Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 63 (10.8.1885)
- Date
- 1885-08-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVI- Jahrgang. Jfi, (}ß( Aentrak - Hrgan für das orthodoxe Audenthum. Herausgcgebeu von LZr. Lehman» in Atainz. Montag, den 1«. August 5645 (1885). Leitende Artikel. Die Sprüche der Jäter. - XXXIV. Bobruisk*), 6. Altgust. Die Fragen, die wir im vorigen Kapitel anfgczahlt und durch die Erklärung Raschi's im Traktat Sukkoth 53 a. beantwortet, haben den Erklärer» große Schwierigkeiten venirsacht. Vor Allem hat sie der Umstand beschäftigt, daß Hiltels Behauptung: «und am Ende werden die, welche dich ertränkt haben, ertränkt werden," der täglichen Erfahrung widerspricht, da doch viele Mörder friedlich auf ihren Betten sterben. Rabbi Samuel de Oseda, und mit ihm viele Andere, habet! die Lösung in dem Wörtchen jpoi „und am Ende" angedeutet gefunden. Dieses Wörtchen scheint überflüssig zu sein. Hittel hätte eben so gut sagen können: pera» i'L'vvi „und die dich ertränkt haben, tvcrden wieder ertränkt werden." Tie Erklärer meinen, Hillel habe in dem Wörtchen *)idi die Lehre von der Seelenwanderung, rratwn havj, audeuten wollen. Wenn ein Mörder stirbt, ohne daß seine Schandthat in dieser Welt gerächt wurde, so geht seine unsterbliche Seele in einen andern menschlichen oder thierischen Körper über und zwar so lange, bis er denselben gewaltsamen Tod erleidet, den er einst einem Mitmenschen hinzugefügt hat. Das bedeutet das Wörtchen ^idi. Hillel will demnach sagen, daß, wenn die Ertränker auch friedlich auf ihren Betten sterben, sie dem Geschicke ertrankt zu werden doch nicht entgehen. Ihre unsterblichen Seele» werden in andere Körper ein¬ *J Anm. des Corrrctors: Herr Rbb. Dr. Lehman» ist zur Hochzeit seines Sohnes, welche am 13. d. M. in Bobruisk (Rußland) stattfinbet, gereist. Briefe und andere Sendungen wolle man, wie bisher, nach Mainz adresfiren. gehen und werden erst dann das Ende ihrer irdischen Laufbahn finden, wenn sie die Todesart erlitten, die sie gewaltsamer Weise einem Menschen beigebracht haben. — Es ift hier wohl am Orte, Einiges über die Lehre von der Seelenwandernng mitznlhcilen. Gewöhnlich wird der griechische Philosoph Pythagoras als der llrheber der Lehre von der Seelenwandernng genannt. Dieselbe ist jedoch viel älter. Die Bramahnenlehre der alten Indier, in der sich die ersten Spuren dieses Glaubens zeigen, stellt die Wanderungen der Seele nach dem Tode durch bösartige und gutartige Thiere als Büßungell und Mittel der Läuterung dar, womit auch die Schonung der Thiere bei den Indiern zusammenhängt. Auch die Buddhisten nehmen eine Seelenwandernng an. Die Geheimlehre der cgyptischen Priesterkaste nahm eine» nothwendigen Kreislauf von 3000 Jahren an, den jede Seele nach dem Tode, die Körper aller Thiergattungen durchlanfend, vollenden müsse, ehe sie in den Menschcnkörper znrnckkehre und in den Wohnungen der Seligen anlange. Wahrscheinlich von den Egyptern empfingen die Griechen den Glauben an die Seelenwandernng, welche sie Metempsychosis d. i. Scetenwechsel und Metcnsomatosis, d. i. Körperwechsel nannten. Als die ersten Männer, welche sie bei den Griechen annahmcn, werden Pythagoras und sein angeblicher Lehrer Pherecydes namhaft gemacht. Die spätern Pythagoräer lehrten, der Geist solle, voll den Fesseln des Körpers befreit, in das Reich der Verstorbenen ciugehen, daselbst in einem Zwischenzustande längere oder kürzere Zeit verweilen, und dann wieder andere uienschliche oder thierische Körper auf ihre Lebensdauer beseelen, bis die Zeit seiner Läuterung beendet und seine Rückkehr zum Urquell des Lebens möglich sei. — Auch Sokrates und Plato waren Anhänger der Lehre von der Seelenwandernng, wie der letztere ausführlich darüber in seinem Phädou