Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 54 (9.7.1885)
- Date
- 1885-07-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449554--22506-2512130- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XXVI. Jahrgang. Zweite Sriiilge zu Ur. 34 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Kreuznach, im Juli. Unser Rabbiner, Herr Dr. Enoch, Sohn des verstorbenen Provinzialrabbiners Dr. En och in Fulda, hat es schon in der kurzen Zeit seiner hiesigen Wirksamkeit verstanden, den religiösen Sinn in der Gemeinde zu wecken. Während sonir in den Wochentagen unser Gotteshaus verschlossen blieb, findet nunmehr jeden Nachmittag und am Montag und Donnerstag auch in der Frühe Gottesdienst statt. Ich rufe unserem Rabbinen ein aufrichtiges ynai pin zu; bei dem reichen Feld segensreicher Thätigkeit, das unsere Gemeinde bietet, unterliegt es keinem Zweifel, daß ein beharrliches und ernstes Streben im Sinne unserer altehrwürdigen Religion von dem besten Erfolg gekrönt sein wird. Sturz. Jüngst starb hier Herr H. Werner im 73. Lebensjahre. Derselbe fungirte über 30 Jahre als Lehrer, tya, enw und )in. Als vielgesuchter t'.T.c vollzog er an mehr als 1000 Kindern die Veschncidung. Ueberdies war er ein großer Wohtthätcr der Armen, denen er immer mit Rath und That beistand. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Brünn. Der hiesige Rabbiner und Prediger Tr. I. B. Placzek wurde vom Kultusministerium zum Landesrabbiner von Diahren ernannt. Czrrnowitz, 4. Juli. Aus Horodenka theilt der Vürgermeister dem Baron Romaszkan mit, daß fünftausend Menschen obdachlos der versengenden Sonnenhitze ausgesetzt siild. Der Ausbruch einer Epidemie stehe zu befürchten; sämnltliche Nahrungsmittel sind verbrannt. Pefth, 1. Juli. In ungarischen Blättern liegt der folgende officiclle Bericht des Miskolczcr Staatsanwaltes über die Auffindung von Leichentheilen eines K indes nächst Sajo-Vamos vor: Am 30. Mai d. I. ist die ^jährige Juliaua Varga, Tochter des Bauers Joseph Varga in Sajo-Vamos, verschwunden. Vater und Mutter waren des Morgens auf das Feld zur Arbeit gegangen und hatten ihr genanntes Töchterchen mit noch zwei andern 4 dis 5 Jahre alten Kindern in der Wohnung allein zurückgelaffen. Zwischen 7 und 9 Uhr Morgens verlangte die kleine Juliaua hinaus und ist seitdem nicht wieder zurückgekehrt. Die Mutter kam gegen 10 Uhr Vormittags nach Hause, sie begann gleich das Kind nach allen Richtungen hin, bei allen Nachbarn und selbst bei den entferntesten Einwohnern des Dorfes zu suchen, doch Niemand wußte ihr Aufschluß zu geben, da sich die meisten Dorflente des Morgens auf dem Felde befunden haben. Die Eltern ließen das verlorene Kind austrommeln und machten auch beim Stuhlrichter-Amte behufs Enrrentirung die Anzeige, jedoch ohne jeden Erfolg. Am 9. Juni fanden einige Bauern auf der in der Nähe des Dorfes befindlichen Heuwiese zwischen den Heuschobern drei Stücke eines menschlichen Schädels, ein Bündel Haare und einige zerfetzte Kleidungsstücke. Die Eltern der verlorenen Juliana erkannten in den letzteren die Kleider ihres Kindes, die Schädelftncke wurden von dem Bezirksarzte als die eines zwei- bis dreijährigen Kindes constatirt, und es konnte als positiv angenommen werden, daß die gefundenen Leichenübcrrcste die der verschwundene» Juliana Varga seien. Die politische Behörde machte dann pflichtgemäß die Anzeige, worauf die Untersuchung an Ort und Stelle eingeleitet wurde. Nun kann es nicht geleugnet werden, daß mau sich im.Dorfe über das Verschwinden des Kindes Allerlei erzählte, unter Anderm auch, daß das Kind von dem in der Nähe des Ortes wohnenden Seunyeer jüdischen Wirthe geschlachtet worden sei, besonders seitdem der fünfjährige Knabe des Wirthcs einem vierzehnjährigen christlichen Burschen gesagt haben soll: „Mein Vater hat die Juliana geschlachtet, ihr Blut in einer Flasche aufbewahrt und den Körper auf die Wiese — getragen." Dies soll der fünfjährige Jndenknabe dem vierzehnjährigen Christenburschen noch vor der Auffindung der erwähnten Leichentheile gesagt haben, und dieser Letztere bleibt auch heute bei dieser Behauptung. Nichtsdestoweniger konnte ich mit der Untersuchung nicht in die Richtung des „rttuellen Mordes" cinlenken; solches darf nicht geglaubt werden, und mit einer Judenverfolgung wollte ich die Untersuchung auch nicht einleiten; ich hielt es also für meine Pflicht, an der Hand des vorhandenen Materials in erster Reihe zu erforschen, wie das Kind auf die Heuwiese gelangt und was aus den nicht aufgefundenen Theilen der Leiche geworden ist? Die