diese beschränkte Zahl erschien dem lehrbegierigen, vorwärtsstrcbenden Manne zu gering. Er schwärmte ja dafür, alle, alle hinzuführen zu dem Borne der heiligen Lehre, und mit glühender Begeisterung gab er sich diesem seinem Ideale hin, mit einer erstaunlichen Energie und Ausdauer verfolgte er dessen Ausführung. Er zog sofort noch mehr Schüler von auswärts heran und bald strömten wißbegierige Jünglinge aus allen Theilen Deutschlands, ja ans fernen Ländern nach dein kleinen Orte Burgpreppach, und jetzt ist dortselbst eine blühende Talmud- Thora-Schule von 60—70 Schülern, die von vier Lehrern unterrichtet'werden. Und nicht allein eiferte der nun selig entschlafene Direktor dieser Schule alle Schüler und Lehrer durch seinen nimmer rastenden, eisernen Fleiß, durch seine Liebe und Freundlichkeit an (und für alle seine Mühe und alle seine Arb eit beanspruchte er keinen Pfennig Belohnung) er allein schaffte auch die Mittel für den Unterricht und meistens auch die Unterhaltung der zum großen Thcile armen Schüler herbei. Von Haus zu Haus und von Ort zu Ort wanderte er,^um sich Gaben für seine Talmud-Thora-Schule zu^ erbitten, und er war glücklich, wenn er reiche Geschenke bekam. Ich werde es nie vergessen, welche Freude der brave Mann einst empfand, als ihm auf mein Bemühen hin, ein mir befreundeter Wohlthäter ein Legat von 700 Gulden für die Talmud-Thora-Schule bewilligte; mehr kann sich keiner freuen, dem Millionen als sein Eigenthum zugefallen sind. Aber der außergewöhnlichen Arbeitslust und Anstrengung dieses Mannes war seine körperliche Kraft nicht gewachsen. Ein schweres Nervenleiden ergriff ihn vor längerer Zeit,

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