Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 83 (26.10.1885)
- Date
- 1885-10-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449580--23099-2512759- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXVI. Jahrgang. J\i 83. Genirak - Organ für das orthodoxe Indenlhum. Heransgcgcben von l>r. Lehman» in Mainz. Montag, den 26. Oktober 8646 (1888). Leitender Artikel. Iie Begründer des israekil. Wottres. V. M a i n z, 22. Ociober. Das zweite Mal, das; eine Wolke Gottes unserem Vater Abraham erschien, geschah bei Gelegenheit der zehnten und größten Prüfung, die der Erwählte Gottes zu bestehen hatte. Als Abraham hundert Jahre zählte, gebar ihni seine neunzigjährige Gattin einen Sohn, durch den all die hohen und herrlichen Verheißungen sich erfüllen sollten. Man kann sich vorstellen, mit welcher Liebe und Sorgfalt die hochbctagten Eltern das spätgeschenkte Kind erzogen. Dieser Sohn war zugleich der erste, an welchem der Lund der Beschneidung zur, für alle künftigen Geschlechter festgesetzten Frist bewährt wurde. Ihm zu Ehren bereitete Abraham ein großes Gastmahl, bei welchem er alle seine Freunde bewirthete; ihm zu Liebe entfernte der Vater mit schwerem, bekümmerten Herzen all die Einflüsse, die nach der zärtlich besorgten Mutter Anschauung der Entwickelung des Kindes hätten schaden können. Und der Knabe wächst heran zu einem herrlichen, edlen Jüngling, seines Vaters Ebenbild. Da spricht Gott zu Abraham: Nimm doch deinen Sohn, den einzigen, der dir .geblieben, den du so unendlich liebst, denselben, von dem ich dir gesagt jni -fr *op* pnsra o, daß von ihm das gottcrkorene Volk abstammen soll, den Jizchak. Ich fordere ihn von dir — ein Opfer, wie niemals ein größeres ist verlangt worden. — Und Abraham erklärt sich bereit; er murrt nicht, er klügelt nicht, er widerspricht nicht; er steht früh ans am Morgen, sattelt selbst das Lastthier, spaltet selbst das Holz zunl Ganzopfcr, und macht sich auf und geht mit seinem Sohne an den Ort, von welchem ihm Gott gesprochen hatte. Nachdem er lange Zeit gewandert, erhebt er am dritten Tage seine Augen und sieht den Ort von Ferne. — Was sah er? fragen unsere Weisen im Midrasch. Er sah eine gottgesandte, lichtumflosieue Wolke auf einem der Berge lagern. Und er fragte seinen Sohn: Was siehst du dort, mein Kind? Und Jizchak sprach: Ich sehe einen Berg, auf welchem eine golden-glänzende Wolke lagert. Darauf fragte Abraham die Knechte, die ihn begleiteten: Was seht ihr dort? Und sie sprachen: Wir sehen nichts. — Ans diesem Umstande schloß Abraham, daß nur er und sein Sohn den Ort der Prüfung betreten sollten, und er sprach zn seinen Knechten: Bleibet ihr hier mit dem Esel; ich aber und mein Sohn, wir wollen gehen bis dorthin; dort wollen wir beten, und dann werden wir zu euch zurückkehre», nuitwi „und wir werden zu euch znrückkchreu." Wie durfte Abraham sagen üsba roitwi? hätte er nicht sagen müssen uyba raitwn ,,i ch werde zu euch znrnckkehren? Ging er doch dorthin, um seinen geliebten Sohn zu opfern! Allein, err:» qiet jcjiu, beim Anblicke der göttlichen Wolke überkam ihn, ihm selber unbewußt, der Geist der Prophetie, und er prophezeite, daß sie beide in Frieden znrückkchreu werden, miss -D3 ’jjy -.2Ü2-2 o j&d seine Zuversicht, sein unerschütterliches Vertrauen auf Gott war fest wie eine Felsenburg, und das Bewußtsein der Nähe der göttlichen Herrlichkeit, der Anblick der gottgcsandten Wolkcnsäule erfüllte ihn mit solcher Sicherheit, wie den Helden, der in einer auf einem Felsen erbauten festen Burg keinen Feind zu fürchten braucht. Und sein Vertrauen täuschte ihn nicht. Wohlbehalten kehrte er mit seinem Sohne zurück. Gleichzeitig mit seinem Sohne? Die heilige Schrift scheint uns ein Anderes zn lehren (l. B. M. E. 22. V. 1i>) v-iyj S* erras. „Und Abraham kehrte zurück zu /