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Der Israelit · 1885-07-16 · Heft 56 (16.7.1885) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 56 (16.7.1885)
Date
1885-07-16
Page
– (sequence 18)
Language
German
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956 koschern) Mittagstisch erhalten. Die ärmeren Kinder werden auch mit Kleidern versorgt. Es mag hiebei erwähnt werden, daß 1884 int Ganzen ungefähr 85,000 — fünfunddreißigtansend Dinners und 1100 Kleidungsstücke zu Vcrthcilung gelangten. In der Näh schule erhalten Mädchen Unterricht in allen Zweigen weiblicher Handarbeit. Der Anhang der Anstalt, das technische Institut, ist zur Zeit von 42 Schülern besucht, die in einer Anzahl von Handwerken unterwiesen werden. Der Unterricht wird in 3 verschiedenen Lokalen ertheilt und zwar befinden sich 2 Lokale im untern Theile der Stadt, wo ein großer Theil weniger Bemittelter wohnt und 1 Lokal im obern Theile. In der Schule 1, wo meist böhmische und ungarische Kinder zu finden sind, nehmen ca. 1200, in der Schule 2, der meist polnische und russische Kinder angehören ca. 950 und in der oberen Schule 100 am Unterricht Theil. Wenn ich die Kinder in polnische, ungar. classisicire, so meine ich, das; die Eltern dorther kommen, die Kinder jedoch meist hier geboren sind. Zum Personal der Anstalt übergehend, ist zu bemerken, daß die Oberleitung in den Händen eines Superintendenten und zweier Oberlehrer steht, denen noch 22 Lehrer imd Lehrerinnen zur Seite stehen. Der Superintendent ist Herr Jsaac Noot, Vorbeter einer streng orthodoxen holländischen Gemeinde; Oberlehrer sind Herr Jacob Stern, Sohn des in weiteren Kreisen rühmlichst bekannten Herrn Schuldirectors Ludwig Stern in Würzbnrg, sowie Herr Lustig, Prediger einer orthodoxen polnischen Gemeinde; alle drei Männer von streng religiöser Gesinnung. Bei dieser Gelegenheit möchte ich bemerken, daß obwohl die Verwaltung (an deren Spitze Herr Advocat Jsaacs, Sohn des wohlbekannten verstorbenen Rever. Jsaacs, steht) und die finanziellen Unterstützergrößtcntheils Reformer sind, die Schule selbst in streng religiösem Sinn geleitet wird. Es ist dies uni so lobenswerther, weil man Gleiches bei verschiedenen arideren jüdischen Institutionen (die ich zu einer späteren Zeit einer Besprechung unterziehen werde) hier nicht sagen kann. Die strikt religiöse Haltung der Anstalt ist aber auch ein Grund der Prosperität, da eine Leitung im Reformsinne ja auch nicht so wirksam gegen die Gelüste der Missionäre austreteu könnte; zudem sind ja auch die Eltern der meisten Kinder orthodox, die ihre Kinder sicher nicht in Schulen senden würden, wo etwa Rever. Dr. Köhler den Genuß von Schweinefleisch verthcidigen würde. Der Eröffnung des Unterrichts gxht jeden Tag das Hersagen des ym bmtr voraus, während den Schluß ein englisches Gebet bildet. Die mit der Anstalt verbundene Jugendbibliothek zählt circa 2500 Bände, welche sich seitens der lieben Jugend einer regen Benutzung erfreuen. Um den Pflichten eines gewissenhaften Reporters nachznkommen, sei schließlich noch des Budgets der Anstalt Erwähnung gethan. Die Einnahmen betrugen im abgelaufenen Jahre: Doll. 25000. — (Fünfundzwanzigtansend Dollars), wovon Doll. 8500 von den 1157 Mitgliedern d. h. regelmäßig Zahlenden und Doll. 4400 als außerordentliche Geschenke einginaen;Doll. 12,000. — waren Caffanbertrag vom Vorjahre. Unter den Ausgaben, welche circa. Doll. 13000 betrugen, siguriren Doll. 9000. — für Salates Doll. 350. — Preise an Schüler u. s. w. Das Eigenthum der Anstalt besteht in 2 Schulhänsern, deren Ankaufspreis Doll. 20,000 betrug und aus einem Fonds von Doll. 13,000. Wie Eingangs meines Berichtes erwähnt, war der ursprüngliche Zweck der Anstalt die Ertheilung von Religionsunterricht. Wenn dieser Zweck auch heute noch in ungetheiltcr Weise besieht, so steht doch in den Kreisen der Verwaltung ein weitgehenderer Plan zur Besprechung. Mail trägt sich nämlich mit der Absicht die Kinder nach und nach ganz aus den öffentlichen Schulen zu ziehen und aus der Anstalt eine jüdische Volks- und NcligionSschule zu machen; gebe G., daß sich dieser Plan recht bald erfüllen möge. Ich wäre somit mit meiner Aufgabe, demwerthcn Leser die schöne Institution oer N.-I. HebrewFree- Schools ausführlich zu schildern, fertig und es erübrigt mir nur den Wunsch auszudrücken, daß die Anstalt immer mehr prosperire und gedeihe, und daß auch die großen Städte der alten Welt (wo ja schon manche derartige Institute bestehen) sich an New-Pork h i e r i n ein gutes Beispiel nehme möge». ZeitttUgöreachrkchLen und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin. Aus Anlaß seines 70. Geburtstagsfestes hat Herr Eommerzienrath V. M a nhei mer der hiesigen Armendirektion 10,000 Mark überwiesen, die an seinem Jnbeltage an hiesige würdige Hilfsbedürftige ohne Unterschied der Confessio» zur Vertheilung gelangen sollen. Wie verlautet, feiert Herr Manheimer mit diesem Gebnrtsfeste gleichzeitig das 50jährige Jubiläum als Einwohner Berlins. Dieses Toppclfcst gedenkt der Jubilar in Dresden, wo er gegenwärtig weilt, festlich zu begehen. Metz. An Stelle des verstorbenen Ober- Rabbiners Bigart ist Herr Jsaac Weill vonPhalsburg zum hiesigen Oberrabbiner ernannt worden.

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