Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 94 (3.12.1885)
- Date
- 1885-12-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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J\s 94. XXVI. Jahrgang. Aentrak - Hrgan für das orthodoxe Zudenthmn. Heransgegcben von vr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 3. Dezember 5646 (1885). Leitende Artikel. Die Begründer des israeM. Kolkes. XVI. Mainz, 30. November. An den ersten Vers des 42. Kapitels des I. V. M. anara M ttr o Dpy sn»i „nnd Jakob sah, daß Getreide war in Mizrajim," knüpfen unsere Weisen im Midrasch eine eigenthümliche Bemerkung; sie sagen : 'i 2pv* bau? nwa : 2'MN Nin x?n itr 'd ,Djnn n* -ritcr vr ’D ,jqh«i ni ,-dd w ’d tirb» P'bwn Nin *pn ,-üd w> d ,NL"W min »pw ,-OBr ins* p nnxi ,-qd '2 ,cn*.x Bnajn yw 1er d : vNI warn Ilm diesen Midrasch übersetzen zu können, müssen wir zuvor den Grundbegriff des Wortes i2& erörtern; derselbe ist „brechen," bedeutet dann „den Waarenvorrath anbrechen, verkaufen." Das von dem Zeitworte gebildete Hauptwort wird dann für die Waare selbst gebraucht und wird daher in dem von uns obenangeführten Verse mit „Getreide" übersetzt. Unsre Weisen im Midrasch gehen auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes' "ntf zurück, „Bruch, Wunde."? v Nun bedeutet aber das in der heiligen Schrift ebenso geschriebene, aber etwas anders gelesene Wort -nt*, „Hoffnung." Diesen Umstand benützend, lehren die Weisen im Midrasch, daß, wenn die Wunde noch so groß nnd schwer, die Hoffnung immer nahe ist; es ist ja in der heiligen Sprache dasselbe Wort, nnd es braucht nur der Punkt von rechts nach links sich zu wenden. Die Huugersnoth, das war Scheber, Wunde; daß Vorräthe zu haben waren, das war Seber, Hoffnung. Daß Joseph nach Mizrajim verkauft wurde, das war Scheber, Wunde' daß Pharao ihn zum Herrrschcr des Landes einsetzte, das war Seber, Hoffnung. Daß Gott dem Abraham verheißen, daß die Israeliten geknechtet werden sollten, das war Scheber, Wunde; daß aber in derselben Verheißung die Befreiung verkündet wurde, das war Seber, Hoffnung. Daher knüpfen die Weisen all die Worte u?' o upj,” xn cnsoa -out den Vers: Heil dem, welchem der Gott Jakobs zu Hilfe ist, dessen Hoffnung sich richtet zu dem Ewigen, seinein Gott. Eine' große, gewichtige Lehre liegt in diesem Midrasch. Ist die Wunde, die dem Menschen geschlagen worden, auch noch so groß und schwer — niemals soll er aufhören, auf Gott zu hoffen und von Ihm Rettung zu erlvarten. Es braucht ja nur ein Punkt seine Stellung zu verändern, um ans Scheber, Wunde, Seber, eine hoffnungsreiche Zukunst zu gestalten. Wie oft hat das unser Volk während seiner langen und schmerzensreichen Galuthwandcrung erfahren! Daher räth Jakob seinen Kindern zu nehmen D’-ppi dum; das Wort DUM, Plural von pa, bedeutet auch „Leiber," das heißt, wir sollen während des Galuth die Herrschaft über unser leibliches Begehren an uns nehmen, sollen nicht uns von den leiblichen Bedürfnissen beherrschen lassen, lim unsre höchsten Kostbarkeiten dafür einzntauschen .D'ipw, von npo „beharren," und sollen selbst in den trübsten Zeiten ansharren, unverzagt, denn von Scheber, Wunde, zu Seber, Hoffnung, ist nimmer weit. Um das Alles zu vollbringen ist cs nothwcndig, daß D'm mp rutcra *pai, daß wir das zwiefache Silber stets mit uns tragerl. Welches ist das zwiefache Silber? Das ist die schriftliche und die mündliche Lehre, wie es heißt: ,pw b'byi *ps rpD ,nmnD nncx 'n nncx : Dvjnt? ppra „Die Aussprüche Gottes sind reine Aussprüche, Silber, geschmolzen in irdenem Tiegel, geläutert