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Der Israelit · 1885-08-10 · Heft 63 (10.8.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 63 (10.8.1885)
Date
1885-08-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1083 gibt, da zieht sich jeder Einzelne von ihnen schön zurück und überläßt es einem Andern. Nur wenn von Außen oder besser von einer behördlichen Seite etwas kommt, da rafft sich Alles zusammen und man berathet, lauft dann und scheuet selbst die größten Geldopfer nicht, damit etwas geschehe oder füglich wegbleibe, wenn die Sache noch so bedeutungslos sein sollte. Die Reform hat wohl vor der Hand keinen Boden, und ihre Anhänger sind von einer sehr geringen Anzahl; doch dürste es nicht geduldet werden, daß sich bei den ohnehin so vielen Schattirungen, welche sich heutzutage bei den ung. Juden zeigen, noch eine neue Partei bilden soll, und zwar eine solche, welche vollkommen außerhalb der Grenzen des Judenthums steht und gleichsam eine Brücke zum leichten Uebergang von einer Eonfession zur andern macht. Der Leiter oder sogenannte Stifter dieser Reform, so wenig auch dieser Mann ein Mann der Autorität ist, arbeitet dennoch recht fleißig an der Bildung des Vereines, und die Erfahrung lehrt doch, daß selbst der unbedeutendste Mensch in solchen Dingen ganze Welten an sich zu ziehen vermag. (Jll. Gemeindezt.) Budapest. Unglaublich aber wahr, die Antisemiten nehmen Stellung gegen Jstöczy, ja sie beschuldigen ihn sogar, daß er mit der Regierung paktire. Ivan Simonyi, der journalistische Heißsporn der Antisemiten, veröffentlicht in seinem Blatte einen langen Artikel, dem wir die folgenden charakteristischen Stellen entnehmen. Simonyi schreibt wörtlich Folgendes: . „Jffoczy hat die ganze letztverflossene Session nicht ein einziges Mal gesprochen. Obwohl dieses Schweigen zu vielen Kommentaren Anlaß gegeben hat, so haben wir gleichfalls über dieses Schweigen keine Silbe fallen lassen. Ein Mann, der den Muth und die Ausdauer gehabt hat, durch Jahre ganz alleinstehend seinen Standpunkt trotz giftigem Spott und dem gemeinsten Geschimpfe immer von Neuem veröffentlicht zu verkünden, ein solcher Mann hat das volle Recht, auch zwei Jahre zu schweigen, und Andere sprechen zu lassen. Viel auffallender, und jedenfalls ein Recht zu einer Frage gibt der Umstand, daß Jstöczy, wie mir die Parteigenossen versichern, die ganze Neichstagssesston nicht gestimmt, d. h. sich der Abstimmung enthalten habe. Im Frühjahr trat Jstöczy, wie es der Leser weiß, sogar aus dem Klub. Nun „dekretirt" er, denn das ist der richtige Ausdruck: „Die Antisemiten mögen sich in zwei Parteien spaften." Jstöczy kehrt dem. Klub schmollend den Rücken. Nachdem wir (nämlich die Antisemiten) schon früher mit allen möglichen Titeln öffentlich rcgalirt worden sind, dekretirt nun Jstöczy-, außerhalb der Partei stehend, der Klub hat sich zu spalten. Ist es bcm großen Meister und Taktiker Tißa etwa gelungen, den ehemaligen warmen Parteigenossen wiederum zu ködern? - - wir setzen natürlich voraus, mit Versprechungen, im Interesse der Sache, von welchen wir leider nur fürchten müssen, daß sie, wie manches Andere, nur Versprechungen bleiben werden. Nun ist es mindestens nicht wahrscheinlich, daß der „große Taktiker Tißa" solches in dem Augenblicke thut, als es offenkundig wird, daß die überwiegende Mehrzahl der Partei an das Verdienst, an den Nimbus Jstöczy's gewiß nicht tastete, .im Gegeuthcil, allein ihm jedoch nicht mehr als Führer folgt." Wir haben nur zu bemerken, daß Ivan Simonyi im Namen aller antisemitischen Abgeordneten (Jstöczy und Komlossy ausgenommen) zu sprechen scheint. Czcrnowitz. Zum rector magnificus der hics. Universität ist für dieses Jahr Herr Prof. Dr. jur. K. Hiller (Israelit) gewählt worden. England. London, 3. August. Die Königin, für welche sonst alle Ccremonien, die mit Trauer, Todesfällen und melancholischen Ereignissen Zusammenhängen, von hoher Bedeutung sind, war bei dem Leichenbegängnisse Montefiore's nicht vertreten. Heute klärte sich dieser Umstand auf. Der erste Kammerhcrr der Königin schreibt nämlich in deren Auftrag, die Königin bedauere außerordentlich, daß durch ein Mißverständnis; im Datum der Beerdigung kein Mitglied des Hofstaates die Königin bei derselben vertrat, wie die Monarchin dies beabsichtigt hatte. A m e r i k a. New-Uork. Herr B. Peiser, ein streng religiöser Jude, der am Samstag sein Geschäft geschlossen hält, wurde von der Polizei wegen Uebertretung des Sonntagsgesetzes dcnuncirt. Richter Garman sprach Herrn Peiser frei, weil nach dem hiesigen Gesetze ein Jude, welcher den Samstag als Ruhetag hält, ungestört am Sonntag seinen Geschäften uachgehen kann. Wocherr-Kalerrder. Freitag, 14. August, 3. Mul. Samstag, 15. August, 4. Mul. 'n pns »D’ÜDttf Sabbat-Ausgang 8 Uhr 10 Min. (Mainzer Uhr.) \

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