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Der Israelit · 1885-11-02 · Heft 85 (2.11.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 85 (2.11.1885)
Date
1885-11-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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%XV I-Zahrgang. Beilage jn Hr. 85 des Israelit. - i --- - ■ — ■■ ■ .. Leitender Artikel. Literarischer Wericht. Midrasch Tanchuma. Ein agadischerKommentar zum Pentateuch von Rabbi Tanchuma bar Abba, zum erftenmalc nach Handschriften aus den Bibliotheken zu Oxford, Rom, Parma und München herausgegeben. Kritisch bearbeitet, commentirt und mit einer ausführlichen Einleitung versehen von Salomon Bub er in Lemberg. Wilna, Wittwe und Gebrüder Romm 1885. Der gelehrte Herausgeber der Peßikta de Rabbi Kahäna und des Lekach Tob des Rabbi Tobiah den Elieser hat die literarische Welt vor Kurzem mit einer Leistung überrascht, die seine früheren, wahrlich^ nicht gering anzuschlagendcn Arbeiten noch Übertritt. Man findet in seiner neuesten Arbeit die bekannten Vorzüge seiner früheren Midraschausgaben: die philologische Treue und Akribie, mit der er die Worte wiegt, die Lesarten einander gegenüberstellt und sich für das Nichtige entscheidet: die umfassende Kenntnis; der gesammten Midraschliteratur, die überall die Parallelstelten in überraschender Fülle anzuführen weiß; das richtige Sprachgefühl des geschulten Linguisten, der die oft unkenntlich gewordenen Fremdworte trotz ihrer Umformung in ein fremdes und ihnen widerstrebendes Idiom erkennt und in ihrer Ursprünglichkeit vorführt. Aber weit mehr als dies wird uns in seiner neuesten Arbeit geboten, denn die 212 Seiten groß Oktav füllende Einleitung ist eine Leistung ersten Ranges an und für sich, ein Meisterstück kritischer Beweisführung und umfassender Belesenheit in der jüdischen Literatur, das auch dem Widerstrebendsten Hochachtung «bringen muß. Es ist bekannt, welche Verwirrung die Tanchumafrage angerichtet hat. Die Citate, die wir bei Naschi, Jalkut, Aruch aus dem Tanchuma finden, sind in unseren Druckausgaben nicht enthalten. Daher meinten die älteren Forscher, wie Menachen di Lonsano u. A., daß der von den Alten zitirte Tanchuma der Jelamdenu fei, der uns verloren gegangen ist. Nun zitirt aber Jalkut bald Tanchuma, bald Jelamdenu und manchmal nebeneinander, so daß es evident ist, daß die beiden auseinander zu halten sind. Es wurden die verschiedensten Hypothesen zur Lösung dieser Fragen vorgcschlagcn, die aber jetzt, durch die Herausgabe des echten Tanchuma, der bis jetzt nur handschriftlich vorhanden war, ihre Erledigung gefunden haben. Das Ergebnis; der Forschungen des Herrn Bnber ist für die Kcnntniß der Midraschlitcratur sehr wichtig und wird für die weitere Forschung ans diesem Gebiete sehr erfolgreich sein, cs wird daher für die Leser dieses weitverbreiteten Blattes von Interesse sein, in kurzer Skizzirung dasselbe kennen zu lernen. Der Midrasch Tanchuma führt seinen Flamen von Rabbi Tanchuma bar Rabbi Abba, der ein bekannter Agadist und das Haupt der Midraschlehrer war und von dem unser Midrasch sehr viele Erklärungen enthält. Er war aber nicht , der Verfasser der vorliegenden Sammlung, die erst nach seinem,'Tode abgeschlossen wurde. Auch der Verfasser der Peßikta hat seine Deraschoth dem 9L Tanchuma vindizirt und wenn er eine AgadaMlirt.^dic-auderswo im Namen des ’cn '-> zitirt wird, so fügt er immer den Namen das R. Tanchuma hiezu; z. B. 13 Vniep '“i dk'3 xcimn nne *p. R. Tanchuma war Zeitgenosse des R. Huna, Palästinenser, und wird daher im Babli nicht erwähnt; Ehulin 55b scheint ein Fehler für R. Tauchum zn sein, was bereits Seder Hadoroth s. n. bemerkt. Dagegen ist sein Name sehr häufig im Jernschalmi und in den palästinensischen Midraschim. Er gehörte zum fünften Amoraimgeschlechte ans Palästina, welches um 380 g. Z. blühte. Sein'Wohnsitz war wahrscheinlich Antiochia, nach Bereschith Rabba 19, 4 aber er hielt sich auch eine Zeit lang in Rom auf. Unter dem Namen Tanchuma gehen drei Midraschsammlungen. Die älteste unter diese Dreien ist die vorliegende, die bis jetzt nur handschriftlich vorhanden war, und die wir „Tanchuma I" nennen; dieser Sammlung zunächst steht der „Jelamdenu-Tanchuma" der noch von Jalkut und Aruch häufig citirt wird, der aber gänzlich verloren gegangen ist, so daß selbst in den Bibliotheken, soweit sie durchforscht sind, kein handschriftliches Exemplar davon zu finden ist; drittens unser gewöhnlicher Tanchuma der Druckausgaben, den wir des Unterscheidens wegen „Tanchuma II" nennen wollen und der mit vielen Zn- und Ansätzen gar oft gedruckt wurde. Unser Tanchuma I ist die älteste Hagadasammlung, die wir besitzen, denn, selbst Bereschith Rabba hat

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