Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-09-22 · Heft 75-76 (22.9.1885) · page 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 75-76 (22.9.1885)
Date
1885-09-22
Page
– (sequence 26)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449573--22956-2512599
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1293 Möge auch der hundertste Geburtstag des wackeren Predigers znm Wohl und Besten der ganzen Menschheit fein. — Am letzten rat? erhielt ich, durch Vermittlung eines Bekannten, wie ich vermuthe, folgende Einladung: mn ’-ioitp msn New-Aork, im August 1885. Werther Herr! Wir erbitten uns die Ehre Ihrer werthen Gegenwart zum Tun -prn welcher ntre V dvu d. i. Sonntag den 30. d. M., um 10 Uhr Vormittags, in Union b'ieläs Osmoterzstattfinden wird. Tie Zusammenkunft ist in 125 Rivington St. festgesetzt, von wo aus der Zug Punkt 8 Uhr sich in Bewegung setzen und bis nach Houston Sr. Jerry marschiren wird. Festrede gehalten von Nev. Dr. G. Liebermann. Tic Leitung der Feier hat unser berühmter ]in Nev. Jos. Heller in Händen, welcher mit seinem Chore, ans 6 D'-nwo bestehend, sich produziren wird. Nach der Einweihnugsfeier folgt daselbst ein Bankett. Indem wir alte uöthigen Anstalten getroffen, die zur Verherrlichung des Festes beitragen, um Ihnen einen recht vergnügten und genußreichen Tag zu verschaffen, erwarten wir Sie mit Bestimmtheit und zeichnen uns in alter Achtung und Ehre Das Fest-Co mite. Tie Einweihung eines tu am Friedhof mit Bankett, vielleicht später auch Tanz, ist sicher dem werthen Leser neu. Ich war leider verhindert, der Einladung nachzukommen, vielleicht erhalte ich durch einen Freund einen Fcstesbericht, dann bringe ich ihn nächstens. Es naht der ra» und deßhalb will ich für heute abbrechen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 17. Septenibcr. Es ist vielfach constatirt worden, daß die „Nordd. Allg. Ztg", das Organ des Reichskanzlers, sich in der jüngsten Zeit gelegentlich mehrmals gegen die antisemitische Agitation geäußert hat — wozu von anderer Seite nicht mit Unrecht bemerkt wurde, daß eine solche. Stellungnahme früher, bevor der Rückgang dieser Bewegung eingesetzt, allerdings nützlicher gewesen wäre. Immerhin ist es der Erwähnung Werth, daß das Regieruugsorgan heute schreibt: Im konservativen Lager hat sich eine Gruppe unter dem Namen der „Christlich-Socialen" abgesondert oder, was bezeichnender sein möchte, in dieses Lager eingeführt. Insoweit der Name sich mit der Sache deckt, ist darin mit Freuden eine Parteibildnng zu erblicken, welche die großen christlichen Gebote der Gerechtigkeit und Nächstenliebe zur praktischen llebung des Lebens einer Gesellschaft machen will, und so wenig die agitatorische Thätigkeit in der Natur des Conscrvativismus liegt, so möchte sie doch in diesem Falle gerechtfertigt sein. Die „Christlich-Socialen" haben aber ihrer Agitation noch eine specifische Richtung gegeben, welche sich mit conservativen Tendenzen im reinsten und besten Sinne des Wortes nicht in Uebereinstimmung bringen läßt. Die „ChristlicheSocialen" haben zwar den Antisemitismus nicht in Scene gesetzt, aber sie haben ihm eine nutzbare Verwendung zu geben gesucht. In wie fern? Der Antisemitismus zielt auf ein bestimmtes Ziel ab, welches im Bereiche des politisch-praktischenLebens auf dem Wege friedlicher Reform nicht wohl erreichbar erscheint. Es ist eines der sichersten'Ergebnisse der politischen Entwickelung, daß die bürgerlichen Rechte der Staatsangehörigen durch den Unterschied des Rcligionsbekenntuisies nicht alterirr werden; und selbst eine Politik des Fanatismus, welche dem Antisemitismus zu Hilfe kommen wollte, würde die Möglichkeit kaum finden, weil der Antisemitismus nicht klar erkennen läßt, ob er sich gegen die Religion, gegen die Nationalität oder nur gegen die Geschäftsgewohnheit richtet. Insofern also die „Christlich-Socialen" sich solidarisch mit dem Antisemitismus erklären wollten, würden sie nur als eine Agitationspartei in. Betracht kommen können, welcher ebenso wie der Socialdemokratie die Agitation Selbstzweck ist. Aber diese Richtung entspringt nicht ans dem Begriff der Partei, welche ihrem Namen nach darauf angewiesen ist, den socialen Schäden mit den Hilfsmitteln des praktischen Christenthums beizukommen. Je ernster die „Christlich-Socialen" aber gerade diese Ausgabe .nehmen, desto weniger werden sie den Beruf empfinden können, sich als politische Partei geltend zu machen, denn diese Aufgabe liegt nicht im Bereich der politischen Arena, sondern aus dem Gebiet der inneren Mission. Mit den letzten Worten soll wahrscheinlich Herr Stöcker überhaupt aus der „politischen Arena" gewiesen werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.