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Der Israelit · 1885-10-15 · Heft 80 (15.10.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 80 (15.10.1885)
Date
1885-10-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Erste Beilage jtt Ar. 80 des Israelit. Leitender Artikel. Amerikanische Briefe. XVI. □ Die 5 Predigten, welche Dr. Köhler inVertheidigung seiner radikalen Anschauungen über das Jndeuthum hielt, sind dieser Tage auf Veranlagung seiner Gemeinde im Druck erschienen. Ich werde in den nächsten Tagen dieselben eingehend lesen und mich dann des Weitern über dieselben auslassen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich an dieser Stelle eine irrige Ansicht, diejenige über die Stellung des Korrespondenten des „Israelit" zu dem neuen Rabbiner der Gemeinde „Ahawath Chesed", klar legen. Ich mutz von Lesern des „Israelit" die Ansicht hören, als hätte ich in meinen Artikeln Dr. Kohnt als zu conservativ hiugeftellt, während er doch Reformer ist und nach Ansicht des „Jeschurnn" in Hannover sogar gefährlicher als Köhler sei. Dem gegenüber muß ich bemerken, daß ich in allen meinen Briefen betonte, d i e O r t h o d o x i e kann und will mit Dr. Kohnt nichts gemein haben. Allein bei den hiesigen Verhältnissen ist es zur Zeit immerhin richtiger bei dem Streite, der zwischen den Ansichten Kühlers und Kohuts ausgebrochen, auf Seite Kohut's zu stehen. Es kann keinen! Zweifel unterliegen, daß jedes orthodoxe Organ die Pflicht hat, die Ansichten Kohuts in Bezug auf ns tystp nmn zu verteidigen und denselben gegen den Alles oder das Meiste leugnenden Gegner in Schutz zu nehmen. Ich habe nie betont, daß'Kohut's Ansichten in Bezug auf Orgel, Gottesdienst n. s. w. die meinigen sind. Im Gegentheil constatire ich heute sogar die beklagenswerthe Aussichtslosigkeit der Bemühungen Kohuts, die sich jetzt jedem aufdräugt. Kohnt kam als mäßiger Reformer hieher und cs ist mir ein Räthsel, wie ein Mann von hochachtbarem Charakter und Ruf es mit der Zeit vereinbaren kann, fortan Rabbiner einer Gemeinde zu sein, die ihm gar nicht entgegenkommt. Die Gemeinde hat durch diesen Manu in diesen! Jahre für Sitze Dllr. 6000 — gleich 25,000 Mark mehr eingenommen, und doch hat man bisher nicht eine einzige der von Kohut gewünschten Aenderungen vorgenommeu. K. mußte am zweiten Tage n"n, da ihm seine Gemeinde die Thüre verschloß (es existirt bei der amerikau. Reform kein 2, Tag) in einer orthodoxen Synagoge seiner religiösen Pflicht genügen. Ich habe früher geschrieben und betone es heute noch, daß cs schwer ist eine Gemeinde, die durch den Vorgänger Kohut's so sehr reformirt wurde, zur Umkehr zu bringen und ich glaubte, daß man Kohnt zu dieser Arbeit Zeit lassen mußte. Mir genügte einstweilen, daß K. im Hanse und außerhalb selbst conservativ lebt, wenngleich natürlich einem Gottesdienst, wie er im Tempel „Ahawath Chesed" stattsindet, ein Mann, der strikte zu den Prinzipien des Talmuds hält, (wie er in seinen ersten Predigten betonte) nicht beiwohne» sollte. Allein ich fange an einzusehen, daß Kohut's Predigten bisher nichts nützten und es ist jetzt die Frage, ob Kohut bei Nichtbeachtung seiner Worte dennoch seinen Posten behält. Kohut kann höchstens bis zur jährlichen Generalversammlung seiner Gemeinde zuschauen; sollte rnau keine Aendcrnug beschließen, und K. dennoch bleiben, dann stehe ich nicht an, mein Bedauern auszudrücken , daß mit mir Viele sich in ihin täuschten. Allein, dann würde auch auf allen Seiten die Achtung, die man ihn! entgegenbrachte, weichen. Für Dr. Kohut gibt es als Mann von Charakter, als welchen man ihn bisher kannte, nur eine Wahl. Nachgiebigkeit seiner Gemeinde oder Rücktritt. Sicher findet er bei Letzteren! am hiesigen Plaj^ eine andere Stellung, wo er noch conservativer wirken könnte. Sollten beide Dinge nicht eintreteu, dann wird das wahrhafte Jndeuthum auch weiter bestehen; allein mit dem Urtheil über den Rabbiner wird man dann auch nicht zn^ckhalten und ich wüßte nicht, wo Kohut Vertheidlger fände. — Während Comitö's für Einwanderer christlicher Religion alles Mögliche thun, fehlte es in Bezug auf jüdische an einer geeigneten Stelle. Dieser Tage fand hier eine Versammlung statt, welche die Gründung eines Vereins „zum Schutze jüdischer Eiüwanderer" beschloß. Wohl hat bis jetzt die hier bestehende Wohlthätigkeitsgesellschaft »United ITebrew Chaiities“ für die Eingewanderten Vieles geleistet, allein bei dem starken Zitwachs von Einwandercrn dürfte ein besonderer Verein fü? diesen Zweck angezeigt sein. Im Laufe der Debatte in der Versammlung ergriff ein russischer Sozialist das Wort und betonte, daß es unrecht sei, die Einwanderung

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