Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 58 (23.7.1885)
- Date
- 1885-07-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. M 58, Ein Kenlrat - Hrgan für das ortkodore Zudenthum. Hcrausgegeben von l>r. Lehman» in Mainz. Donnerstag, den SS. Juli 5645 (1885). Leitende Artikel. Aie Sprüche der Fäter. Mainz, 22. Juli. In der nunmehr folgenden Mischna müssen wir nach Rabbenu Menachem Asarja de Fano statt der gewöhnlichen Lesart “on 'yi wn die Lesart bbn tdim einfügen und hier bemerken, daß, nachdem der Ordner der Mischna den jüngsten Sproß des Hillel'schen Fürstenhauses, der zur Zeit des Abschlusses der Mischna dieScmichah erhielt, erwähnt hat, er zu dem altern Hillel zurückgekehrt, um von ihm aus die Reihenfolge der Tradition, die durch Hillels Schüler Rabbon Jochanan den Sackai vermittelt wurde, fortzusetzen. — Nach der Ansicht der meisten Erklärer ist unsere Lesart -on /vn wn die richtige, indem auch der vorhergehende Ausspruch von dem älteren Hillel herrührt. Auch sachlich schließt sich diese Mischna au die Schlußworte der vorhergehenden an. Diese lauten: „Sage nicht, wenn ich frei von Geschäften sein werde, will ich lernen; vielleicht wirst du niemals frei." Nach dieser goldenen, für das Studium so wichtigen Lehre zählt Hillel sechs verschiedene Menschenklaffen, von der niedrigsten bis zur höchsten, auf, die er sänmttlich charakterisirt. Wir wollen nun die Mischna hierherstellen und sie einer näheren Betrachtung unterziehen. /von ps*n ny ,NDn nt -ra pN -on '»n Nin jronDS rmon ho vb) pspn n^ ,iv^ \tron üb) :vtü nrnb D’iws pNV wp22i ,D*"no „Er pflegte zu sagen: Nicht kann der rohe Mensch die Sünde fürchten, nicht kann der Unwissende ein Frommer sein; nicht kann der Schämige lernen und nicht der Jähzornige lehren, nicht kann der, welcher viel Geschäfte betteibt, weise machen, und an dem Orte, an welchem keine Männer, bestrebe du dich, Mann zu sein." Nicht allein der Sinn der Mischna, sondern auch die darin gebrauchten Ausdrücke sind vielfach dunkel und daher nicht leicht verständlich. Da tritt uns schon gleich im Anfänge der Mischna das Wort na entgegen. In der Sprache der Bibel heißt es Grube, Eisterne; in der Sprache der Mischna bezeichnet es einen rohen, unwissende» Menschen, der weder weltliche Bildung noch Thorakenntniß sich erworben hat. Es hängt mit dem chaldäischen Worte tu „brachliegen" zusammen. Dm ab nonurn „damit das Erdreich nicht brachliege" übersetzt Onkelos rnn üb njhni (vergleiche auch ndd’03 otow Y3j?N n^i t3in dn, Baba Mezia 104 a. und viele andere Stellen). Es ist demnach das Bild von einem brachliegenden Felde hergenommen, das keine Früchte trägt. Es bezeichnet also das Wort tq die niedrigste Menschenklasse, Menschen, die in keiner Weise nützen, die weder lernen noch arbeiten. Solche Menschen fürchten nicht, ein Unrecht, eine Sünde zu begehen. Eine höhere Menschenklasse bezeichnet Hillel mit dem Ausdrucke Am Haarez, wörtlich: Landvolk. In der Sprache der Bibel heißt Am Haarez „Volk des Landes" pwi Dy d.ton msn. „Und Abraham bückte sich vor dem Volke des Landes (1. B. M. C. 23. V. 12)." In der Sprache der Mischna und des Talmuds bezeichnet „Am Haarez" einen Mann, der keine oder-doch nur geringe Kenntnisse in Bezug auf die Thora besitzt, der aber seinen Geschäften obliegt und so ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft ist. Er kann die Sünde wohl fürchten, kann sich scheuen, ein Unrecht zu thun; aber ein wahrhaft- Frommer, ein Ehaßid, kann er nicht sein, denn da ihm die genügenden Kenntnisse fehlen, so ist er stets in Gefahr über Nebensächliches das Wichtige zu versäumen. -