Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 92 (26.11.1885)
- Date
- 1885-11-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. M r>2. E i n Kenlrak - Zrgan für das orthodoXe Zudenthum. Herausgegeben von vr. Lehman» in Mainz. Donnerstag, den 26. November 5646 (1885). Leitende Artikel. Die Begründer des israelil. IokKes. XIV. Mainz, 23. November. Joseph wird nach Aegypten gebracht; der verwöhnte Sohn eines über ein fürstliches Vermögen gebietenden Vaters wird zum Sklaven verkauft, zum leibeigenen Sklaven, welchem die schrecklichste Knechtschaft, die tiefste Niedrigkeit bevorsteht. Allein, unerwartet günstig gestaltet sich sein Geschick; ihn kauft ein vornehmer Beamter de?..Königs, und da ihm Alles, was er thut, gelingt, so setzt ihn sein Herr zum Verwalter über sein ganzes Haus, schenkt ihm sein ganzes Vertrauen und behandelt ihn auf das Liebreichste. „Und es war nach diesen Begebenheiten," da tritt plötzlich eine große Gefahr an Joseph heran. Das Weib seines Herrn entbrennt in unerlaubter Liebe zu ihm und sucht ihn zum Ehebrüche zu verführen, und da er sich standhaft weigert, das Vertrauen seines Herrn zu mißbrauchen und gegen Gott zu sündigen, so verleumdet ihn das buhlerische Weib, und Joseph wird in's Gefangniß geworfen, llnsere Weisen finden in dem Worlaute der heiligen Schrift angedeutet, daß Joseph ein volles Jahr im Hanse des Phoriphar weilte, ehe seine Herrin ihn zur Sünde zu verleiten versuchte, und werfen dann die Frage auf, warum das Weib des Potiphar nicht schon ftüher in sündiger Liebe zu ihm entbrannte. Joseph war von wunderbarer Schönheit. In dem jüdischen Geschichtswerke nnnn -hd wird nach alter Quelle — auch im Koran wird in ähnlicher Weise berichtet — ausftihrlich von den Vorgängen zwischen Joseph und der Gemahlin des Potiphar erzählt. Joseph war ein schöner Jüngling von 18 Jahren und seinesgleichen war nicht zn finden im ganzen Lande Mizrajim. Da erhob Snlcika, die Gemahlin des Potiphar, ihre Angen zu ihm, und sie gelüstete nach seiner Schönheit in ihrem Herzen, und ihre Seele hing an Joseph gar sehr. Von Tag zu Tag suchte sie ihn zu überreden; aber Joseph schaute sie nicht einmal an. Und sie sprach: Wie schön ist dein Aussehen und deine (gestalt; noch niemals habe ich solch schönen Mann gesehen. — Darauf Joseph: Der Schöpfer, der mich erschaffen, hat alle Menschen in Seinem Ebenbilde gemacht. —- Und sie sprach zu ihm: Wie wundervoll sind deine Augen, mit denen du Alle bezauberst, die dich erblicken! — Er aber sprach: Der Glanz dieser Augen wird einst erlöschen, und lobt und starr werden sie sein, wenn ich im Grabe ruhe. - Wie schön du sprichst, sagte sie, und wie lieblich deine Worte klingen! Nimm doch die Harfe zur Hand, damit der Wohlklang der Harfentöne deine melodische Stimme begleiten. — Er aber sagte: Rur dann klingen meine Worte schön, wenn ich meinen Schöpfer preise. — Und sie sprach: Wie schön ist das Haar deines Hauptes! Nimm doch diesen goldnen Kamm und kämme es vor mir, damit ich es bewundere. — Unwillig antwortete Joseph: Höre doch auf, solche Worte zu mir zn reden und kümmere dich lieber um die Angelegenheiten deines Hauses. — Sie aber sprach: Ich habe kein wichtigeres Geschäft als den Wohlklang deiner Stimme zu hören, und ich weiß nichts Besseres zu thun als dich anznschauen. — Da wollte Joseph fortgehen; sie aber hielt ihn zurück und drohte ihm mit ihrem Hasse und mit ihrer Verfolgung. Er riß sich los und sprach: Der allmächtige Gott wird mich vor deinem Haffe schützen. — Als Snlcika sah, daß sie ihn nicht zu überreden vermochte, wurde sie von einer Uesen Schwermuth. ersaßt, so daß allen ihren Freundinnen ihr krankhaftes Aussehen aufsiel. Und die Freundinnen kamen, um sie aufznmnntern, und