Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 73-74 (16.9.1885)
- Date
- 1885-09-16
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449572--22922-2512564- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
%XVt ZahrganA. Imeite Beilage zu Ur. 73 & 74 des Israelit. Leitender Atikel. Amerikanische Briefe. XIII. ID New-Dort, 23. August. Vor wenigen Wochen erst hatte ich Veranlassung in diesen Blättern des Dahinscheidens eines biedern und treuen Glaubensgenossen zu gedenken und schon heute obliegt mir wieder die traurige Pflicht einem Manne einen kurzen Nachruf widmen zu müssen, dessen irdische Hülle vor wenigen Stunden zur Erde bestattet wurde. Die Zahl der echten und treuen Jehudim alten Schlags wird leider immer geringer , und wenn auch hierzulande ein großer Theil der jüngeren Generation in ihre Fußstapfen ttitt, so ist cs doch schwer für dieselben, alte und erprobte Kämpen unserer Religion zu ersetzen. Herr Alexander Arnstein bu\, dem heute mein Nachruf gilt, war einer derjenigen Glaubensgenossen, die von frühester Jugend bis zum letzten Athemzug die höchste Aufgabe ihres Lebens darin erblicken, dem Gesetze Gottes gemäß zu leben. In früher Jugend nach Amerika gekommen, hörte er während seines ganzen Lebens keine Minute auf, ein Jehudi im echten Sinne des Wortes zu sein und was die Hauptsache ist, er befolgte auch strikte das Gebot yrb cnaw und hat seine Söhne und Töchter zu Jehudim erzogen. Das Gotteshaus zählte ihn früh nnd spät zu seinen Besuchern, kein Bedürftiger pochte umsonst an sein mildes Herz. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn der Tod dieses edlen Mannes bei allen Freunden und Bekannten die größte Theilnahme hervorrief, die sich in dem großen Leichenbegängniß ausdrückte. Der Präsident der orthodoxen Gemeinde cn mix, Herr M. Tannenberg, gab im Tranerhause in einem tiefempfundenen, warmen Nachrufe der schmerzlichen Stimmung beredten Ausdruck und auch am Begräbnißplatze zollten verschiedene Redner den Tugenden des Verklärten das verdiente Lob. Möge der himnilische Vater der Wittwe und den Kindern Trost gewähren; möchten aber auch die Söhne dem Vorbilbe des thenren Tobten gemäß leben. Ihm aber, der seine Tage am ‘p rav zny beschlossen, möge in den himmlischen Höhen rav vww ova der volle Lohn für sein frommes und edles Leben und Streben zu Theil werden. n"aW'n Aus dem ganzen Lande laufen Berichte über Trauerreden zu Ehren Montefiore's ein, meist am rav gehalten. Wenn die Herren Rabbincn sich auch sonst über die Vorschriften unserer Religion leicht hinwegsetzen, so sollten sie doch aus Pietät für den glanbenstreneu Verstorbenen cs unterlassen, am nus? den -son zu halten. Anerkennenswerth ist das Vorgehen, das von hier aus empfohlen wird, nämlich im ganzen Lande am Sonntag den 4. Oktober den Trauergottesdicnst zu halten. In der orthodoxen portugiesischen Synagoge findet Sonntag den 30. August die Trauerfeier statt. Von dem Plan dem Verstorbenen eine Statue zu errichten ist es, hoffentlich für immer, still; dem Sinne desselben entspräche die Schaffung eines derartigen Erinnerungszeichens sicher nicht. Die polnische Gemeinde, unter den Namen na tvun itn-.cn bekannt, beging letzten Sonntag die Einweihung ihrer neuen Synagoge. Die Gemeinde, welche die größte orthodoxe in hiesiger Stadt ist, hat vor einiger Zeit eine Methodistcnkirche gekauft und solche zu einer Synagoge nmgebaut. Dieselbe, inmitten des jüdisch-polnischen Theils der unteren Stadt gelegen, bildet einen großen stattlichen Bau, der circa tausend Besuchern Platz gewähren dürfte. Die Feierlichkeit, der eine große Menge Zuhörer beiwohnte, wurde durch den Gesang nie ne eingeleitet, worauf zlvei eingeladcne Redner, Herr Rev. Liebermann und der Herausgeber des „Messenger," Dr. Jsaacs, der erstere in Deutsch, letzterer Englisch, Ansprachen hielten. Herr Liebermann verstand es in trefflicher Rede die Zuhörer zum Festhalten an conservativeu Grundsätzen aufzufordern, während Herr Jsaacs die Errichtung von Schulen für die Jugend empfahl. Nachdem die mm nrv in den byn hereingebracht, ergriff ein Vorstandsmitglied das Wort, darlegend, daß die Gemeinde da stehen bleiben wird, wo sie steht, nämlich ans dem Boden unserer heiligen Lehre; der yry irfrw ist und bleibt die Grundlage des Gottesdienstes nnd Privatlebens, Nachdem man das nme-Gebet verrichtet und noch einige Reden vom Stapel gelassen worden waren, iiahn^ die Feier ihr Ende. Die Feier darf im Ganzen als eine gelungene bezeichnet werden'nnd bedauert man nur das Eine, daß kein icc, deren es ja recht treffliche und gelehrte unter der hiesigen polnischen Bevölkerung gibt, zu einer nenn veranlaßt wurde. Das wäre bei der Ein-