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Der Israelit · 1885-09-16 · Heft 73-74 (16.9.1885) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 73-74 (16.9.1885)
Date
1885-09-16
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1267 seinen Dank für die ihm zu Theil gewordene Aufmerksamkeit aus. Schweiz. Basel, 9. September. Alljährlich finden hier Truppcnzusammcnziehungen statt, an welche sich ein Manöver anzuschließcu Pflegt. Da in diesem Jahre letzteres anf das Neujahrsfest fällt, so richtete unser Rabbiner, Herr Dr. Cohn, an die Negierung in Bern die Bitte, alle jüdischen Soldaten der Schweiz für das Fest vom Manöverdienst zu dispcnsiren. Obwohl nun das Manöver nur ganz kurze Zeit (10—14 Tage) dauert, daher eine Berücksichtigung der Bitte besonders schwierig war, so wurde, wie wir hören, das Gesuch gleichwohl genehmigt. Die jüdischen Soldaten dürfen für die heiligen Festtage nach Hause zurückkehren, um im trauten Kreise ihrer Familie das Fest begehen zu können. Gewiß ein Zeichen wahrer Toleranz! 31 u in ä ii i c n. Bukarest. Gegenwärtig hält sich der Minister des Innern von Rumänien, Herr Jon Bratiano, in Paris auf wegen Erneuerung eines Handelsvertrags mit Frankreich. „Jew. Ehr" ist der Ansicht, daß das Eentralcomite der „All. Jsr." die Gelegenheit benutzen möge, um bei demselben eine Besserstellung der Lage der rumänischen Glaubensgenossen zu bewirken. Wir glauben, daß nach der jetzigen Stimmung der rumänischen Machthaber gegenüber den Israeliten, eine Deputation der „All. Jsr.," wenn sie zu einer Audienz zugelassen wird, was aber noch sehr fraglich ist, wenig oder gar nichts auszurichten vermag, im Gegentheil die Situation der rumänischen Juden nur verschlimmern könnte. Sehr bedaucrnswerth sind die Juden in der Dobrudscha. Solange diese Provinz unter türkischer Herrschaft stand, erfreuten sich die daselbst wohnen- .den Juden einer vollständigen Gleichstellung mit der übrigen Bevölkerung; nunmehr sind sie denselben Ausnahmsgesetzcn und den gleichen Bedrückungen wie ihre Glaubensgenossen in den übrigen rumänischen Provinzen ausgcsetzt. So hat die Regierung viele jüdische Familien aus Kustendje, Sucewci und andere Städten, die schon seit einer Reche von Jahren daselbst ansässig waren, vertrieben. Bukarest. Die „Bnkowinaer Rundschau" widmet der Lage der rumänischen Juden fogleudcn Artikel: Eines muß mau unseren freundlichen Nachbarn in der Moldau und Walachei lassen, sic verstehen es trefflich, dem Gesetze und den internationalen Verträgen eine wächserne Nase zu drehen. Wie die rumänischen Beamten die Bestimmungen der Handclsconvention handhaben, wie sic. die österreichischen Fabrikanten und Kaufleutc chicanircn, das haben wir unzähligemal zu klage» Gelegenheit gehabt; welche Justizzustände drüben herrschen, das lese man in den rumänischen Journalen selber nach.... Wenn cs einem Wüthcrich ä ia Pornmbarn einfällt, zu seinem Privatvergnügen einen unschuldigen Hebräer mit Bitriolöl tätowircn zu lasten, so gibt es dafür keine Strafe. Solche unschuldige Scherze wiederholen sich tagtäglich. Zieht irgendwo ein neuer Präfect ein, dann ist sein Erstes, die auf dem Lande weilenden Juden auszuwcisen. So liegt vor uns ein amtliches Document, ausgestellt in dem benachbarten Dorohoier Bezirk. In demselben droht der Subpräfect den Gemeindevorstehern (Prima,-), falls dieselben die von ihm bezcichncten Hebräer (evreii), die ohne Autorisation sich in den Dörfern anfhalten, nicht sofort über die Grenzen jagen (espulsa peste hotari) oder auch nur das Geringste bei dieser hochwichtigen Angelegenheit unterlassen (gaslnd o negligenta in aceasta importanta operatiunea), dieselben ihrer Functionen sofort zu entheben (vorn aviza ia imediata destituiroa aDvra. din functiunea). Ja, der Präfect gestattet den Vertriebenen nicht einmal einen Aufschub von 48 Stunden zur Ordnung ihrer Angelegenheiten. Der Transport der Vertriebenen soll mit Fesseln geschehen und jede Rücksicht bei Seite gelassen werden. Wie gesagt, das ist ein amtliches Schriftstüück, dessen Echtheit nicht wird geleugnet werde» könne». Der Ton dieses Documeuts ist gewiß charakteristisch genug, um die Klagen, welche die Anglo-Jewish-Association jungst in London an Minister Salisbury gerichtet, glaubwürdig erscheinen zu lassen. Die freundliche Aufnahme, welche die Beschwerdeführer bei dem edlen Lord gefunden, verdrießt die rumänischen Negierungskreise umsourchr, als das junge" Königreich in London Geld leihen will und sich keinen Refus dort holen möchte, abgesehen davon, daß die Opposition das Thema zu Mgriffcn auf das Kabinct benützt. Die von Demeter Bratiano herausgcgebene „Natiuuea" hat denn auch den rumänischen Juden den wohlgemeinten Rath gegeben, gegen die „Verleumdungen" der Aoglo-Jewish- Association zu protestiren. Dieser Wink wurde denn auch von den Administrativbeliörden sofort verstanden. Die Präfecten und Subpräfecten der einzelnen Bezirke haben Adreßformulare verfaßt und hrttographiren lassen,

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