Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 83 (26.10.1885)
- Date
- 1885-10-26
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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wir schon an 2000 Rubel. Die Chalukah-Kasse würde also mit einer Abfindungssumme von 2000 Francs ein gutes Geschäft machen; andererseits wiederum könnte mit einer solchen Summe unzähligen Familien auf immer geholfen werden. So wohnen z. 11. in Jerusalem einige Leute, die auf der Colonie »TpH Pins Eigenthum besitzen, denen aber das nöthige Geld fehlt, um die nöthigen Gerät!,e etc. zu erwerben und die nun am 1 lungertuche nagen. Mit 2<‘0o Francs wären diese Leute im Stande, sich ein Häuschen zu bauen und sonstige nothwendige Dinge zu beschatten. Es ist das natürlich leicht gesagt, und dürfte in den Augen der zu schwer um es auszuführen erscheinen. Allein es muss ja nicht Alles auf einmal geschehen, sondern nach und nach; man möge mit kleinen Versuchen vergehen, es lasst sich hier was Grosses schaffen. Die Vorsteher der Colonie mögen bedenken, welch’ ungeheure Verantwortlichkeit sie auf sich laden, wenn sie nicht rechtzeitig die Zukunft in’s Auge fassen und nicht darauf bedacht sind, Hunderte von Familien vom tiefsten Elende, vielleicht vom Hungertode TTT zu retten. Denn um aufrichtig zu sprechen, die Zeiten sind vorüber, in denen die Bewohner des heiligen Landes ruhig und unbekümmert den aus Europa anlangenden Unterstützungsgeldern entgegensehen konnten. Selbst unsere opferwilligen Brüder und Schwestern in Europa, die ohne ungeduldig zu werden, regelmässige Spenden für Palästina geben und vielleicht auch noch hie und da die unzähligen aus Palästina an kommenden Bettelbriefe berücksichtigen, werden es endlich einmal müde, wenn tagtäglich erneute Nothrufe in ihre Ohren dringen. Man fragt sich: Sind denn die vielen Opfer, dia wir gebracht, ganz vergebens gewesen? und wenn man sieht, dass mit den Wohlthaten nichts dauernd Gutes geschaffen wird, so hört die Opferfreudigkeit auf. Die Bewohner des heiligen Landes wollen nun das Project der Colonisation Palästina’s dafür verantwortlich machen, dass die Chalukahgelder sich verringern. Würden sie genau überlegen und über die Bedeutung der Colonisationsidee nachdenken, so würden sie dem Allgütigen dafür danken, dass diese Idee in immer weitere Kreise dringt, so dass man sagen kann, dass zu keiner Zeit seit den Kriegen mit den Römern sich die Liebe zum Stammlande bei den Juden in solcher Stärke gezeigt hat, als gerade jetzt bei diesem Projecte der Colonisation, an welchem nicht nur strenggläubige Juden, sondern auch andere innigen Antheil nehmen. Wer weiss, was ohne die Colonisation den Juden des heiligen Landes bevorsteht. Die Kasse des Sefardim hat sich in erschreckender Weise vermindert, und die Vorsteher der sefardischen Gemeinde in Jerusalem haben uns schon oft bitterlich geklagt, dass sie nicht wüssten, wie sie ihre Gemeindemitglieder erhalten sollten, da sich die Beiträge um die Hälfte verringert hätten. Ist hier auch die Colonisation schuld? Ist er doch constatirt, dass die Sefardim im Allgemeinen geringere oder gar keiner Theilnahme für die Colonisation bezeugen. Darum sagen wir, wären unsere Brüder im heiligen Lande einsichtig, so würden sie finden, dass die Colonisation Palästinas vielleicht der einzige Rettungsanker für sie ist. Sie müssten bedenken, dass die meisten unserer europäischen Brüder in sehr gedrückter Lage sind, da die Judenfeinde gerade heutzutage ungehindert vorgehen. Aber auch da, wo kein äusserer Feind hindernd entgegentritt, sind die Anschauungen der Jetztzeit nicht sehr günstig für solche aus dem Gefühle der Religiosität entspringenden Werke, wie die Unterstützung der Armen des heiligen Landes es ist. Ist es doch Wunder genug und kann man dem Allgütigen nicht genug dafür danken, dass wenigstens die Idee für die Colonisation noch in viele Herzen eingedrungen ist, die dem Judenthume Sonst indifferent gegenüberstehen. Darum rufen wir den Vorstehern derChalukah zu: Bedenket, überleget, schliesset nicht die Augen vor der unendlichen Verantwortlichkeit, die Ihr auf Euch ladet, wenn Ihr in der seitherigen Weise weiter wirthschaften wolltet! — * Dfuok von David Loaia Wolf, Magdeburg.