Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 75-76 (22.9.1885)
- Date
- 1885-09-22
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. Dritte Beilage;a M. 75 8- 76 des Israelit. Leitend erArtikel. Amerikanische Priese, xiv. süNew-Nork, 4. September. (§8 war eine schöne, erhebende und dein großen Todten würdige Feier, der ich Sonntag in der schönen und geräumigen Synagoge' der hiesigen portugiesischen Gemeinde beiwohnte. Tic pörtugicsische Gemeinde, die den Namen bn-.r nnNr p"p führt, ist noch in jeder Beziehung orthodox nnd eine der würdigsten, um die Gedenkfeier um Sir Montesiore h»’": in ihrer Mitte abgehalten zu sehen. Lange vor der festgesetzten Stunde hatte sich ein zahlreiches Publikum beiderlei Geschlechts ans allen Thcilen der Stadt eingefundcn nnd um 4 Uhr begann der Gottesdienst mit der Verrichtung des nri;c=63cbet$. Es ist diese Gelegenheit nicht der Platz auf die portugies. Synagoge, deren Ritus und Beamte näher einzugehen und behalte ich mir dies für einen spärern Artikel vor; allein das kann ich hier betonen, daß die Feierlichkeit nnd die große Andacht, welche bei den „Sephardim" obwaltet, bei den „Aschkenasim" Nachahmung finden dürfte." Welcher Eonrraft zwischen einer polnischen und portugiesischen Synagoge! Doch zur Sache. Rach Beendigung des nr,:c trug der pn Psalm 15 vor, woraus der Vater des Rabbiners der portugies. Gemeinde, Nabb. A. P. Mendes aus Ncuport eine Gedächtnißrede hielt, die in herzlichen Worten die Verdienste Montefiores schilderte, seine Verdienste als ein Führer in Israel und ein Bürger der Welt. Nachdem hierauf ein Thcil des Kapitels XLII. aus Js. zum Vortrag gebracht war, bestieg der Rabbiner der portugies. Gemeinde in Philadcphia, Dr. S. Morais, die Kanzel, um in einer feurigen zum Herzen gehenden Rede das Leben des verstorbenen ba-vtri *ut*, in dessen Umgebung er Längere Zeit lebte, zu würdigen. Dr. Morais ist bekannt als Gelehrter und Redner und als Orthodoxer hat er erst jüngst in einigen Artikeln gegen Köhler gezeigt, wer er ist. Seine gestrige Rede war ein Meisterwerk. Gr erzählte im Verlaufe seiner Rede unter Anderem eine Episode aus dem Leben Montefiore's. Morais nnd eine Anzahl Gäste waren einst zu Tisch bei Montef., und dieselben hatten sich selbstredend der größten Gastfreundlichkeit zu erfreuen. Er dehnte feine Liebenswürdigkeit soweit aus, jedem Gaste selbst beim Waschen der Hände behilflich zu sein; ein Scitenstück zu der Gastfreundschaft unseres Erzvaters Abraham. Morais schloß mir den Worten: „Viele große Männer unter uns sind gefallen, keiner aber hat sich so geopfert für sein Volk. Keine Angelegenheit, die Wohlthärkgkeit betraf, appcllirte je vergebens an sein Herz. Er war vom Herzen religiös; die Flamme der Religion brannte stets in seinem Herzen. Lasset uns seinem Beispiel folgen." Morais machte auch eine Anspielung auf das projektirte Denkmal aus Stein, das nie und nimmer dem Sinne des thcuren Entschlafenen entspräche und das hoffentlich. auch nicht errichtet wird. Nachdem der Rabbiner der portugiesischen Gemeinde noch ein längeres Gebet gesprochen, fand die Feier mit der Rezitirnng. des 23. Psalms ihren Abschluß. Auch in verschiedenen polnischen Gemeinden fanden letzte Woche Trauerfeicrlichkeiten um M. statt. — Einen tragischen Abschluß fand dieser Tage in der nahen Stadt .Hoboken eine geplante Ehe zwischen einem' Juden und einer Illichtjüdin. Die zwei ältesten Töchter eines reichen christlichen Kaufmannes in jener Stadt waren unwohl und der Arzt, ein Jude und Bräutigam der ältesten Tochter, verschrieb Ehinin-Pillen und brachte das Rezept selbst zur Apotheke. Der Apotheker beging den Jrrthum, statt Ehinin-, Morphium-Pillen zu machen, und die beiden Mädchen starben kn Folge dieses Jrrthums. Die Eltern des Mädchens wiedersetzten sich lange Zeit der Verlobung ihrer Tochter mit beim Juden und nun, als Alles geregelt und die Hochzeit vor der Thür staub, kam dies tragische Ereigniß. — Nun will ich dem Leser zur Erheiterung einige Dinge berichten, die ich am Besten als amerikanische Eurkositäten bezeichne. Es gibt hier natürlich zahlreiche Gemeinden, Ehevra's, Rabbiner und Vorbetcr nnd sonstige Reverenden (Sammelname aller sich Vertreter des Judenthums Nennenden). Unter den Reverenden hiersclbst befindet sich nnn auch ein Herr Ab r. Wormser. Am letzten rap stand nun in der „Staats-Zeitung" folgende Gottesdienst-Einladung: „In der Synagoge Scheareth Israel, Nr. 98 Ave. E., spricht diesen Samstag, Morgens um itt Uhr, Nev. Abraham Wormser aus I Michelstadt, Hessen-Darmstadt, an seinem 55sten Geburtstage über das Thema: „Zum Wohl und Besten der ganzen Menschheit."