Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 66 (20.8.1885)
- Date
- 1885-08-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1129 und würden ihm aus dem kgl. Cabinett die schmeichelhaftesten Anerkennungs-Schreiben zu Theil. Oesterr.- Ungar. Monarchie. Prag. Der unlängst verstorbene Cardinal Fürst Schwarzenberg war im Jahre 1848 Fürst- Erzbischof in Salzburg und ließ damals unter seinen Auspicien die „Salzburger Constitutionelle Zeitung" erscheinen. Im Frühling des Jahres 1849 entlehnte dieses Blatt einer Wiener Zerrung, die mit Judenhetzen sich vorzugsweise befaßte, einen in diesem judenfeindlichen Sinne geschriebenen Artikel. Am Abend desselben Tages mußte der Nedacteur der „Salzburger Conftitutionellcn Zeitung" vor der» Fürsten Schwarzenberg erscheinen, um aus dem Munde desielben zu vernehmen, daß er den Abdruck dieses Artikels mißbillige und erwarte, daß nie mehr so etwas in der von ihm inspirirten Zeitung Vorkommen werde. Er sagte dem Nedacteur wörtlich, wie einige Journale gegen Ende des vorigen Monats berichteten, Folgendes: „Judenhetzc ist die Borläuferin oder Begleiterin einer jeden Revolution. Seit mehr als 200 Jahren sind die Juden expropriirt, von Grund und Boden verjagt und ausschließlich auf den Handel angewiesen, indem ihnen auch die Gewerbe verschlossen waren. Nun wird es ihnen zum Vorwurf gemacht, daß sie nicht Ackerbau und Gewerbe betreiben. Aber ums Himmelswillen, wie konnten sie das, nachdem man sie an die Luft gesetzt? Die Judenhetze verstößt geradezu gegen die Grundsätze unserer heiligen Religion und bringt niemals Segen, wie Sie aus der Geschichte der Kreuzzüge wissen. Ich bedauere zwar auch die Arroganz und Ueberhebung gewisser jüdischer Schriftsteller und wünsche, daß sie unsere Religion in Ruhe laffen und die Duldung, die wir ihnen gönnen, auch uns gewähren; aber für die Excesse Einzelner darf nicht das ganze Volk verantwortlich gemacht werden. Niemals darf die Gegenwart verantwortlich gemacht werden für die Vergangenheit. Revanche ist ein heidnisches Wort." So sprach ein Priester, der der Geburt und Amtsstellung nach ein Fürst,- der aber auch ein Fürst edler Denkungsart war. Pesth. In Galsetsch haben am 8. d. durch Militär hervorgerufene blutige Judenkravalle stattgefunden, über die wir folgende Nachrichten erhalten: Freitag Morgens passirte eine Eskadron Ulanen, die nach Kaschau zu den Manövern einrückte, den Ort Galsetsch. Es wurde hier eine 24ftündige Rast gemacht, während welcher Zeit die Bevölkerung, Juden sowohl als Christen, sich durch freundliches Entgegenkommen bestrebten, den Soldaten den Aufenthalt angenehm zu machen. Diese aber glaubten nicht besser ihren Dank bezeugen zu können, als indem sie eine Judenhetzc in Scene setzten. Gegen Abend stellte sich nämlich eine Truppe Soldaten unweit von der Synagoge auf und unterhielt sich damit, die vorübergehenden Inden unter lautem Lachen zu verspotten. Da gerade ein alter Jude mit einerschweren Last auf dem Rucken vorübcrging, packten ihn einige am Barte und zerrten ihn zur großen Belustigung ihrer Collegen hin und her über die Gasse, so daß der arme schwache Greis ohnmächtig niederstürzte. Die Helden ließen von ihm ab, als sie einen andern Juden erblickten, mit dem sie ihre Heldcnthaten fortsctzten. Der Jude ward bald vom Wagen und direkt gegen den Teich geschleppt, um ihn da — abzuwaschen.. Ter Angegriffene machte verzweifelte Anstrengungen Um sich zu befreien, was ihm am Ufer auch gelang. Nun begann eine wilde Jagd durch die Gassen. Der geängstigte Jude rannte nach der Synagoge, wo bereits mehrere Israeliten versammelt waren. Da ergriff ein Führer der Soldaten einen schweren Stein und warf ihn gegen einen am Eingang des Tempels sich befindenden Greis, der augenblicklich blutüberströmt zur Erde siel. Der verfolgte Jude hatte sich inzwischen in die Synagoge geflüchtet;- dieer wow Innen, -verrammelle,.. gegen welche aber der wüthcnde Unteroffizier 'ein wahres Stcinbombardcment eröffnete. Da der Wüthende in wenigen Augenblicken mehrere auf der Straße sich befindenden Inden durch Steinwürfe verwundete, so eilte ein muthiger Jude, Herr Herschkowitz, mit noch vier andern aus deui Tempel und überwältigten den Unterofficier. Indessen kamen ändere Soldaten ihrem Kameraden zu Hülfe und es entstand vor der Synagoge ein regelrechter Kampf. „Die Juden müssen heute alle erschlagen werden," rief der wuthcntbrannte Unteroffizier. Ein verlvundeter Jude eilte zu einem Offizier, den er um Hilfe anrief. „Mich laßt in Ruhe", antwortete dieser, „ich bin nicht der Kommandant." Endlich wurde auf Veranlassung des Bürgermeisters eine Patrouille ausgeschickt, bei deren^Anblick die Excedenten Reißaus nahmen, und nur der Unteroffizier mit einem schweren Steine in der Hand wurde verhaftet. Wir zweifeln gar nicht, daß dasMilitärcommando eine Untersuchung einleitcn und die Schuldigen ihrer verdienten Strafe zuführen wird. Budapest!), 6. August. Von den sieben Künstlern, welche für ihre Kunstwerke in der Landes-Ausstcllung große Ehrendiplome erhielten, sind Zwei Juden, von den 28 mit der großen Medaille Ausgezeichneten sind Sieben Juden. *