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Der Israelit · 1885-08-13 · Heft 64 (13.8.1885) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 64 (13.8.1885)
Date
1885-08-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Zweite Beilage ju Nr. 64 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oester r. - Ungar. Monarchie. Prag. Der als Psychiatrsst weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus berühmte Herr Dr. Jakob Fischel, der seit mehr als 15 Jahren die Stelle eines Directors der Landesirrenanstalten in Böhmen bekleidet, ist als Professor an der Prager deutschen Universität in den bleibenden Ruhestand getreten und steht auch in kürzester Zeit sein Uebertritt in denselben als Direktorder Landesirrenanstalten bevor. Wenn Jemals ein Ruhestand wohlverdient genannt werden darf, so ist es der des greisen Professors Dr. Jakob Fischel, und darum sei diesem bescheidenen Gelehrten, dessen ganzes Leben tiefernstem Studium gewidmet, der Hafen der Ruhe gegönnt, der Ruhe nach langem Ringen auf dem Kampfplätze der Wissenschaft, nach so vielem Streben und Gelingen, den umnachteten Geist so Vieler zu erhellen und kranke Seelen zu heilen. Herr Prof. Dr. Fischel ist keiner jener Dutzendgelehrten, denen es weniger um die Wissenschaft, wie vielmehr um einen Rainen und Rang zu thun ist, er hat es männiglich dadurch bewiesen, daß er sich nie vorgedrängt, sein bedeutendes Wissen nie ostentativ zur Schau getragen hat; er ließ sich nur dann finden, wenn er gesucht ward. Und diesen Eharakterzng bewährte er zumal in seiner akademischen Laufbahn. Anfangs der Fünfziger Jahre, wo der Bach'sche Absolutismus in hoher Blüthe stand und Dr. Fischel als Psychiater in der Prager Irrenanstalt segensreich wirkte, wies er einen Antrag, das Amt eines Direktors an derselben zu übernehmen, vorausgesetzt, daß er seinen Glauben wechsle, entrüstet zurück und beantwortete dieses Ansinnen mit dem sofortigen Austritt aus der Anstalt, und begnügte sich mit der Privatpraxis, die erst recht den Meister auf dem Gebiete der Heilwissenschaft erkennen, aber auch die mit seinem Abgänge von der Irrenanstalt entstandene Lücke in auffallender Weise empfinden ließ. Als gegen das Ende der Sechziger Jahre der bis dahin verfinsterte Geist des Vorurtheils durch das Licht der Verfassung etwas Helle geworden, fing man an, einzusehen, daß dieses ruhig neben jenem einherschreiten könne, ohne daß das eine das andere zu beeinträchtigen vermag. In jene Zeit fällt die Wiederbesetzung der Dircctorstelle, und niemand Anderer war es, als Dr. Jakob Fischel, den das weitblickende Auge wissenschaftlicher Beurthcilung aus dem Tusculum seiner Bescheidenheit hervorholte, um ihn dort, wohin er vermöge seiner Gelehrsamkeit und reichen wissenschaftlichen Erfahrungen gehörte, zum Wohle der leidenden Menschheit segensreich wirken zu lassen und mit der Organisation der Musteranstalt zu betrauen. Herr Prof. Fischet kann nun hellte am Schluffe seiner offiziellen ersprießlichen Wirksamkeit, als langjähriger Leiter jener Heilanstalt, mit vollster Befriedigung auf jeine Vergangenheit zurückblicken. Möge ihm ein hohes Alter in ungetrübter Körper- und Geistesfrische beschieden sein. Pesth. Der Reformapostel Stereny und seine Freunde hielten in einem Wirthshanse einen Gottesdienst und dann eine Sitzung ab, in welcher die Besetzung der Eultus- und Ehrenstetten besprochen wurde. Von dem ursprünglichen Ausschuß gehört kein Einziger mehr der Kompagnie an. Die Statuten der Gesellschaft befillden sich im Rabbiner- Seminar, und so lange die Rabbinerschulc ihr Gutachten nicht abgegeben hat, wird die „Neupesther Religion" auch nicht concessiouirt werden. Die Herren des Rabbinerseminars mögen also wohl überlegen, daß es in ihrer Macht liegt, einen Stein des Anstoßes im ungarischen Judenthum zu entfernen oder den Stein zu einem Berge heranwachsen zu lassen. (P. j. Z.) Serbien. Aus Belgrad wird folgende hübsche Geschichte mitgetheilt: „Königin Natalie von Serbien wohnte dieser Tage den Prüfungen der höheren Klaffe der hiesigen Mädchenschule bei. Unter Anderem erregten die correcten Antworten eines bildhübschen 12jährigen Mädchens, das sich"'insbesondere durch seine Kenntniß der serbischen Sprache und Literatur auszeichuete, die Aufmerksamkeit der Königin. Dieselbe fragte die Kleine, wie sie heiße, und wer ihr Vater sei. „Natalie", antwortete das Mädchen, „mein Vater ist der Graveur Markus Benedikt." — „Benedikt", wiederholte die Königin, „mir ist, als ob mir der Name nicht - unbekannt wäre." — „Gewiß ist dieser Name Eurer Majestät nicht unbekannt", sagte die mnthigc Kleine, „denn! mein Vater ist ein Enkel des berühmten Landes-

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