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Der Israelit · 1885-09-03 · Heft 70 (3.9.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 70 (3.9.1885)
Date
1885-09-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1206 einen Witz, der de» beiden Judenfressern vielleicht einige Reserve auferlegen wird. Anstatt ihnen ins Gewissen zu reden, was wohl nicht viel gefruchtet hätte, versetzte er sie zur Galizischen Transversalbahn, in eine Gegend, wo auf weit und breit kein christliches Geschöpf zu sehen ist. Dort mögen sie sich nun amüsiren! Pilsen (Böhmen), 29. August. Zu der vorgestrigen Hoftafel waren auch die Mitglieder der fremden militärischen Missionen, die Spitzen der Staats- und Stadrbehörden, die Geistlichen sämmtlichcr Coufessioncn, unter diesen auch unser Rabbiner Dr. Caro gezogen worden. Feuilleton. Irvei Hioschßaschana-Aöcnde. Ei» Zeitgemälde von K. Cs war noch früh am Abend, nur ein wenig über acht Uhr, und doch war die Stimmung in dem kleinen Eckzimmer des Casino schon recht auimkrt. Die leeren Flaschen zeugten, daß man schon wacker dem Champagner zugcsprochcn hatte; mau mnsttc sich auch eilen, denn der 10 Uhr-Zug sollte den Grafen Brentow noch heute Abend in die entfernte Provinzstadt, seine. neue Heimath, bringen. Ein kleines Nachtessen war von seinen nächsten Freunden zur Abschiedsfeier arrangirt worden, das sic dann hier, die sechs an der Zahl, in dem hell erleuchteten und mit wunderbarer Pracht ausgestattetcn kleinen Raum versammelte. Während alte sich so recht der Freude eines heiteren Lebensgenusses Hingaben, konnte ein scharfer Beobachter wahrnehmen, wie einer der Freunde, ein schongewachscner, schwarzbärtiger Mann mit einnehmenden Gesichtszügen, der wohl in der Mitte der Dreißiger stehen mochte, anfing, ans seinem Stuhle unruhig hin- und herznrücken und öfters nach der Uhr zu sehen. Die Bewegungen wurden dann nach und nach unruhiger, daß sie die Aufmerksamkeit des Gegenüber erregten, eines alten jovialen Mannes, dessen breiter stets zum Lächeln bereiter Mund und schelmisch blickende, kleine Augen den Schalk vcrrkethen, der stets zu einem gutmüthigen Spaße und zu einer harmlosen Neckerei aufgelegt war. „Na, Meyerheim," sagte Vater Kolbe, so nannte man den alten Oberst an der Tischrunde, „Sie zappeln ja wie ein angebändeltcr Maikäfer ans Ihrem Platze hin und her, als ob Sie alle Augenblicke davonfliegen möchten, und Ihre Uhr wißen Sie nicht in Ruhe zu lassen." „Der kann mich nicht rasch genug los werden!" rief Brentow, bei dem sich schon der Einfluß des Champagners geltend machte, munter dazwischen, „aber warte nur, cs wird sich schon bald ein Anderer finden, der von Zeit zu Zeit an Deine Börse Ansprüche stellen wird." „Brentow, was redest Du da?" „Was ich rede," rief dieser ganz erhitzt, „ich will nur sagen, daß Du ein Prachtkerl bist, ein Nonplusultra, Jeder soll es hören, wie Du Dich immer als Freund gezeigt hast. Du hast es nicht vergessen, daß wir eine und dieselbe Bank in der Tertia drückten, und seitdem wir uns hier wieder trafen, war ich nie in Gcldnoth, ich brauchte nur zu Dir zu konnnen und fand offene Caffe-" „Aber schweig doch davon," unterbrach Meyer- Heim, „Du setzest mich in Verlegenheit, es ist ja nicht der Rede werth, Du hast mir ja jedesmal das Geliehene bald wiedergegeben!" „Nicht der Rede werth! Ha! ha! und nicht einmal Zinsen hat er genommen--" „Genug davon!" riefen jetzt die Andern, denen das Gespräch peinlich wurde; sie wollten sich amüsiren, in den letzten Stunden des Beisammenseins mit beiu Freunde, ausgelassen sein, aber nicht die Dankergüsse und Dankabweisungen zweier Freunde hören. „Aber, lieber Meyerheim," nahm der alte Oberst wieder das Wort, „Sie haben uns ja noch gar nicht gesagt, warum Sie heute so ungeduldig sind und so oft nach der Uhr sehend Gewiß erwartete Sie noch ein süßes Schäferstündchen; konnten wohl der Schönen nicht mehr abfchreiben? He? Beichten Sie nur, alter, junger Sünder; wir verrathen dem Frauchen nichts!" In demselben Augenblick hörte man im anstoßenden großen Saale ein auffallendes Geräusch, Stimmen riefen laut durcheinander, eine furchtbare Erregung schien sich aller Anwesenden bemächtigt zu Habers. Meyerheim benutzte die Gelegenheit den Späßen des Alten zu entgehen und eilte in den Saal, sich nach der Ursache der Bewegung zu erkundigen. Hier fand er nun die Gesellschaft in kleinen Partien zufammenstchend, die Einzelnen mit den Händen heftig gestiknlirend, mit Eifer debattirend, und aus denl wüsten Durcheinander konnte er nur das Wort „Napoleon" hören. Eine böse Ahnung ergriff ihn, er eilte an den Eingang an das Brett, an dem die neu eingegangencn Depeschen. ange-

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