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Der Israelit · 1885-12-03 · Heft 94 (3.12.1885) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 94 (3.12.1885)
Date
1885-12-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXYi. Jahrgang. Zweite Seitllge;u Ur. 94 des Israelit. Zeitnugsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 26. Mov. Am Abend d-s 14. September passirte der stud. pliil. Paul Opp enlj eim auf dem Nachhausewege die Potsdamerstraße. An der Ecke der Lützowstraße erhielt er plötzlich von zwei ihm begegnenten jungen Leuten kräftige Stöße in die Seite, gleichzeitig ließen die Angreifer die Aeußerungen: „Verfluchte Judenbande!" „Haut die Juden!" u. s. w. fallen und einer derselben hieb dem Oppenheini mit einem Spazierstocke über den Kopf. Der Angegriffene erhob nun auch seinen Spazierstock, um sich zur Wehre zu setzen, der zweite der Gegner ergriff aber den Stock Oppenheims und entwand ihm denselben. Dein Angegriffenen wäre es wohl schlecht ergangen, wenn ihm in diesem Augenblicke nicht der Kaufmann Levysohn, der von der anderen Seite der Straße dem Vorfälle beigewohnt hatte, zur Hilfe geeilt wäre. Die Angreifer flohen, wurden aber cingeholt und zur Wache gebracht, wo sie als die Offiziersaspiranten Alexander Freiherr v. Schenk zu Schweinsberg und E. v. Lutheroth recognoszirt wurden. Da der Letztere inzwischen bei einem Ulanen-Regiment eingetreten ist und sich somit der Civilgerichtsbarkeit entzogen hat, so konnte nur gegen den Ersteren verhandelt werden, der sich offen als Denjenigen bezeichnet, der Oppenheim geschimpft und ihm den Stock entrissen hatte. Er entschuldigte sein Thun mit Angetrunkenheit. Der Gerichtshof hielt ihn nur der Beleidigung und der Sachbeschädigung für schuldig und erkannte dafür eine Geldstrafe von 50 und 10 Mark. Hamburg, 22. Nov. Die Verwaltung des Krankenhauses der Deutsch-Israelitischen Gemeinde ist seit einer Reihe von Jahren unausgesetzt bemüht gewesen, die innere Einrichtung des Krankenhauses so zu gestalten, um allen in neuerer Zeit erhobenen Ansprüchen so viel als möglich Genüge zu leisten. Da hierdurch die verfügbaren Mittel absorbirt wurden, so war die Krankenhaus-Verwaltung gezwungen, einige im Laufe der Zeit nöthig gewordene bauliche Reparaturen, vor Allem aber die Einrichtung einer sehr wünschenswerthen Jsolirbaracke, zurückznstellen. Nachdem diese Sachlage der Frau CLcile Heine in Paris, der Gattin unseres leider zu früh verstorbenen Mitbürgers Carl Heine — des unvergeßlichen Wohlthäters des Krankenhauses — bekannt geworden war, hat die genannte Dame für die bezeichnet«! Zwecke in hochherziger Weise sofort 10,000 M. die bereits an die Krankenhaas-'Mnvüttnng .ausgezahlt sind. Es ist zu hoffen, daß dieses edle Beispiel bei anderen Wohlthätern Nachahmung finden und dadurch die Krankenhaus-Verwaltung in die Lage versetzt wird, recht bald zur Ausführung der vorangeführten Verbesserungen des Krankenhauses schreiten zu können. England. London. Bei den bis jetzt vollzogenen Parlamentswahlen wurden folgende Israeliten gewählt: Serjeant Simon (liberal), Baron Henri de Worms (conservativ), Sir Julian Goldsmid (liberal) und Lionel L. Cohen (conservativ). Schottland. Der Gemcindevorstand hat für die neu sich gebildete Gemeinde ein zweites Mikwah erbauen lassen, weil das bestehende nipo für die Mitglieder dieser Gemeinde zu weit entfernt liegt. Der Vorstand hat sich diese Gemeindemitglieder durch die bereitwillige Gewährung ihrer Bitte zu großem Dank verpflichtet. R u ß l a n d. Petersburg.*) Der Telegraph hat uns bekanntlich vor einigen Tagen gemeldet, daß der hochbetagte Emir von Bokhara, Mnzzafer Eddin (Beschirmer des Glaubens), dessen erst vor wenigen Tagen in einer an den „Israelit" gerichteten Korrespondenz aus Bokhara Erwähnung geschah, gestorben sek, und daß sein Sohn Abdul Ahad (Diener des einzigen Gottes) den Thron bestiegen habe. Der „Israelit" betrachtet es zwar nicht als eine seiner Hauptaufgaben, jedem Heimgegangenen weltlichen Fürsten einen Nekrolog zu widmen; ich glaube jedoch, daß ich diesmal im Interesse unserer Glaubensgenossen handle, wenn ich dem verstorbenen Emir, der nahezu vierzig Jahre auf dem Throne fas; und während dieser Zeit die Köpfe von mehr als einem halben Hunderttausend Juden in Händen hatte und mit denselben auch Fangball spielen durfte, in Ihrem geehrten Blatte einen Nachruf halte und denselben so vor das Forum der öffentlichen Meinung citire, um über *) Nachdmck verboten.

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