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Der Israelit · 1885-09-22 · Heft 75-76 (22.9.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 75-76 (22.9.1885)
Date
1885-09-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Erste Beilage ju Nr. 75 5- 76 des Israelit. Leitender Artikel. Z»m Slltiioiljfeste. Von?r. H. Sänger. „In Hüiten sollt JhrHvohnen sieben Tage. Alle Eingeborenen in Israel sollen in Hätten wohnen. Damit es Eure Geschlechter erfahren, daß ich in Hütten habe wohnen Z lassen die Kinder Israel, als ich sie herausführte ans^dein Lande Mizrajim. Ich bin der Ewige Euer Gott." Also lautet das Gebot unseres Gottes über das Laubhüttenfest. Daß auch dieses schöne Fest nicht blos dem äußeren Umstande seine Entstehung verdankt, daß unsere Väter ans ihrem Wüstenzuge während der Dauer von 40 Jahren in Zelten oder Hütten wohnten, sondern daß ihm^nochAine höhere Bedeutung beigelegt werden muß, wird aus den Schlußworten klar: „Ich bin der Ewige Euer Gott." Diese Worte, welche so häufig bei wichtigen Geboten angefügt sind, sollen uns, wie die Erklärer bemerken, darauf aufmerksam machen, daß Gott dem, welcher dieses Gebot beobachtet, den verheißenen Lohn geben wird, ebenso auch die Unterlassung desselben bestraft. Das Suckothfest hat nicht nur blos historische Bedeutung, um uns zu erinnern an die Geschichte unseres Volkes, an seinen Wüstenzng, sondern es hat einen religiösen, für alle Nachkommen jener Pilger in der Wüste bleibenden Werth. Wir sollen auch heute noch immer neue Lehren daraus schöpfen. Die „Suckoh" soll uns hauptsächlich den Schutz des Allmächtigen vor Augen führen. Was dem Menschen nebst der Nahrung am nöthigsten, das ist die Wohnung. Die Wohnung bietet ihm Schutz vor den Einflüssen der Witterung; sie schützt ihn gegen glühenden Sonnenbrand, aber auch vor Kälte, Sturm und Regen; sie bietet ihm Schutz gegen äußere Feinde, Menschen und Thiere; sie fördert aber auch das Familienleben und die Geselligkeit unter. den Menschen, sie gewöhnt an sanftere Sitten, bildet die Menschen, befördert die Eultur und läßt die Menschen den Frieden, den ungestörten Besitz und Genuß als wünschenswerth erscheinen. Daher haben auch alle jene Völker, die sich bald feste Wohnsitze erbauten, sich an einem Platze niederließen, mitbeigetragen zu den Fortschritten und der Entwickelung der Menschheit. Israel, das soeben aus Sclavenketten befreit, im Begriffe stand, ein Land sich zu erobern, es sollte vorher kennen und schützen lernen die Vortheilc eines ruhigen Besitzes, einer sicheren Wohnung; es sollte nicht die Eroberung, sondern den Besitz des heiligen Landes und die Niederlassung dorr als Ziel und Zweck betrachten. Nicht in kriegerischen Unternehmungen, sondern in den Werken des Friedens sollte es seine künftige Ausgabe erblicken. Die Wüste ist mm am allerwenigsten geeignet, die Segnungen und Vortheile eines ruhigen Besitzes, des bleibenden und sicheren Wohnsitzes uns vörzuführen. Der Wüstenbewohner kann sein Leben nur durch stetes Umherziehen von einem Ort zum andern kärglich fristen; er kann sich keine feste Wohnung bauen, keine bleibende Stätte gründen. Und dennoch läßt der Ewige Israel oft viele Jahre in der Wüste an einem und demselben Platze seine Hütten aufschlagen. Auch in der Wüste sollte es nicht ein nmherirrendes Leben führen, auch in der Wüste hat das Leben nur Werth, kann es nach seiner wahren und wirklichen, nämlich der friedlichen Seite nur dann geübt werden, wenn man sich niederläßt, wenn man sich bleibende Wohnsitze errichtet. Freilich war das hier nur möglich durch den besonderen göttlichen Schutz, der ihm täglich seine Nahrung spendete. „Ich habe sie in Hütten wohnen lassen." Nicht der feste, stolze Ban, nicht die Prachtwohuung macht nnsein Wohnsitz als solchen, nicht dadurch bekunden wir, daß wir die Friedensmissiou auf Erden richtig erfaßt, daß wir friedliebend sind und den Werken des Friedens, der Fortbildung und Eultur obliegen. Auch in Palästen wohnt nicht immer das stille, häusliche Glück; auch in Paläste» wird nicht immer der Friede gepflegt; auch in Palästen genießt und erfreut man sich nicht immer der Segnungen des festen, ruhigen Aufenthaltes. Es kann in der ärmlichsten Hütte, die kaum Schutz bietet vor Sturm und Regen, der Friedensengel

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