Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 77 (5.10.1885)
- Date
- 1885-10-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1311 sctzestrcuen Judenheit mit lebhafter Befriedigung begrüßt werde» wird. — Bon der richtigen Ansicht ausgehend, das; in dem Mangel einer geeigneten Führung unserer religiösen Angelegenheiten eine der Hauptursachen der bedauerlichen Gleichgiltigkeit liegt, die allem specifisch Jüdischen vielfach hier cntgegcngcbracht wird, trat vor mehreren Monaten eine Anzahl gcsinnungstüchtiger, thatkräftigcr Männer zusammen, die folgenden Aufruf erließen: „Durchdrungen von dem Bewußtsein, daß „cs endlich an der Zeit sei, den jüdischen Ge- „mcinden wiederum ein tüchtiges, religiöses Ober- „haupt zu geben, entschlossen sich. die Nntcrzeich- „netcn an gleichgesinnte Glaubensgenossen eine „Einladung zu einer Versammlung ergehen zu „lassen. „Jeder Israelit, dessen Herz noch warm für „das Judenthum, seine angestammte Religion, „schlägt, wird seit einer Reihe von Jahren nur „mit Schmerz und innigem Bedauern wahrgc- „nommcn haben, wie arg cs in vielen Gemeinden und Niederlassungen in religiöser Beziehung „steht: die Jugend erhält entweder gar keinen „oder einen nur ganz ungenügenden Neligions- „unterricht, die jüdischen Institutionen sind total „keiner Aufsicht unterstellt, Stellen für jüdische „Lehrer, Vorsänger und Schochtim müssen von „Ausländern besetzt werden, weil in unseren Gc- „mcinden keine Schule vorhanden ist, in welcher „solche herangcbildct werden können." „Durch diese traurigen Verhältnisse nimmt „der Jndifferentismus in schrecklicher Weise überhand, so daß, wenn keine Abhilfe getroffen wird, die „schlimmsten Folgen zu erwarten sind." re. re. In Folge dieses Aufrufs versammelte sich eine ansehnliche Anzahl Gesinnungsgenossen aus vielen Gemeinden, welche die Anstellung eines Rabbiners beschloß, der sich durch gründliche jüdische und allgemein wissenschaftliche Bildung auszeichne und als erprobte pädagogische und rhetorische Kraft allgemein anerkannt sei. Ein Eomitc wurde mit der Ausführung dieses Beschlusses beauftragt. Die Wahl dieses Eomite's fiel auf die Person des Herrn Rabbiner Dr. Ehrmänn in Trier, der auch, sofort nachdem er sich bereit erklärt hatte, einem Ruse zur Uebernahme unseres Rabbinats Folge zu leisten, sowohl von den in Betracht kommenden einzelnen Gemeinden, als auch von der heute in Baden stattgehabten Generalversammlung sämmtlicher Bezirksgemeinden einstimmig gewählt wurde. Die Wahl dieses Mannes, dessen bloßer Name ein Programnl bedeutet, überhebt mich jeder weiteren JllustriruUg der erfreulichen Thatsache, daß dem überlieferten Vätererbe, ein großer, Achtung gebietender Kreis jüdischer Gemeinden wicdergcwonnen ist. Der Sitz des Rabbinats ist Baden: zu demselben zählen außerdem die Gemeinden:' Obcr- Endingcn, Lcngenan, Luzern, Brcmgarte n, Rapperswyl, sowie ein Thcil der Enltnsgcmeinde Zürich. Ocstcrr.-Unga r. Monarchie. Krakau, 29. September. (Prozeß Ritter.) Die Geschworenen bejahten alle drei Schnldsragen einstimmig, worauf der Gerichtshof Moses Ritter, dessen Frau Gk tte l und Marcellin St och l i nS ki. abermals — zum dritten Male — zum Tode durch * den Strang vernrtheilte. Gittcl Ritter hatte bei Vernehmung des Urtheils einen Ohnmachtsanfall. Alle drei Vcrtheidiger meldeten gegen das Urthcil die Nullität an. N u ß l an d. Odessa, 13. September. In einer ans dem Scrcdinskiplatze der Vorstadt Moldowanka befindlichen Synagoge entstand vorgestern während des Gottesdienstes, als dieselbe dicht gefüllt war, in der auf der zweiten Etage befindlichen Franen-Abtheilung, woselbst einige hundert Frauen zusammengepfercht saßen, ein Fcncrlärm, weil durch die offenen Fenster der Synagoge ein mit Staub verbundener Ranch eingcdrnngen war. Infolge dessen entstand v auch in der Männcrabthcilnng Aufregung, und Alles eilte hinauf zu den Frauen, nm die Ursache des Geschreies zu erfahren. Run war aber die Treppe nach oben von Francukörpern, welche über einander lagen, derart versperrt, daß es den Männern schwer war, hinauf',«kommen. Man hörte Acchzen, Stöhnen, dumpfe Hilferufe, und die Verwirrung war eine unbeschreibliche. Viele Frauen sprangen über die liegenden Körper hinunter, woselbst sic von mehreren unbekannten Individuen, die, wie cs allgemein heißt, absichtlich die Panik hcrvorgerufeu hatten anfgcfangcn und ihrer goldenen Ohrgehänge, Uhren, Ketten, sowie anderer Schmuckgegeni'tände beraubt wurden. Die verzweifelten Frauen waren derart von der Panik ergriffen, daß sie diese Beraubung gar nicht merkten; einige Männer darauf aufmerksam wer-' dcnd, begannen mit den Dieben zu ringen, ohne jedoch dieselben fcsthalten zu können. Eine schwangere Frau wurde während des Gedränges so gedrückt, daß sie infolge dessen bald darauf im Spitalc starb. Eine große Anzahl anderer Frauen war thckls verletzt, theils ihrer Schmncksachen beraubt worden. Man behauptet, daß die Strolche absichtlich vor der