Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 79 (12.10.1885)
- Date
- 1885-10-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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mm .n^rz°«-^r 1317 religiöser Hinsicht keineswegs abgelenkt rvcrden. — Bei jeder Schulfeier (Kaisers Geburtstag, Scdantag) sind allster dem israelitischen und katholischen Schulvorstande, stets mehrere Bürger anwesend, die vielfach dem besseren Stande angehören. Der Lokalschulinspcktor und Bürgermeister wohnen jeder Schulfeier und jeglicher Prüfung bei. Diese immerwährende Thcilnahme ist gewiß ein unverkennbares Zeichen der Harmonie, die zwischen den Einwohnern verschiedener Eonfcssioncn hier herrscht. — Am Montag d. 5. er. fand hier auf feierliche Weise die Grundsteinlegung zum Bane einer neuen Synagoge statt. Ein neues Gotteshaus ist hierorts ein längst gefühltes Bedürfnis;, da die alte Synagoge kaum die Hälfte ihrer ortsansässigen Besucher fasst. Ungefähr zwanzig Jahre ging man hier mit dem Plane um, ein neues Gotteshaus zu erbauen. Es fehlten aber die Mittel hiezu. Jetzt ist der größte Thcil des zum Neubau einer Synagoge erforderlichen Geldes vorhanden. Sofort wurde alles in's Werk gesetzt, um den langgehegten Plan zur Ausführung zu bringen. Die Geldmittel sind innerhalb der Gemeinde selbst durch freiwillige Zeichnungen gesammelt worden. Das ist ein sichtbares Zeichen für die religiöse Gesinnung der hiesigen Gcmeindcmitglicdcr. — Es muß an dieser Stelle rühmlichst hcrvorgehoben werden, das; die Entstehung des Neubaues besonders der Frcigcbigigkcit eines Mannes zu verdanken ist, der ca. 2000 Mark zu diesem Zwecke gespendet hat. Man sicht, das; es gottlob noch wahre Jehudim giebt, die für das Judenthum und seine religiösen Interessen etwas übrig habe». — Der Nahmen meines beabsichtigen kurzen Berichtes ist bereits längst überschritten. Uni die Geduld der wcrthcn Leser nicht gar, zu lange in Anspruch zu nehmen, will ich in wenigen Worten den Akt der Grundsteinlegung schildern. Des Morgens fand feierlicher Gottesdienst mit Ehorgcsang in der alten Synagoge statt. Hieran schloß sich der Akt der Grundsteinlegung. Der Gcmcindcvorstand bat, nach kurzer Einleitung, den Bürgermeister der Stadt den ersten Grundstein zn legen. Es folgten dem Vertreter der Behörde das älteste Gcmeindemitglied und die Repräsentanten, von denen jeder einen Stein in die Fundamente einfügten, indem sic diesen Akt mit einem frommen Spruche begleiteten. — Darauf tvendete sich in kurzer Rede der Israel. Lehrer an die ganze Versammlung, indem er die Bedeutung dieses Festaktes erklärte. Er hob besonders hervor, daß die Grundsteinlegung als zweifaches Denkmal, als Denkmal der Liebe zur Religion Israels und als Denkmal der Toleranz in hiesiger Stadt zu betrachten sei. Die erbebende Feier schloß mit einem Gebete für Kaiser und Reich und die Einwohner dieser Stadt in deutscher Sprache. M. Snlmanu. T n r k e i. Konftatttinopel. Zwei Provinzen des türkischen Reiches sind es, die jetzt die Aufmerksamkeit Europas besonders auf sich ziehen: Ostrnmelien und die Insel Kreta. Beide Provinzen wollen sich bekanntlich nun von ihrem bisherigen Herrscher gänzlich lossagcn und einem christlich-nationalen Fürsten nnterhan werden. Für uns Israeliten hat cs daher ein Interesse, etwas Näheres über unsere Glaubensgenossen in diesen beiden Ländern und ihre religiösen Verhältnisse daselbst zu erfahren. Sowohl in Ostrnmelien, wie auch auf Kreta leben nur wenige Juden, da die Söhne Jakob's sich weder unter den Bulgaren noch unter den Griechen recht heimisch fühlen wollten. In beiden Provinzen gibt cs daher nur je eine Eultnsgcmcindc: Philippöpet in Ostrnmelien und Kanea auf Kreta. Aber auch diese zwei Gemeinden sind nicht sehr zahlreich und daher kommt cs, daß Philippopcl nicht einmal einen Rabbiner besitzt. Die Trauungen und Ehescheidungen daselbst werden gewöhnlich von dem Oberrabbiner in Adrianopel nisv n'V'c pwn rin Raphael Effcndi, der sich deßhalb immer nach erstcrcr Stadt begibt, vorgenommcn. Sollte nun Ostrnmelien wirklich mit Bulgarien vereinigt werden, so würden die Inden der Provinz in religiöser Hinsicht unter das Rabbinat von Sophia zu stehen kommen. Die Juden Philippopels bewohnen noch heute ein eigenes Onarticr, „Marach" genannt. Die Lage der Inden in Ostrnmelien ließ bisher nichts zn wünschen übrig, da sie dorr mit den anderen Eonfcssioncn gleichgestellt waren. In Philippopel gab cs schon im 6. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde, die sich aber, bald nachdem die Bulgaren diese Stadt den griechischen Kaisern entrissen hatten, anflöste. Die jetzige jüdische Gemeinde daselbst, die fast durchgängig aus Spaniolen besteht, datirt ans der Regicrungszcit Soliman's des Großen, der bekanntlich ein großer Jndcnfrcund war. inm:c *nn Fürst Alexander hat jetzt die Inden Ostrnmeliens gleich den Türken und Griechen vom Kriegsdienste befreit; dieselben müssen jedoch dafür die Armee mit verschiedene» Artikeln und Lebensmitteln versorgen. Tie Judcugcmcindeu in Kanea (Kreta) ist ebenfalls keine große, doch besitzt sie einen Rabbiner. Unterden Inden Kaneas, welche znmeist