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Der Israelit · 1885-07-16 · Heft 56 (16.7.1885) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 56 (16.7.1885)
Date
1885-07-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Ilvritr Seilagr zu Nr. 86 des Israelit. Leitender Atikel. Amerikanische Briefe. IV. □ New-Nork, 1. Juli. Die „Hebrew Free Schools" der Stadt New-Aork. Wenngleich das religiöse Leben im amerikanischen Judenthum Vieles zu wünschen übrig läßt, so muß doch anerkannt werden, daß der jüdische Gemeinsinn hier zu Lande G. l. immer noch im vollsten Maße zur Geltung kommt. Was in Amerika in Angriff genommen wird, das wird gleich richtig und in großartiger Weise durchgeführt: „entweder — oder" ist der Wahrspruch des Amerikaners. Um nun dem werthen Leser, und insbesondere, dem europäischen, ein Bild jüdischer Institutionen der Stadt New-Aork zu geben, werde ich im Lause meiner (Korrespondenzen eine Anzahl derselben einer ausführlichen Würdigung unterziehen. Möchte nur das gute Beispiel, das Amerika in dieser Beziehung bietet, auch anderwärts Nachahmung finden; die letzten Jahre haben ja recht deutlich klar gelegt, daß die Zusammengehörigkeit für die Erhaltung und das Gedeihen unsres Volkes eine Nothwendigkeit ist. Die Feinde Israels machen keinen Unterschied zwischen neologen und glaubenstreuen Inden; sie bekämpfen die Bekenner des Judenthums, ob solche sich ihre Sitten und Gebräuche aneignen oder nicht. Angesichts dieser Thatsache ist es doppelt geboten, die Fahne des Judenthums allenthalben hochzuhalten, und wenn auch im Innern desselben Meinungsverschiedenheiteil bestehe», in „Wohlthätigkeit", einem der Grundpfeiler Israels, sollte Alles Zusammenhalten. Was durch ein solches Zusammenhalten erzeugt werden kann, das beweist die Institution, welcher ich heute eine ausführliche Würdigung angedeihen lassen will; nämlich: Das Institut der Hebrew Free-Schools (jüdischen freien Schulen) derStadtRew-Zork. Die „Hebrew Free-Schools" der Stadt New- Jork bestehen seit ungefähr 20 Jahren und die Zwecke der Anstalt, welche die Gründung veranlaßt haben, bestehen noch heute in ungetheiltem Maße. Den Hauptzweck der Anstalt bildet in erster Reihe die unentgeltliche Ertheilung von Religionsunterricht an jüdische Kinder und dann die Ausbildung derselben zu einem Handwerk. Wie in vielen andern Staaten, wo ein großer Theil der jüdischen Bevölkerung mittellos istdie Missionäre am Besten unter dem Deckmantel der Hülfeleistung hauptsächlich die Jugend an sich zu ziehen suchen, so sind dieselben auch hier, wo durch die kolossalen Einwanderungen aus Rußland, Polen, Ungarn u. s. w. der ärmere Theil unsrer Glaubensgenossen stets Zuwachs erhält, in dieser Weise thätig. Allein, diese Anstalt bildet seit ihrer Gründung einen festen Wall gegen diese saubere Gesellschaft, und während der Erfolg der Hebr. Free-Schools jeden Tag wächst, werden die Bestrebungen der Missionsgesellschaft G. l. täglich erfolgloser. Rach der mir vorliegenden Statistik betrug die Zahl der Schüler und Schülerinnen der Anstalt Ende 1876 im Ganzen '>20, während bei Abschluß des ersten Halbjahres 1885 nicht weniger als 2250 die Wohlthat eines gute» jüdischen Unterrichts genießen. Spricht die Zunahme von 1780 Schülern in kaum 0 Jahren schon für sich, so ist es sicher doch auch interessant das System, das beim Unterricht obwaltet, näher kennen zu lernen. Die Anstalt zerfällt in drei Abtheilnngen: 1) die Religionsschulc, 2) der Kindergarten, 8) die Nähschule; die technische Schule, worin Knaben zum Handwerk augehalten werden, gehört zwar nicht direkt zur Hebr. Free-School, bildet jedoch einen Anhang dazu. Ferner besteht seit einigen Jahren auch eine sogenannte Abendschule, in welcher eingewanderte Glaubensgenossen llnterricht in der Landessprache, Rechnen u. s. w. unentgeltlich erhalten, eine Wohlthat, deren Werth nicht zu unterschätzen ist. Um ans die obenbezeichueten 3 Abtheilungen näher einzugehen, bemerke ich, daß m der Religionsschule Knaben und Mädchen in Klassen von je circa 50 Kindern 8 mal wöchentlich je 2 Stunden Unterricht erhalten und zwar in biblischer Geschichte, Religionslehre, Uebcrsetzcn des Gebetbuches und der 5 Bücher Moses und ^hebräische Grammatik. Es wird schon lange geplant, de» Kindern täglich Unterricht crthcileu zu lassen, allein Mangel an Raum und Fonds ließen bisher die Absicht nicht zur Verwirklichung komme». Der Kindergarten, der nach Fröbelfchem System geleitet wird, wird von ca. 150 Kindern besucht, die von 9 Uhr Morgens bis 2 Uhr Mittags im Lokal verweile» und daselbst auch (natürlich

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