Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 71-72 (8.9.1885)
- Date
- 1885-09-08
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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1241 Entschluß stellte und wie das mahnende Weltgericht au sein Ohr schallte. „Emma!" schrie er auf, „Du hier?" „Ich möchte diese Frage , an Dich richten, hältst Du fr Dein Versprechen, das Du mir gegeben hast?" „Verzeih, verzeih! thcurcs, geliebtes Weib! Ich bin unsäglich unglücklich!" Und der starke Mann sing an, bitterlich zu weinen. „Sprich! nm Gottes willen, was ist geschehen?" „Was geschehen ist? Ich bin ein Bettler! ich bin arm! Ich, Du, wir alle sind rninirt! Meine letzte Hoffnung auf ein glückliches Börscnspiel ist gescheitert!" „Und was wolltest Du da thnn?" Alfred ward verlegen, er schämte sich die Wahrheit zu gestehen. Jetzt bemerkte Emma einen blitzenden Gegenstand auf dem Schreibtische neben einem offenen Kasten, sie trat hinzu, Alfred versuchte umsonst, sie zurückznhalten. „Was bedeutet das?" rief die junge Frau schmerzvoll aus, „so weit ist cs mit Dir gekommen? Ist das Deine Liebe zu Frau und Kindern, das; Du ihnen im Unglück entrinnen und ihnen noch einen Schandfleck für ihr ganzes Leben anhcften willst? Und hast Du Dich denn schon so voll und ganz cmancipirt, daß Du die große Sünde nicht fürchtest! O, Alfred, ich habe manchen Schmerz ertragen, wann ich sah, wie Du Dich immer mehr von den Satzungen unserer Religion abwandtest, aber an Eines habe ich unwandelbar geglaubt, an Deine Liebe. Der Gedanke wäre mir unfaßbar gewesen, daß Du mich im Elende wissen könntest, ohne dies mit mir theilcn zu wollen! Wie habe ich mich getäuscht! O, wäre uns niemals das tückische Glück günstig gewesen! Wie glücklich waren wir doch da, als wir noch nicht über Hunderttausende zu verfügen hatten!" Das junge Weib weinte bitterlich. „Wenn Du wüßtest", antwortete Alfred, „wie sehr ich gelitten, wie es gerade die Liebe zu Dir war, die mich zur Verzweiflung trieb, Du würdest mich nicht verurtheileu. . Weil ich Dir und den Kindern nicht mehr das bieten kann, woran das Leben uns gewöhnt hat, darum schien mir das Leben unerträglich, das ich dann von mir zu werfen beschloß." „Um meinetwillen? Ach, wenn Du wüßtest, wie gern ich auf all die Pracht verzichtete, wenn ich nur durch das Aufgeben derselben die frühere Zufriedenheit und das frühere Glück erlangen könnte! Nein, ich haste diesen Neichthnm; seitdem wir ihn besitzen, habe ich mich noch keine Stunde wahrhaft glücklich gefühlt." „Aber bedeute den Schimpf vor den Leuten!" „Sage mir offen, kannst Dn, wenn wir alles opfern, Deinen ehrlichen Namen behalten?" „Wenn wir alles hergcben, unsere Möbel, unser Hans, unser Silber und das noch baare Vermögen, so glaube ich allen Verpflichtungen Nachkommen zu können." „Gut, dann lassen wir die Feiertage ruhig vorübcrgchcn und ordnen dann unsere Angelegenheiten." „Aber cs ist möglich, daß wir dann gar nichts mehr haben!" „Wir haben unseru Namen rein erhalten, das ist sehr viel!" „Unsere neuen Freunde werden aber mit Verachtung ans uns blicken, man wird uns verhöhnen, kannst Du das ertragen?" „Auf unsere neuen Freunde verzichte ich; glaubst Du, daß cs uns hier nicht gut möglich sein wird, einem neuen Erwerbe nachzugehcn, gut, die Welt ist groß, wir werden anderswo uns ein neues Heim bauen können." „Tu sprichst mit so viel Zuversicht und Vertrauen; hätte ich nur etwas von Deiner Stärke, dann würde ich mich in die Lage schon besser finden." „Blick auf zu Gott, er wird Dir Deinen bösen Vorsatz, den Dn gehegt, verzeihen und wird Dir Kraft geben, die neue Lage zu ertragen. Ich verzeihe Dir und werde den höchsten Beweis Deiner Liebe darin sehen, wenn Du mit Energie Dich daran machst, ein neues Leben zu beginnen." „O, Du sanfte Seele, Dank für Deine liebreichen Worte! Laß Dich umarmen, mein Schutzengel, Retterin meines Lebens!" (Schluß folgt.) Die Lebensvcrsichernrrg im Jahre 188-4. Tic Entwickelung der Lebensversicherung im Jahre isst war eine überaus erfreuliche. Der Zugang an neuen rodesfallverjicherungen betrug bei sännntlichen 1V ^cgcnseiligkeils- und 19 Aktiengesellschaften zusammen 279 Millionen Mark, ausbczahlt an Versicherungen wurden 97 Millionen Mark, und die gesammtc Versicherungssumme stellte sich Ende 1881 aus über 2'/. Milliarden Mark. Man sicht daraus, welche Veden - tung für die Volkswohlfahrt das Lcbensvcrsicheru-rgswesen auch bei uns in Deutschland gewonnen hat. Die großen <?egenseitigkeits-Ecsellschastcn scheinen sich nach wie vor besonderer Vclicbtheit beim Publikum zn erfreuen, denn von der Summe, nm welche das versichere Kapital sämmtlichcr 95 (Vcscllschaften 1884 gewachsen ist (158 Millionen Mark), fallen auf die vier