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Der Israelit · 1885-10-15 · Heft 80 (15.10.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 80 (15.10.1885)
Date
1885-10-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1359 die Mutter. ..aber heute Morgen hat er übel ausgesehen, hoffentlich fühlt er sich jetzt wieder ganz wohl." ..Hoffentlich," stimmte Rosa bei. „Doch wenn Du besorgt bist, Mama, so gehe ich auf einen Augenblick zu Ehrmanns, mich nach Eduards Befinden zu erkundigen, und bin sofort wieder hier." „Thue das, liebes Kind. Wenn ich auch hoffe, daß sein Unwohlsein nur ein rasch vorübergehendes gewesen, so fühle ich mich doch weit behaglicher, wenn ich weiß, daß es bereits vorübergegangen, ist." „Wie Schade, daß mir nicht früher eingefallen ist, zu Ehrmanns zu gehen, dann wärst Du vermuthlich längst vollkommen ruhig. Aber ich werde niich beeilen." — lind damit rollte sie hastig ihre Stickerei zusammen und verließ das Zimmer. „Uebereile Dich nicht, Kind," rief die Mutter ihr nach, „auf einige Minuten kommt es mir nicht an, und vor Allem erhitze Dich nicht," „Sei unbesorgt, liebe Mama, ich nehme meinen breitrandigen Strohhut und gehe über die Promenade, da genirt mich die Hitze wenig. Adieu Mama! in einer halben Stunde bin ich wieder hier." „Adieu, liebes Herz. Grüße draußen von mir." Das junge Mädchen eilte fort, die Mutter blickte.glücklich lächelnd dem schönen Kinde nach. Wie rasch sie dahin schritt und doch wie graziös, wie anmuthig war jede ihrer Bewegungen. Und wie war sie so gut, so herzensgut, nie glücklicher, als wenn sie Anderen Freude bereiten konnte. Die Wohnung der Familie Ehrmann lag ziemlich entfernt, vor dem Thor, in der Nähe der Bahnhöfe, aber wenn sie in diesem Tempo fortschritt, konnte Rosa sie sicher in einer Viertelstunde erreichen. Frau Kornfeld blickte auf die Uhr. „Halb vier — um vier Uhr wird sie sicherlich wieder da sein." Sie nahm den Strickstrumpf zur Hand und ließ die Nadeln munter klappern, während ihr Blick hinausschweifte durch das geöffnete Fenster auf die weithin bis zum Anfang der Promenade sich erstreckende Straße. Zwar wußte sie, daß sie ihre Tochter noch nichtzurückcrwarten konnte, überlange konnte es sicher nicht dauern. Rosa wußte die Mutter besorgt, da war sie doppelt rasch. Wenn sie sich nur nicht erhitzt. — Frau Kornfeld mußte über sich selbst lächeln, ihr Gatte hatte doch recht, sie war allzu sehr geneigt, sich zu ängstigen. Aber sie konnte es nicht ändern, es lag nun einmal in ihrem Naturell. Auch jetzt, während sie sich doch unablässig sagte, daß kein wirklicher Grund zu Besorgniß vorhanden, zog ihr Herz sich zusammen und pochte so rasch, so bang. Himmel! war das nicht Rosa, die dort um die Straßenecke bog? — Kanin zwanzig Minuten, seit sie das Haus verlassen und schon wieder in der Straße! — Sic mußte den ganzen Weg gerannt sein, — und wie sie daher eilte, es war, als ob sie heranflöge; ihr Fuß schien die Erde kaum zu berühren. Frau Kornfeld winkte ihr mit den Händen, ihren Lauf zu mäßigen — doch sie beachtete den Wink nicht, hatte ihn vielleicht nicht einmal wahrgenommen. In unglaublich kurzer Zeit hatte sie das Haus erreicht und stürzte in das Zimmer. „Um Gotteswillen, Kind, wie siehst Du aus!" rief die Mutter erschreckt. Das Antlitz des sonst so blühenden Mädchens war in Wirklichkeit erdfahl, ihr Busen wogte so heftig, daß sie im ersten Moment kein Wort hervorbrachte. „Kind, Kind! wer wird denn so rennen! Du bist ja ganz außer Athem. Komm', setze Dich und dann sage mir, wie geht es Eduard?" „Er ist nicht draußen," stammelte Rosa nach Athem ringend, „er ist gar nicht draußen gewesen." „Was?" rief Frau Kornfeld erbleichend, „Eduard ist nicht bei Ehrmanns? aber um Gotteswillen, w.'. ist er denn?" Rosa zuckte die Achseln. „Ich weiß es nicht," stammelte sie. „Großer Gott!" rief Frau Kornfeld. Da ward die Thür aufgerissen und ein bleiches und dennoch wunderbar liebliches, junges Mädchen stürzt in das Zimmer. „Mama, Eduard war unwohl und Sie wissen nicht, wo er ist?" Im Anblicke der beiden schreckensbleichen Mädchen erlangte Frau Kornfeld ihre Fassung wieder. „Willkommen, liebste Adele," sagte sie, dieser die Hand reichend, „Eduard hat sich heute Morgen in der That nicht ganz wohl gefühlt und ist deßhalb nicht in das Comptoir gegangen, aber Dein schönes Geschenk hat ihn so hoch erfreut, daß das Unwohlsein rasch geschwunden ist. Er sagte dann, er wolle zu Dir gehen, um Dir zu danken, es hat ihn aber doch vcrmuthlich genirt auszugehen und sich im Comptoir nicht sehen zu lassen — und ist er jetzt vcrmuthlich wie gewöhnlich, um diese Zeit bei Oehler und wird wie gewöhnlich, nach Schluß des Geschäftes zu Euch kommen." Adele athmete sichtlich erleichtert auf. „Rosa war so erschreckt, Eduard nicht bei uns zu finden, daß sie mich mit ihrer Besorgniß angesteckt hat. Aber wenn Sie, liebe Mama, ruhig sind, dann bin ich es auch." „Es ist Gottlob kein Grund jnr Besorgniß

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