Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 88 (12.11.1885)
- Date
- 1885-11-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1503 „Dort in der Laube ist Mama," rief eines der anderen Kinder „und Frau und Fräulein Ehrmann sind auch dort." „Warum bist Du heute so lange nicht gekommen, Papa?" fragte Richard sich an den Vater anschmiegend. „Kümmert das Dich, Du kleiner Naseweis?" „Freilich kümmert das ihn," lachte Bertha, „Richard hat Durst und mag kein Wasser trinken, und Mama wollte die Bierflasche nicht aufmachen, ehe Du da warst." „Das ist wirklich arg", sagte Steinhard, „na komm, da wollen wir geschwind zu Mama laufen." Er nahm den Kleinen an der Hand und lief mit ihm im Kinderschritt der erwähnten Laube zu. Sämmtliche Kinder lachten herzlich. „Mama! Mama!" rief Richard von Weitem, „Papa ist schon da, machst Du jetzt die Flasche auf!" „Ergebener Diener, meine Damen!" grüßte Steinhard den Hut lüftcitb. Dann reichte er seiner Frau die Hand. „Guten Abend allere amie. hast Du auch schon lange auf mich gewartet?" „Fräulein Ehrmann hat mir gesagt, daß Du schon vor sieben hier in der Nähe warft, und noch einmal fori gerannt bist. Wo bist Du denn gewesen?" „Das erzähle ich Dir später", erwiedert erlachend, „ich habe ein bischen den Beichtvater gespielt und den Folterknecht dazu, denn ohne Daumschrauben wäre es schwerlich gegangen." „Du sprichst sehr mysteriös", sagte Frau Stcinhard, „willst Du uns auch auf die Folter spannen?" „Bewahre der Himmel", entgcgnete er den Arm um sie schlingend. „Mein kleines Frauchen möchte ich doch nicht auf die Folter spannen, lieber mich selbst." „Ich glaube zu errathen, wo Sie gewesen sind," sagte Adele. „Das können Sie auch", erwiderte er ihr zunickend. „Ich war dort, wo Sie vorher waren. Und ich möchte Sie sehr bitten, morgen zwischen zehn und elf wieder dorthin zu gehen und mir genau zu berichten, ob Sie irgend welche Aenderung wahrgenommen." Sie blickte ihr» verwundert an. „Eine Aenderung?" „Was hast Du denn für Geheimnisse mit Herrn Steinhard?" fragte Frau Ehrmann lächelnd. „Ich vermuthe, daß Herr Steinhard bei meinen Schwiegereltern gewesen ist." „Bei Deinen Schwiegereltern? —" Fran Ehrmann zog die Stirn in Falten. „Liebes Kind, ich begreife nicht, wie Du von Schwiegereltern sprechen kannst." „Ich meine Eduards Eltern", sagte das junge Mädchen erröthend. „Der junge Kornfeld hat Dir Dein Wort znrückgegeben." „Ich betrachte »nich dennoch als seine Verlobte", sprach Adele leise. „Das ist sehr, sehr unvernünftig," entgegnete Fran Ehrmann seufzend, „ich sprach vorhin mit Frau Steinhard darüber, und ich glaube. Sie, Herr Steinhard werden mir gleichfalls recht geben." „Worin, meine Gnädige?" „Daß Adele sich nicht länger als Kornfelds Braut betrachten kann." Steinhard zuckte die Achseln. „Herr Kornfeld hat Ihnen allerdings durch mich Ihr Wort zurückgegeben —* „Ich habe es nicht angenommen," flüsterte sie. „Darauf kommt es lvenkg an," fiel Fran Ehrmann erregt ein. „Kornfeld kann nie zurückkommen." „Mama! —" „Es thut »nir ja selbst in» Herzen weh; doch wir können geschehene Dinge nicht ungeschehen machen. So wenig ich an die Schuld des jungen Kornfeld glaube und so hoch ich ihn schätze, ich kann dennoch nicht bestreiten, daß er steckbrieflich verfolgt wird und daß er verhaftet »verden würde, wann immer er sich hier sehen lassen tvürde. Und denken Sie sich Herr Steinhard, Adele ist ein glanzender Antrag geworden, und sie weigert sich, ihn anzunehmen. Bitte, sagen Sie offen Ihre Meinung, ich weiß, Adele gibt viel auf Ihr Urtheil. Finden Sie es nicht unvernünftig, daß sie auf die Rückkunft desjenigen warten will, der doch nicht zurückkommen kann und darf." Steinhard rieb sich die Stirn. „Dem kann ich freilich nicht widersprechen. Gebunden sind Sie keinesfalls, Fräulein Adele." „Das weiß ich," sagte sie leise, „aber —" „Aber Du willst trotzdem Dich als gebunden betrachten, willst Dein junges Leben in hoffnungsloser Erwartung vertrauern, obgleich Du weißt, wie sehnlich ich es wünsche, Dich versorgt zu sehen, damit Du nicht, wen»» ich über kurz oder lang abberufen »verden sollte, vollständig schutzlos und verlassen dastehst." „Sprich nicht so, liebe Mama," flüsterte Adele, den Arm um die Mutter schlingend, „lvir werden mit Gottes Hilfe noch recht lange zusammen fein." „Das hoffe auch ich, liebes Kind. Aber — »vir sind alle in Gottes Hand, und wenn Er ruft