Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 91 (23.11.1885)
- Date
- 1885-11-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. Beilage ju Ir. 91 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Hamburg, 16. Nov. Der Verein „Mekor Ehaji m" (Quell des Lebens), der sich das schöne Ziel gesetzt, unsere heilige Lehre unter seinen Mitgliedern zu fördern und zu pflegen, veranstaltet alljährlich einen Cyclus von Wintervorträgeu aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Literatur. Den Neigen derselben eröffnete vor vierzehn Tagen Herr Dr. Nathan mit einem vortrefflichen Vortrage über „Nachmanidcs und seine Werke." Am letzten Sabbat Abend sprach in unserem Verein Herr Dr. A. Berliner, Doceut am Rabbiner-Seminar. Schon lange vor Beginn des Vortrages war der Saal von einem nach Hunderten zählenden, dichtgedrängten Publikum überfüllt, fast ebensovicle konnten keinen Eintritt mehr finden. Herr Dr. Berliner warf in seinem fünfviertelstündigen Vortrage einen „Blick in die Geisteswerkstatt eines mittelalterlichen Rabbiners." Anknüpfend an das Bibelwort: „Frage deinen Vater, und er wird es dir sagen, deine Alten, und sie werden es dir künden," hob der Redner die Bedeutung der Respousenliteratur hervor, einer Literatur, an der die Vesten und Edelsten unseres Volkes mitgewirkt, und die nicht allein Lehre und Glauben, sondern auch Eulturgeschichte, Archeologie, Eostümkunde, sowie alle anderen nur möglichen Gebiete der Wissenschaft und des tägliche» Lebens umfaßte. Mit Dank sei daher der in diesen Tagen unter der Aegide des „Deutsch-Jsrae!.-Gemcindebundes" constituirte Verein zur Erforschung der Geschichte der deutschen Juden zu begrüßen, dessen Programm gerade auf diesen Zweig der jüdischen Literatur hingewiesen habe; die Ernte auf diesem Felde werde reiche Früchte hervorbrmgen. Sodann führte der Vortragende seine Zuhörer in die Geistcswerkstatt der vorzüglichsten deutschen Rabbiner aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts (eines Jakob Lcvi aus Mainz, Jakob Weil aus Augsburg, Israel Jsserlein aus Marburg in der Stetzermark, Israel Bruno aus Regensburg und Moses Mcnz aus Bamberg) und zeichnete mit bunten Farben ein lebensvolles Bild von der vielseitigen Thätigkeit dieser Geisteshelden des Mittelalters. Aus Nah und Fern strömten die Fragen und Bitten um Belehrung, Entscheidung und Vermittelung herbei. Eine stehende. Rubrik bilden die eherechtlichen Fragen, die Wiederverheirathung von Frauen betreffend, deren Männer als Erschlagene gefunden worden; oft auch trug eine Gemeinde ihre Streitigkeiten dem Rabbiner zur Schlichtung vor. Bald wird das Berhältniß zu den Apostaten beleuchtet, bald die Frage erörtert, wann man in Zeiten der Glaubcnsverfolgnng sich hinopfern, und wann man der Pflicht der Sclbsterhaltung gehorchen muffe. Aber auch heitere Seiten finden wir in dieser sonst so ernsten Responsenliteratnr. Da fragt der Eine an, ob er zu Neujahr Christen Geschenke senden, ein Zweiter, ob er als Trauernder an einem Geburtstagsfeste theilnchmcn dürfe, eine Dritte, ob es erlaubt sei, bei Maskenbällen u. dgl. Mönchskleider zu tragen. Selbst die neuen Ersindnngen geben Anlaß' zu Fragen. Die Zuckerfrage am Pessachfeste spielt in den Response» des Moharil eine hervorragende Rolle, und die spätere Einführung des Kaffees rief eine Flnth von Anfragen und Entscheidungen über den Genuß dieses Trankes vor dem Morgengebete,- in Kaffeehäusern am Sabbat Nachmittag n. s. w. hervor. „Die Quelle aber für alle diese Entscheidungen" — so schloß der Redner — „ist unsere heilige Lehre, die tvahre Quelle des Lebens. Wenn Sie mit Ihrem Vereine diesen segenspendende» Quell immer mehr erschließen, so werden Sie immer näher zu dem Endziele geführt werden, welches in dem erhabenen Bewußtsein des Bekenntnisses sein Hochziel findet: ntru ■p1**3 D”n 'v „Bei Dir. o Oott, ist die Duelle des Lebens In Deinem Lichte schauen wir Licht!" Lebhafter Beifall begleitete die ebenso lehrreichen, wie interessanten Ausführungen des Redners, dessen Vortrag eine bleibende Stätte in der Geschichte unseres Vereines finden wird. Posen, 17.Nov. Herr ProfessorHensel veröffentlicht in der „Pösener Zeitung" eine Erinnerung aus dem Leben des unlängst verstorbenen Geheimen Commerzienrath Jaffe, die wir den Lesern des „Israelit" hier mittheilen wollen: Es war kurze Zeit nach dem 14. April d. I. den letzte» (61.) Geburtstage des Verewigten, an welchem wir ' uns noch wechselseitig schriftlich begrüßt hatte», als ich in der dritten Nachmittagsstunde unter de»