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Der Israelit · 1885-07-30 · Heft 60 (30.7.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 60 (30.7.1885)
Date
1885-07-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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aufgegeben, das Hecht, er war gezwungen, ihn aufzugeben. Sie haben vielleicht gehört, daß sein früherer Chef, B. H. Wittmann in D..... vor ungefähr drei Wochen gestorben ist. Der alte Wittmann war ein braver, streng frommer Mann, und war selbstverständlich das Geschäft am Sabbat und an Feiertagen geschloffen. Doch schon am ersten Sabbat nach seinem Tode haben die Söhne das Geschäft offen gehabt und von ihren Leuten verlangt, daß sie wie au. Wochentagen arbeiten. Hugo hat es selbstverständlich verweigert, hat sich jedoch erboten, den ganzen Sonntag statt deffen zu arbeiten; doch die Herren Wittmann haben ihm erklärt, sie könnten keine Ausnahme in ihrem Comptoir gestatten; entweder möge er am Sabbat arbeiten wie die Anderen oder seinen Posten verlassen. Da blieb ihm natürlich keine Wahl." Frau Herz wiegte theilnahmsvoll das Haupt. „Das ist hart, in Wirklichkeit, das ist hart — namentlich unter den gegenwärtigen Verhältnissen — die hat der junge Herr wohl nicht so genau gekannt, sonst hätte er es sich doch vielleicht überlegt, bevor er so Knall und Fall seinen Posten verlaffen." „O doch, mein Sohn hat unsere Verhältnisse genau gekannt; aber wo es sich darum handelte, den Sabbat zu entweihen, da konnten unsere Verhältnisse nicht maßgebend sein." Frau Herz schüttelte abermals Haupt. „Das ist sehr schön gedacht — in der That sehr schön — ob es indessen recht ist? — Was unter gewöhnlichen Verhältnissen recht ist, kann unter außergewöhnlichen gradezu unrecht sein. Und ich glaube in dem gegebenen Falle —" „Frau Herz! —" „Lassen Sie mich ausreden, meine Liebe. Ihr Hugo ist gewiß ein braves Kind, aber gegenwärtig hätte er ein Mann sein müssen, hätte einsehen müssen, daß mit den wechselnden Verhältnissen auch unsere Pflichten wechseln. Haben Sie auch iu früheren Zeiten ihn gelehrt, daß er am Sabbat nicht arbeiten dürfe — um Eltern und Geschwister zu unterstützen, kann es unmöglich unrecht sein." „Lieber hungern, lieber betteln mit meinen Kindern!" rief Frau Lewison erglühend, „als zugeben, daß Eines von ihnen den Sabbat entweiht." „Liebste Freundin, Sie versündigen sich!— so darf man nicht reden, das heißt das Schicksal geradezu herausfordern. Hungern! — betteln! — Sie sind erregt, beste Frau Lewisohn." Um die Lippen der Andern spielte ein glückliches Lächeln; ihre bisher so bleichen Wangen waren geröthet. * „Sie sind im Jrrthum, Frau Herz, ich bin vollkommen ruhig; denn ich bin glücklich, daß mein Sohn die schwere Prüfung glücklich bestanden. Ich habe es meinem Manne zwar noch nicht mitgetheilt, um seine Sorgen nicht zu vermehren." „Daran haben Sie sicher wHl gethan; Herr Lewison würde keinen kleinen Schrecken haben." „Merdings könnte meinem Mann die That« sache an und für sich, daß Hugo ohne Posten ist, nicht angenehm sein, aber die Freude, daß er trotz unserer gegenwärtigen Lage doch kemen Augenblick geschwankt hat —" „Die geht Herrn Lewison doch nicht verloren. Wenn Sie meinem Rathe folgen, so schreiben Sie Ihrem Herrn Gemahl nichts davon, dis es dem jungen Manne gelungen ist, einen andern Posten zu erhalten. Hat er vielleicht schon Aussicht auf Engagement?" Frau Lewison zuckte die Achseln. „Er bemüht sich darmn und auch mein Bruder. Mer cs hält ungeinein schwer, eben wegen des Sabbats. Er hätte schon verschiedene gute Posten habe« können, doch keinen, bei welchem er den Sabbat frei hätte." „Das ist's ja, was ich sagte, Hugo hat sich übereilt. Kein Vernünftiger gießt uureiues Wasser aus, bevor er reines hat. Und sein Posten bei Wittmann scheint nebenbei ein recht guter gewesen zu sein." . „Das war er auch, Hugo war in jeder Beziehung znftieden." Frau Herz wiegte nrißbilligend das Haupt. „Die Jugend — die Jugend — vorgethan und nachbedacht, hat Manchem schon viel Leid gebracht. Ich fürchte. Sie werden die Unbesonnenheit Ihres Sohnes noch schwer bereuen." „Seien Sie ohne Sorgen, Frau Herz, das werde ich nie." „Nun, um so besser, Sie wissen, üh gönne Ihnen alles mögliche Gute. So wie ich nach Hause komme, will ich mich erkundigen, ob wir keinen Posten für Ihren Sohn ftei haben. Wenn nur mein Mann hier wäre, der würde schon etwas für ihn ausfindig machen — aber weiß der Himmel, wann der heimkommt. Wissen Sie KM Lewison, daß ich zuweilen recht besorgt bm wegen meines Mannes." „Ist Herr Herz leidend?" „Leidend — wirklich leidend kann mau ihn eigentlich nicht nennen. Aber, er ist überhäuft, unser Geschäft dehnt sich mehr und mehr aus, es ist ihm schlechterdings nicht mchr Mglich den Sabbat zu halten und bei seiner nervösen Nrybarkeit wäre es ihm doch Bedürfnis; von Zeit $b Zeit einen

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