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Der Israelit · 1885-08-17 · Heft 65 (17.8.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 65 (17.8.1885)
Date
1885-08-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. M «5. E i n Kenlrak - Hrgan für das orthodoXe Zudenlhum. Hcrausgegeben von I)r. Lehmann tu Mainz. Montag, den 17. August 5645 (1885). Leitende Artikel. Die Sprüche der 'Däter. XXXVI. Bobruisk, den 13. August. Alles, was die Menschen an irdischen Genüssen für erstrcbenswcrth halten, läßt sich in vier große Klaffen einthcilcn. Die erste derselben umfaßt diejenigen Genüsse, welche der Mensch in sich aufnimmt. Von diesen sind sehr viele imaginär oder doch für alle Menschen nicht glcichwerthig; so die Genüsse des Auges und des Ohres. Nicht alle Menschen erfreuen sich an dem Ausblicke in eine schöne Landschaft, an der Vctrachtnng eines Kunstwerks; nicht alle Menschen haben Sinn für Musik und Gesang, nicht alle Menschen finden Freude au Spiel und Tanz. Daher greift Hillcl aus dieser Klasse der Genüsse diejenigen heraus, die der übergroßen Mehrzahl der Menschen als wirkliche Genüsse erscheinen, deren scheinbar gute Folgen auch Jedem ersichtlich sind. Speise und Trank hält, wie das Sprüchwort sagt, Leib und Seele zusammen, Speise und Trank sind Genüsse, die jedem gesunden Menschen Vergnügeit bereiten und die meistens eine angenehme Körperfülle zur Folge haben. Daher warnt Hillel vor dem Ncbermaße in diesen Genüssen: not nmo -iko nno „Wer seine Körperfülle nährt, nährt Wurm und Made." Das Zweite, was den meisten Menschen begehrenswert!) erscheint, ist der Besitz der Mittel, um eitt angenehtnes und sorgenfreies Leben zu führen. „Ant Golde hängt, nach Golde strebt ja Alles." Reich werden, ein großes Vermögen zu besitzen, das ist der meisten Sterblicheit höchster Wunsch. Vom Könige bis zum Bettler ist Alles vott diesem Wunsch beseelt. Selbst die Reichen, Vornehmen und Mächtigen können des Geldes oder der große Summen repräscntirendcn Vcsitzthümer nie genug haben; daß die Armen wohlhabend, die Wohlhabenden reich werden möchten, ist selbstverständlich. Namentlich in unserer Zeit ist es ein krankhafter Zug, der sich durch alle Gesellschaftsklassen hindurchziehet, daß Jeder so schnell als möglich reich werden möchte, entweder um des Lebens Annehtnlichkeiten in Hülle und Fülle zu genießen, oder am Besitze selbst sich zu erfreuen. Allein die Vermehrung des Besitzes befördert nicht das wahrhafte Glück. Weit es gelüstet, große Reichthümer zu erwerben, tun sich des Besitzes zu erfreuen oder um die Annehutlichkeiten des Lebens zu genießen, der irrt in feinem Streben, d’ddj nar» ru?n roiD. „Wer die Güter mehrt, der mehrt die Sorge." Man beachte wohl die Worte des großen Weisen. Er sagt nicht: wer ein großes Vermögen besitzt hat große Sorgen; er sagt vielmehr: wer die Güter mehrt, mehrt die Sorge. Denn wenn Jemand durch Erbschaft oder durch den Segen Gottes in den Besitz eines großen Vermögens gelangt ist, so braucht deßhalb die Sorge, die Angst um den Verlust seines Vermögens ihm des Lebens Freude nicht zu rauben. Er kann die Reichthnmer, die ihm geworden als das betrachtett, was sie wirklich sind, als Mittel zntn Zwecke, nut einestheils sein Leben angenehm zu gestalten und andernseits seinen Mitmenschen Gutes zu erweisen. Ihm wird die Sorge um den etwaigen Verlust seines BertnögcuS nicht das Leben verbittern. Wer es jedoch zu seiner Aufgabe macht, nicht nur für sich und die Seinen den Lebensunterhalt zu erwerben, sondern seine Güter stets zu mehren und zu mehren, der wird unablässig von der Angst gequält werden, das Erworbene wieder zu verlieren. Die Furcht vor Dieben und Räubertt, vor Schwindlern itub Betrügern, vor Krieg und Revolution, wird ihn unablässig quälen und ihn nicht zum ruhigen Genüsse seines Besitzes gelangen lasten. Als im Jahre 18C6 die

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