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Der Israelit · 1885-10-26 · Heft 83 (26.10.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 83 (26.10.1885)
Date
1885-10-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1414 er auch vom rumänischen Zollamte in Marmowitza ordnungsmäßig vidiren ließ, und meldete sich, bei seiner Ankunft in Herza auf der Polizei, um seinen mehrtägigen Aufenthalt vorschriftsmäßig zur amtlichen Kenntniß zu bringen. Der Herr Polizeimeister findet es aber angezcigt, das Vidi der Präfektur in Dorohoi auf den Paß des österreichischen Staatsbürgers setzen zu lassen, läßt den Kaufmann 24 Stunden im Arrest fitzen und schickt ihn in Ketten unter militärischer Eskorte zu Fuß nach Dorohoi, woselbst dieser das Vidi der Präfektur persönlich abholen soll. In Dorohoi wird der Mann drei Tage lang im Kerker gehalten, täglich geprügelt, dann wird unter Anwendung von Martern Kopf und Bart rasirt und zuletzt wird er wieder mit Eskorte an die österreichische Grenze abgeschoben." Bukarest. Die Verfolgungen gegen unsere unglücklichen Brüder werden täglich mit größerer Grausamkeit fortgesetzt. Ein jüdischer Schneider, welcher auf dem Arme ein ausgcbeffcrtcs Kleidungsstück trug, wurde von einem Polizisten vor den Friedensrichter geführt, welcher ihn zu 100 Fr. Strafe oder einem Monat Gefängniß vcrnrtheilte. Auf die unter Thränen gegebene Versicherung, daß er kein Haufirer, sondern Handwerker sei, was er durch seine Kunden beweisen könne, erwiderte der Richter, daß er seine Klage Lord Salisbury vorlegen solle, er bestehe auf die erkannte Strafe. Um den armen Mann mit Frau und fünf Kindern nicht hungern zu lassen, wurde eine Eollecte für ihn veranstaltet. Der Kapitän Mora», der sich Großmeister einer rumänischen Freimaurerloge nennt, hat an alle Logen des Auslandes ein Eirculär. gerichtet, in welchem er die Juden in Rumänien als Wucherer, Vergifter n. s. w. schildert. Wie hoch aber auf die Wahrheitsliebe dieses Kapitäns zu rechnen ist, ergibt sich aus der Thatsache, daß eine rumänische Freimaurerloge gar nicht existirt, und daß er selbst wegen verschiedener Malversationen von der französischen Freimaurerloge in Bukarest ausgesioßen worden ist. Die ausländischen Freimaurer werden demnach dieses famose Schreiben demgemäß zu würdigen wissen. Frankreich. Marseille. Während der diesjährigen Choleraepidemie sind vier Juden dieser Krankheit erlegen. Die Localzeitungen hoben mit besonderem Lobe den Eifer des Präsidenten der jüdischen Gemeinde und Verwalters der bürgerlichen Hospitäler, Herrn Vidal-Naquet hervor, welche täglich die Kranken in Pharohospital besuchte. Gleiche Ehre wurde auch dem hiesigen Oberrabbiner für sein heroisches Auftreten während dieser schrecklichen Krankheit zu Theil. Keßaöikitirl. Erzählung von Friedrich Rott. vm. Es war am Morgen, Frau Kornfeld war unfähig, das Bett zu verlasicn, ihre Tochter besorgte die Wirthfchaft und hatte auch durch Bitten und Schmeicheln die Mutter dazu gebracht, ein leichtes Frühstück cinzunehmen Dann versuchte sie ihr Heil auch bei dem Vater, doch bei diesem scheiterten alle ihre Bemühungen. Nur ein Gläschen Cognac ließ er sich aufnöthigen, das schien ihm wohl zu thun, denn er verlangte ein zweites. Rosa reichte cs ihm. „Ich habe Dir frische Wäsche in Dein Zimmer gelegt, Papa, Tn willst Dich vermuthlich umkleiden, denn Deine Toilette ist dcrangirt, und ich glaube, cs wird schon bald Zeit sein, in's Bürcau zu gehen." . „In's Büreau," murmelte er in sich erschaudernd und fuhr sich mit der Hand über die Stirn,, während ein Acchzcn seiner Brust sich entrang; es schnitt dem jungen Mädchen in das warmfühlende Herz. „Lieber Papa —" sprach sie schüchtern und legte ihren Arm um seinen Hals — „cs wird gewiß bald Nachricht von Eduard kommen, ich werde Dir den Brief sofort in's Bürean bringen, soll ich«" Er neigte bejahend das Haupt, dann erhob er sich nicht ohne Anstrengung, berührte mit seinen kalten Lippen die Stirn der Tochter und verließ langsamen Schrittes das Zimmer, ihrer Aufforderung entsprechend, sich zu seinen! gewohnten Tagewerke vorzubereiten. . Als er seine Toilette beendet, trat er an das Bett seiner Frau, reichte ihr die Hand und erkundigte sich nach ihrem Befinden, vermied es jedoch geflissentlich, ihrem Blicke zu begegnen. Dann entfernte er sich hastig. Später als gewöhnlich kam er in das Bürean, das übrige Personal war bereits längere Zeit anwesend, doch siel weder sein spätes Kommen, noch sein verstörtes Aussehen auf; das plötzliche Verschwinden seines Sohnes war Tagesgespräch und erklärte beides. Kornfeld hatte seinen gewohnten Platz eingenommen; wie gewöhnlich lag das aufgeschlagene

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