Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 69 (31.8.1885)
- Date
- 1885-08-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1187 vor 8 Monaten nachgesuchte ministerielle Erlaubniß zur Eröffnung seiner Schule und seine Bestätigung als Pastor einer „juden-christlichen Gemeinde" nicht erhalten. Türkei. La Carr6e. (Insel Ereta). Den hiesigen Israeliten wurde neuerdings ein Zeichen der hohen Zuneigung seitens der türkischen Negierung zuTheil. Am 8. August fanden die Prüfungen in der israelitischen Schule statt, welcher der General-Gouverneur der Insel, Savas Pascha, beiwohnte. Dieser war höchst zufrieden mit den Leistungen der Schüler, die namentlich in der griechischen und hebräischen Sprache große Fortschritte gemacht haben. Die „Lewka Ori", eine griechische Zeitung, drückte des andern Tages in ihrem Bericht über diese Prüfung der isr. Gemeinde ihre volle Anerkennung aus. Marokko. Zufolge neuesten Nachrichten aus Demnat ist es dem berüchtigten Gouverneur daselbst gelungen, die muhamedanische Bevölkerung derart gegen die Juden einzunehmen, daß diese.es nicht mehr wagen, die Thore der Stadt zu verlassen. F e rr i l 1 e t o n. Die Monne. Erzählung von N. Kelle r. II. In einsamer Zelle saß Rosa, still vor sich hinweinend. Urplötzlich war ein schweres Geschick über das juilge Mädchen hereingebrochen, das sie um so härter traf, da sie in ihrem jungen Leben noch keinen Kummer erfahren hatte. Ihr Vater war einer der angesehensten Israeliten des Landes und hochgeachtet in seiner Heimatsstadt: ihre Mutter, eine Französin von Geburt, war eine sanfte und liebevolle Frau, die kein anderes Glück kannte als das ihres Gatten und das ihres einzigen Kindes. Umgeben von Liebe und Güte war Rosa im Schooße des Reichthumes herangewachsen. Nicht glaubte sie, daß ihr Glück auch erhöht werden könnte, und doch war es geschehen. Leser, der älteste Sohn des reichen Juden Baruch aus Düren, ein schöner und gebildeter junger Mann, war nach Eleve gekommen und hatte das Herz der schönen Rosa gewonnen. Baruch von Düren hatte während des dreißigjährigen Krieges Lieferungen an die Heere der verschiedenen kriegführenden Mächte übernommen und ausgeführt. Er und sein ältester Sohn waren dadurch vielfach mit vornehmen Leuten in Berührung gekommen, und Leser hatte sich eine für die damalige Zeit seltene Bildung angeeignet. Unter Anderm sprach und schrieb er das Französische wie seine Muttersprache. Die Eltern der beiden jungen ßciite waren froh und glücklich, daß sich deren Herzen gefunden, und so wurde denn das Verlobungsfest mit großer Freude begangen. Ein Eilbote wurde an die Mutter der Frau Nachmann nach Nancy geschickt, um ihr das freudige Ereignis; zu melden. Der Bote kam zurück und brachte ein Schreiben mit, in welchem die Großmutter den dringenden Wunsch aussprach, ihre Enkelin noch einmal vor ihrem Tode zu sehen; sie suhle sich alt und schwach und bitte dringend, ihr diesen vielleicht letzten Wunsch nicht zu versagen. Herr Nachmann konnte nicht abkommen, seine Frau fühlte sich nicht ganz wohl, und so beschloß man, das junge Mädchen der Obhut des treuen Hans anzuvertrauen, der schon viele Jahre als Kutscher bei Nachman» in Diensten stand. Glücklich war die Hinreise vorübergegangen. Die Großmutter hatte sich nicht wenig mit der holderblühten Enkelin gefreut und sie mit den besten Segenswünschen wieder entlassen. Ach, diese sollten sich nicht erfüllen; entweder war das unglückliche junge Mädchen dem Tode geweiht, oder es mußte noch Schrecklicheres als den Tod erdulden. Für die heißgeliebten Eltern, für den zärtlich geliebten Bräutigam war sie auf jeden Fall verloren! Wochen vergingen, und der Kummer und der Schmerz des unglücklichen jungen Mädchens wurden immer stärker. Sie hatte, in der Hoffnung, daß ihr Vater und ihr künftiger Schwiegervater durch ihre einflußreichen Verbindungen für ihre Befreiung sorgen würden, zum bösen Spiele gute Miene gcmacht und war scheinbar auf die Pläne des Paters eingegangen. In dem Letzteren, dem Beichtvater des Klosters, hatte sie einen Beschützer gefunden; sie bedurfte des Schutzes garsehr, denn die Nonnen, meistens dem Bauernstände entstammt, waren sehr unwissend und gaben ihrem Abscheu gegen die Jüdin oft den rohesten Ausdruck. Wochen waren vergangen, und Rosa hatte von den Ihrigen kein Lebenszeichen erhalten. War sie von Vater, Mutter und Bräutigam vergessend Der Bräutigam wußte allerdings noch nichts von dem schrecklichen Ereignisse; er hatte eine Reise nach Wien machen müssen, um die Ausstünde, die sein Vater von den Kaiserlichen zu fordern hatte, einzutreiben. Zwar war ihm gleich nach dem Unglücksfalle ein Bote nachgeschickt worden, um ihn zurück- ' zurufen. Dieser hatte ihn jedoch bei den damaligen V