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Der Israelit · 1885-08-24 · Heft 67 (24.8.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 67 (24.8.1885)
Date
1885-08-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1155 tragen, das israelitische Glaubensbckenntniß eines Jndigenatswerbers als Grund für die Abweisung eines Gesuches zu bezeichnen, wurde hier schon mehrfach erwähnt. Doch handeln die rumänischen Kammern hier auf Grund einer ihnen bei Ertheilnng des Bürgerrechtes mit Zustimmung des Berliner Kongresses cingeräumten Befugnis;, gegen deren Ausnützung im obenerwähnten Sinne keine Intervention des Auslandes möglich ist. Es muhten daher ganz andere Thatsachen vorlicgen, auf welche hin die angesehensten Vertreter der Londoner Jndenschaft sich dazu entschließen konnten, den englischen Ministerpräsidenten um seine bezw. der Berliner Signatarmächte Intervention zu Gunsten der rumänischen Israeliten anzngchen. Und in der That hat cs denn auch in letzter Zeit an sülchen Anhaltspunkten nicht gefehlt, ans welchen, wenn auch nicht geradeauf eine Judenverfolgung im eigentlichen Sinne, so doch auf eine völlig ungerechtfertigte Nachsicht einzelnen antisemitischen Ausschreitungen gegenüber gcschlopcn werden kann. Eine eigentliche Judenverfolgung — ich betone das ganz ausdrücklich — hat cs in Rumänien während der Zeit meines sechsjährigen Aufenthaltes nicht gegeben, und sind auch die gegen den Hausirhandcl erlapeucn Verbote nicht so sehr als eine blos gegen die Israeliten gemünzte Neuerung aufznfassen, als einerseits der Hausirhandcl Rumäniens sich keineswegs ausschließlich in den Händen von Israeliten befand, und als anderseits die weitaus größere Mehrzahl der in Rumänien lebenden Israeliten bei der Laudwirthschaft beim seßhaften Handel und im bürgerlichen Gewerbe ihren Unterhalt erwirbt. Als Fremde betrachtet, haben sic unter den Selbstüberhebungen des nationalen Chauvinismus nicht mehr und nicht weniger als jeder andere Fremde zu leiden. Ja noch mehr; ich kann sogar ohne Furcht vor einem Widerspruch behaupten, daß die prekären äußeren Lebensverhältnisse der meisten rumänischen Israeliten nicht einmal jenem Neide Raum geben, welcher in anderen Ländern den Wohlstand der fleißigen und sparsamen jüdischen Bevölkerung zu einer Haupttriebfeder des antisemitischen Pöbelhaffcs werden ließ. Nun haben sich aber im Laufe der letzten zwei Jahre in der vom Staate subvcntiouirten Papierfabrik von Bacau mehrere Vorfälle abgespielt, welche erstlich den Thatbcstand von Mißhandlungen jüdischer Laudesangehöriger blos ihres Glaubens willen konstatiren lassen, während anderseits die Regierungsbehörde diesen Ausschreitungen rohesten Rassenhasses gegenüber ihres Amtes nicht mit gehörigem Nachdruck waltete und demnach den Schein einer indirekten Begünstigung dieser Ausschreitungen auf sich lud. Der moralische Urheber dieser Vorfälle ist ein junger Mann, Namens Porumbaru, ein moralisch verkommener und wie cs scheint nicht ganz zurechnungsfähiger Mann, dem man mit Rücksicht auf seinen bei der liberalen Partei lehr wohl gelittenen Herrn Papa das Amt eines Direktors der Bacaner Papierfabrik übertrug. Pormnbarn sen. hat längere Zeit als Präsident der „Concordia romania“ fungirt, welche die Verdrängung aller fremden Gcwerbslcnte ans Rumänien bezweckt, und Herr Porumbaru jim. hat die väterliche Idee in's Antisemitische übersetzt, indem er an die Eingänge der von ihm übrigens in schauerlicher Weise geleiteten Fabrik Tafeln mit der Inschrift anbringen ließ: „Juden ist der Eintritt verboten!" Verirrte sich nun einmal ein Israelit in das Gehege dieses verrufenen Fabnkdirektors, so wurde er weidlich dnrchgcblänt. Kleinere Vergehen dieser Art blieben unbeachtet. Als aber vor mehreren Monaten ein armer Teufel nicht nur mit Fausthieben traktirt, sondern einer förmlichen Tortur unterworfen und schließlich in. Gesicht mit Vitriol beschmiert wurde, erhob sich in der ganzen nicht geradezu antisemitischen Presse Rumäniens ein Schrei der Entrüstung über diese Barbarei, welche, wie ganz richtig bemerkt wurde, das Ansehen Rnmänkcns im Anslande kompromittiren müsse. Gleichwohl wurde Herrn Porumbaru, wohl aus Rücksicht auf den Anhang seines Herrn Papa's, kein Härlein gekrümmt, und hat cs daher die Regierung nur sich selbst znzuschrciben, wenn gerade dieser straflos gebliebene empörende Fall die Grundlage jener Beschwerden wurde, welche eine Deputation der Londoner Judenschast dem englischen Ministerpräsidenten unterbreitete. Ich halte mich im Interesse der Wahrheit zu dieser objektiven Darstellung des Sachverhalts verpflichtet, glaube aber, daß das Vorgehen der Londoner Israeliten die Regierung Bratiann's veranlassen wird, das in der Bacaner Papierfabrik ctablirte Brutncst antisemitischer Hetzereien einer gründlichen Ausräucherung zu unterziehen bezw, die direkten und moralischen Mitschuldigen an jenen Vorfällen, welche Rumänien in den Geruch von Judenverfolgungen gebracht haben, strenge zur Vcrnnwortung zu ziehen. Jedenfalls würde dadurch der Würde Rumäniens mehr Vorschub geleistet, als durch die alberne Phrase des regierungsfreundlichen aber korrupten „Telcgraphnl", daß der Versuch Englands, sich in Folge der von der Londoner Judenschaft erhobenen Beschwerden sich in die internen Angelegenheiten Rumäniens mischen zu wollen, zu einer „großartigen Schlächterei" führen würde. (Fr. Ztg.) I

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