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Der Israelit · 1885-10-15 · Heft 80 (15.10.1885) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 80 (15.10.1885)
Date
1885-10-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1364 Piaster hinein, dann ging er zu den umstehenden Beamten und zu dem angesammeltcn Volke und in kaum zwei Minuten war das Tuche! gefüllt mit Silbermünzen, so daß der Bauer nicht nur seine Schuld an den Staat bezahlte, sondern noch 30 Francs erübrigte. Dem in Thränen der Rührung und des Dankes ausbrechenden Bauern aber sagte Eilibi Moise: „Gehe mit Gott und danke mir nicht," worauf er selbst eiligst zu seinem Waarenkorbe zurückkehrte. Eilibi Moise betätigte seine Liebe für die rumänischen Bauern in vielen Fällen, nicht minder aber trat er in die Schranken, wenn es sich um seine armen und bedrückten Glaubensgenossen handelte. Einst wurden zwei durchreisende jüdische Handwerker fälschlich der Vagabundage bezüchtigt und eingczogen. Eilibi Moise, welcher fürchtete, daß dieselben nngercchterwcise abgeschoben würden, eilte noch in später Nacht in's Ministerium, wo eben Ministcrrath abgehaltcn wurde, und verlangte von dem betreffenden Minister die Freilassung der beiden Handwerker. Aber sage mir, Eilibi Moise, fragte der Minister, sind diese beiden Menschen nicht etwa Deine Anverwandten? Du weißt gut, daß Eilibi nicht nur für Verwandte bitten geht, antwortete dieser, doch ich bin ein Jude, mtb die sind nicht wie die Rumänen: Wenn man einen Juden schlägt, dann weinen wir alle, wenn man einen Rumänen schlägt, dann lachet Ihr alle! Und da nun auch ich ein Jude bin, so weine ich vor Dir und bitte um Gerechtigkeit. Dem Minister gefiel diese Antwort, und er gab den angeblichen Vagabunden die Freiheit. Eilibi Moise, welcher, wie wir bereits bemerkten, weder schreiben noch lesen konnte, gab im Jahre 1858 zum erstenmale ein kleines Büchlein heraus, welches seine gesammelten rumänischen Anssprüche enthielt und mußte er dieselben zu diesem Behufe einem Schrcibkundigen in die Feder dictiren. Das Büchlein fand eine glänzende- Aufnahme und mußten 10,000 Exemplare gedruckt werden; diese Zahl allein ist die beste Kritik, die man über den Inhalt des Buches schreiben kann. Auf diesen ersten Traktat Eilibi Moise's folgte ununterbrochen alljährlich ein neuer und viele derselben erlebten eine zweite und dritte Ausgabe. Die Anssprüche Eilibi Moise's sind oft von einer geradezu rührenden Einfachheit und dabei doch geistreich und inhaltsvoll, bald tadelnd, bald belehrend, so daß ein großer Theil derselben durch die häufige Anwendung Eigenthum des ganzen Volkes wurde, welches sie in den meisten Fällen gebraucht, ohne auch nur den Verfasser derselben zu kennen. Die verschiedenen Tractätlein Cilibi Moise's sind jetzt gesammelt von M. Schwarzfcld in einem Werke herausgegeben worden, und wir bedauern, daß wir Raummangels wegen nur eine ganz kleine Answahl dieser Aussprüche hier citiren können, denn sie verdienen es alle gelesen und viele derselben oft gelesen zu werden. Die meisten der Aussprüche sind auch der rumänischen Volkssprache treffend angepaßt und kaffen sich deshalb nur schwer verdeutschen, worauf wir den Leser zu achten bitten; wir lassen nun eine Anzahl derselben folgen: „Der ganzen Welt genügen zwei Hände, der Kaufmann aber braucht deren drei: mit Einergibt er und mit Zweien nimmt er! — Eine schuldige Frau ist immer eine schlechte Mutter. — Die Liebe im Herzen einer Frau gleicht dcmBalsam in der Wunde. — Der Mensch kann nur dann etwas sein, wenn er fühlt, daß er nichts ist. — Einst drangen bei Eilibi Moise Diebe ein, er hielt sie an und sprach: „Tretet ein, was Ihr findet, thcilen wir!" — Am Ende des Earnevals gewinnen zwei Arten von Menschen: Doctoren und Schuster. — Gott freut sich, wenn zwei Arme sich gegenseitig Hilfe leisten. — Gott gibt uns Regen und der Bauer zu essen. — Die Zeit gleicht einer Treppe, der Eine steigt hinauf, der Andere hinunter. — Das Glück kann uns nur das nehmen, was es uns gegeben hat. — Die ehrbare Frau erkennt man, wenn sie einen ihrer unwürdigen Gatten hat und doch zufrieden ist. — Männer, die das Vaterland lieben, lieben kein Geld. — Wissenschaft ist erborgt, Praxis ist Eigenthum. — Vom Worte zur That, ist wie vom Himmel 3ur Erde. — Wehe dem Dieb, der arm ist, und dem Armen, der ein Dieb ist. — Ich habe ein Mittel gefunden, um reich zu werden: Ich gebe Allen, die die Wahrheit sprechen, je einen Thaler, hingegen verlang ich von Allen, die Lügen sprechen, einen Pfennig. — Es gibt Menschen, die einen Hut für fünf Dukaten tragen, aber ihr Kopf ist nicht einmal einen Frank werth. — Adam und Eva haben ihre Blößen mit Blättern bedeckt, die Journalisten decken sic mit „Blättern" auf. — Gold prüft man mit Vitriol, den Menschen mit Gold. — Eilibi Moise lebt in der Hoffnug, daß er nach dem Tode geradeso sein wird, wie Rothschild in Wien. Eilibi Moise drückte sich nur selten in dem ihm anerzogenen jüdischen Jargon, der eigentlich seine Muttersprache war, aus,§er^machte alle seine Aussprüche in rumänischer Sprache, die er ohne die geringsten Anklänge an seine Abstammnng und mit größter Vollkommenheit sprach. Eilibi Moise besaß ein seltenes Gedächtniß und nur das erklärt es uns, daß dieser sonst aller Schulbildung bare Mann so Vieles wußte, was sonst doch erst gelernt werden

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