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Der Israelit · 1885-08-10 · Heft 63 (10.8.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 63 (10.8.1885)
Date
1885-08-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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itiB sei und hat nach überhasteter Berathung die Sonntagsruhe beschlossen, ohne bei Besprechung eines so wichtigen Gesetzes auch das jüdische Element in's Auge zu fassen, welches'bereits durch seine Religion gezwungen ist, einen Tag in der Woche zu feiern. Bei Berathung dieses Gesetzes ist es auch dem sich als Vertreter der galizischen Juden gerirenden ehemaligen Floridsdorfer Rabbiner nicht eingefallen, die Aufmerksamkeit der hohen Negierung und des gesetzgebenden Körpers auf die Folgen einer solchen Bestimmung zu lenken, welche den Juden in die Zwangslage versetzen muß, wöchentlich zwei Ferialtage einzuhalteu, den durch das göttliche Gebot normirten Sabbat und den durch das weltliche Gesetz anbefohlenen Sonntag. So ist denn dieses Gesetz vor sechs Wochen in Kraft getreten. Aber in dieser kurzen Spanne Zeit, seitdem es sich in der Praxis auch nützlich erweisen soll, haben sich schon eine solche Unmasse von Fehlern und Jrrthümern gezeigt, daß mit größter Wahrscheinlichkeit anznnehmen ist, es werde dies Gesetz ebenso rasch aufgehoben werden müssen, als es beschlossen wurde. Bon Tag zu Tag mehren sich im Handelsministerium die einlanfenden Petitionen von Privaten und gewerblichen Genossenschaften mit Abänderung mancher drückenden Bestimmungen dieses Gesetzes. Hunderte von Kauflenten aus den Städten und Städtchen der Provinz beklagen sich über dieses Gesetz, welches sie zwingt am Sonntag Nachmittag ihre Verkaufslädcn zu schließen, an dem einzigen Tage, an welchem die Landleute in die Stadt kommen, um ihre Einkäufe zu besorgen. In den großen Städten wieder haben die Ausnahmsbestimmnngen dieses Gesetzes der .Konkurrenz den weitesten Spielraum geschaffen. Der einen Kategorie von Handelsleuten ist an Sonntagen der Verkauf von Waareu gestattet, welche andere Geschäftsleute ebenfalls auf Lager führen, die durch ihre Gewerbe- Scheine jedoch bemüssigt sind, ihre Geschäfte an Sonntagen zu schließen. Am berechtigsten jedoch wäre eine Massenpetition der galizischen Juden an das Handelsministerium, um Regelung der Bestimmungen dieses Gesetzes in Bezug auf die Juden; denn ebenso wie der Staat an seine jüdischen Bürger seine Anforderung stellt, was die Steuerzahlung anbetrifft, ebenso wird die Negierung nicht wollen, daß durch den Entgang von wöchentlich zwei Tagen dem jüdischen Staatsbürger die Möglichkeit benommen werde, seine ihm auf- ,erlegte Steuer zu entrichten, und diese gesetzliche Bestimmung ihn vollkommen ruinire. Geradeso wie das Gesetz über die Sonntagsruhe Ausnahmsbestimmungen für viele Gewerbe und Stände enthält und die große Zahl der Petenten beim Handelsministerium noch weitere Ausnahmsmaßregeln erhofft, ebenso wäre es angezeigt, daß auch die galizische Judenschaft die Hände nicht ruhig in den Schoß lege, sondern sich ebenfalls durch Maffcnpetitionen beim Handelsministerium um Abänderung der gesetzlichen Bestimmungen dahin bewerbe, daß Geschäfte, welche von orthodoxen Juden betrieben, und die an Samstagen ohnehin ruhen, an Sonntagen betrieben werden dürfen. Allem Anscheine nach lag es hauptsächlich bei der Ereirnng dieses Gesetzes in den Intentionen der Regierung, durch die Rormirung eines Ruhetages in der Woche die geschwächte Arbeitskraft des Volkes wieder arbeitsfähig zu machen, und da bei der großen Zahl der jüdische» Arbeiter und Handelsleute in Galizien ohnehin schon ein Ruhetag seit uralter Zeit eingehaltcn wird, so wäre von einer in dieser Richtung logisch verfaßten Petition ein durschlagender Erfolg zu erhoffen. (I. Wltb.) Pesth. Der Vorstand der Budapesther aut. orth. isr. Gemeinde hat in seiner aut 2. d. stattgehabten Sitzung beschlogen, das Andenken des jüngst verstorbenen Sir Moses Moutefiore in folgender Weise zu feiern: 1. Das Seelenlicht während der :ro Trauertage in der Synagoge anzuzünden. 2. Rach Ablauf dieser Zeit einen öffentlichen Trauergottcsdieust zu veranstalten. 3. Dem Oberrabbiner von England Dr. Rath. Adler das tiefgefühlte Beileid über den Verlust, welchen die gesämmte, insbesondere die englische Judcnheit erlitten, auszudrücken. AuS Neupefth. Die Neformpartei hat eben vom Ministerium ihr Oeffentlichkeits-Recht erhalten, es ist derselben nun gestattet, eine eigene Gemeinde hier zu bilden, das Schul- und Kultuswesen nach eigenen Normen zu verwalten. Herr A. Stern, ihr Seelsorger, will, wie er sich schon öfters geäußert haben soll, mit allen jüdischen Eeremonien und Gebräuchen tabula rasa machen, und selbst die heiligsten Feiertage nur aus — wenige Stunden reduziren. Auch der Sabbat und die Beschneidung und andere mosaische Gesetze sollen als veraltete Gebräuche außer Giltigkeit gesetzt werden, und Alles soll derart eingerichtet werden, wie es ein ungarischer Prediger — für gut und für zweckmäßig nur erachtet. — Daß der hiesige Vorstand und die Landeskanzlei dagegen keine Schritte gethan, liegt in der Natur und in der Auffassung dieser Leute; so es sich um das Religionswesen handelt, da bleiben dieselben stets kalt und indolent. Ueberall, wo es etwas zur wahren Hebung des Glaubens zu thun

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