Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 88 (12.11.1885)
- Date
- 1885-11-12
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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iiüngen vorhanden, dass sie kaum für den hundertsten Theii derselben ausreichen. Die Wohnungen werden in Jerusalem nicht monatsweise, sondern pro Jahr vermiethet, die Miethe muss pränumerando bezahlt werden; vor Ablauf des Jahres muss der Miether sich bei seinem Wirthe erkundigen, ob dieser ihm die W ohnung auch für das kommende Jahr belassen will, und da geschieht es fast regelmässig, dass entweder der Hausbesitzer den Miethpreis so steigert, dass der Miether ihn nicht erschwingen kann und um deswillen sich um eine andere Wohnung bemühen muss, oder der Vermiether die betreffende Wohnung selbst beziehen will, oder aus irgend einem anderen Grunde kündigt, sodass die Meisten von Jahr zu Jahr ihre Wohnungen wechseln müssen. An den Umzugstagen selbst herrschen kaum beschreib bare Verwirrung und Jammer in den Strassen Jerusalems. Hier sieht man Familien, die noch keine Wohnung gefunden und von den Wirthen gedrängt, ihre alten Wohnungen verlassen müssen, dort Familien, die, wie dies bei den Meisten der Fall, die Miethe für das vergangene Jahr noch nicht bezahlt haben, deren Möbel der Hausherr als Pfand zurückbehalten, sie selbst jedoch auf die Strasse gesetzt hat, dazwischen die angesehensten Leute der jüdischen Gemeinde, die von den Stadtbewohnern darob verhöhnt, mit ihren Frauen und Kindern, da sie Träger nicht bezahlen können, ihr ganzes Mobiliar und all' ihre Habe auf ihren Schultern von einem Hause zum anderen tragen; die ohnedies so engen Strassen gewähren das ßild unendlicher Verwirrung, die auf ihnen sich bewegenden Menschen das tiefen Jammers und schweren Leides. ln diesem Jahre ist die Angst vor dem nahen Umzugstermine besonders gross; die „Chalukah“- Gelder, aus denen fast Alle die Miethe bezahlen, sind sehr spärlich eingegangen, Darlehne sind nur sehr schwer und gegen sehr hohe Zinsen zu erhalten. Die Meisten haben ihre vorjährige Miethe noch nicht bezahlt und schauen trostlos in die Zukunft. Nur dadurch könnte für die spätere Zeit dieser kaum beschreibbaren Noth abgeholfen werden, dass durch die Erbauung einer grösseren Zahl von Häusern die bezeichneten Familien nicht mehr genothigt sind, bei mohammedanischen Hausbesitzern übermässig theure Preise für die Wohnungen zu zahlen; es würde hierzu nicht directer Spenden aus Europa, sondern nur grösserer Darlehne bedürfen, die allmählich durch die Miethe abzuzahlen wären. Mögen sich recht bald hochherzige Brüder finden, die die Hinwegräumung oder wenigstens die Linderung dieses regelmässigen Nothstandes auf solche Weise za erwirken streben! Der vorstehend gemachte Vorschlag des Herrn J. Goldmann in der "n^SDil, bedarf keiner besonderen Befürwortung; das Praktische, der unbeschreiblich dürftigen jüdischen Bevölkerung Jerusalems dauernden Segen zu bringen vermögende desselben leuchtet Jedem auf den ersten Augenblick ein. Ich bitte darum recht innig um besondere und reiche Spenden für diesen hochedlen Zweck und hoffe zuversichtlich, bei allen für p'MK warm schlagenden Herzen keine Fehlbitte zu thun. Dürkheim a. d. Haardt, nnnpignrrnrm 8. October 1885. JDr. .A. Salvendi. Drück von David Lotus Wolif, Magdeburgs