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Der Israelit · 1885-08-13 · Heft 64 (13.8.1885) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 64 (13.8.1885)
Date
1885-08-13
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1106 Rabbiner« in Rikolsburg. Markus Benedikt." Die Königin und die ganze Versammlung lachte herzlich über die naive Aufklärung, während sich die Augen der Kleinen ob dieses unerwarteten Effectes mit Thränen füllten. „Freilich", erwiederte hierauf die Königin, „muß ich schon von dem gelehrten Rabbi gehört haben, Dir aber, meines braves Kind, übergebe ich dieses Körbchen als Lohn Deines Fleißes." Und sie überreichte dem überglücklichen Kinde ein seidenes Körbchen mit zehn Ducaten. England. London, 6. August. Zum Andenken an Sir Moses Montefiore wurde gestern in der portugiesischen Synagoge zu London ein feierlicher Trauergottesdienst abgehalten, der sehr zahlreiche Betheiligung hatte. Die Synagoge war durchweg schwarz drapirt. Der Sitz des verstorbenen Patriarchen war ebenfalls schwarz ausgeschlagen. Die gesammte jüdische Geistlichkeit war in vollem Ornate versammelt. Die Vorstände der verschiedenen jüdischen Gemeinden Londons und der Anglo-Jewish-Association, sowie Lord Rothschild, Sir Albert Sayoon, sowie die Herren Arthur Eohen und Joseph Sebag befanden sich unter den Anwesenden. Der delegirte Oberrabbiuer Dr. Hermann Adler hielt die Gedächtniß- Predigt, in welcher er in eindrucksvoller Weise die ruhmvolle Laufbahn des verstorbenen Philanthropen schilderte. London, 7. August. Lord Salisbury empfing heute eine Abordnung des jüdischen Board of Devuties und der anglo-jüdischen Association, an der u. A. Sir Julian Goldsmid und Herr I. Seligmann Theil nahmen und welche den Zweck hatte, über die Verfolgung der Juden in Rumänien Vorstellung zu machen. Der Premierminister antwortete auf letztere, daß die britische Negierung als Mitzeichneriu des Berliner Vertrages dieselben nicht unbeachtet lassen könne. Er bedauere es sehr, daß ein Staat wie Rumänien die berührten Vorgänge geschehen lasse, und könne der Abordnung versichern, daß die Negierung gern alles thun werde, um die Leiden ihrer Glaubensgenossen zu lindern. Da diese Leiden durch ein tief eingewurzeltes Vorurtheil des rumänischen Volkes entständen, ein Vorurtheil, welches in der rumänischen Volksvertretung zum Ausdruck gelange, so werde die Abordnung verstehen, daß die Sache eine sehr vorsichtige Behandlung erheische, und bcijjf irgend ein Vorgehen, welches wie eine Drohung aussähe, die grausame Behandlung der Juden eher verschlimmern dürste. Im Interesse der letzteren müsse man also an die Angelegenheit mir entsprechender Rücksicht auf die nationale Empfindlichkeit herantreten. Die Abordnung könne aber sicher sein, daß die britische Regierung alles Mögliche aufbieten werde, um eine Besserung herbeizuführen, und wenn er Worte zurückhalte, die sich ihm auf die Zunge drängten, so werde man wohl verstehen, daß nicht Gleichgültigkeit, sondern Umsicht der Grund sei. Die Zusammenkunft endete mit einem Dankesvotum der Abordnung. London. In fast allen Synagogen Englands haben Trauergottesdienste um den verstorbenen Sir Moses . Montefiore stattgefuuden. In den Kirchen und Kapellen Ramsgates und der Umgegend sprachen die Geistlichen in ihren Predigten über den Verlust, den die Menschheit durch den Tod des Philanthropen Montefiore erlitten hat. Die portugiesische Gemeinde in London hat 170 L. als Spenden zum Andenken an Sir Moses Montefiore erhalten. Rußland. Petersburg. Die russische Regierung hat ein Gesetz herausgcgebcn, wonach den ausländischen Juden, die in Beffarabien wohnen, verboten wird, sich mit einem Handwerke zu beschäftigen, oder einen Handel zu treiben, ausgenommen Kaufleute ersten Ranges oder Meister an den jüdischen Manufacturen, Rabbinen und Aerzte, welche die Regierung selbst aus dem Auslande berufen wird. Grodno. Außer den 25000 Rubel, die der Kaiser für die Abgebrannten in Grodno gegeben, haben seine Söhne 6000 Rubel an das Unterstützungs-Eomitö geschickt. Anton Rubinstein wird demnächst ein Concert zu Gunsten der armen Be- / völkerung veranstalten. Dem Unterstützungs-Comitb ' gehören 10 Juden an. Die Regierung hat eine Collecte bei allen Vereinen der rothen Kreuzgesellschaft in Rußland für die Armen Grodnos veranstaltet. A m e r i k a. New-Aork. Hätte Sir Moses Montefiore ahnen können, auf welche Weise ihn die hiesigen Juden ehren werden, so hätte er gewiß mit seiner ganzen Kraft gegen eine solche Art der Verehrung protestirt. Die New-Iorker Glaubensgenossen haben nämlich beschlossen, dem verstorbenen Menschenfreunde im C.entral-Park der Stadt eine Standsäule zu errichten und haben bereits 10,000 Dollars gesammelt. Nein, so ehrt man Moses Montefiore nicht, ihn, der durchaus Jude war und alle Satzungen und Gebräuche unserer Religion streng beobachtet hat.

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