Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 54 (9.7.1885)
- Date
- 1885-07-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. M 54 Der Israelit. Ein Kentrak - Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegebeu von Rr. Lehmann ht Mainz. Donnerstag, den S. Juli 5645 <1885). Leitender Artikel. Die Sprüche der Hüter XXV. Äissingen, 7. Juli. „Traue dir nicht selbst bis zum Tage deines Todes." Unsre Weisen sagen im Traktat Sanhedrin (107 a.): Unter allen Umständen soll der Mensch^ verhüten, daß er in Versuchung gerathe. Datz^» der König von Israel, der Mann nach dem HM l Gottes, der Sänger der wundervollen PsalrnerrOü) Lobe und zum Preise des Allmächttgen, ist der Versuchung erlegen. Als David in der Vollkraft seines gottgeweihten Lebens stand, wurde der Wunsch in ihm laut, daß der Name Gottes vereint geuauut werden möge mit seinem Namen, daß man sagen möge: „der Gott Davids," wie man sagt: „der Gott Abrahams, Jizchaks und Jakobs." Und Gott sprach: Jene habe Ich in Versuchung geführt, und sie haben die Versuchung überwunden. Da betete David: Herr der Welt, prüfe auch mich und führe mich in Versuchung! wie es heißt: 'i ’jjrn •»31. „Prüfe mich, o Herr, und ffchre mich m Versuchung" (Psalm 26. V. 2.). Und es geschah also. Aber David vermochte nicht, die Prüfung zu bestehen und hat dadurch unsägliches Leid über sich gebracht. Nach dem ttaurigen Vorkommnisse mit Bath Seba verbrachte er alle seine Tage Md Nächte in Reue und Buße. Und wenn ihm Gott auch verzieh, so blieb doch die Sttafe nicht aus. Viel Trauriges mußte er erleben : Die Entartmrg seines Sohnes Amnon, den Brudermord mrd nachher gar die Empörung und den schmählichen Tod seines Sohnes Äbsalom, wie es Gott ihm durch Seinen Propheten Nathan hatte vorher sagen lassen. Wenn David, der gottbegeisterte Sauger, der edle Held, der Mann nach dem Herzen Gottes, die Versuchung nicht zu überwinden vermochte, wie sollen wir geringen und unbedeutenden Menschen in der Prüfung bestehen? Vertraue deßhalb niemals auf deine Frömmigkeit und auf deinen festen Charakter; bestrebe dich vielmehr, dahin zu wirken, daß du nicht iu Versuchung gerathst. Meide jede Gelegenheit, jeden Umgang, die dich in deinen Grundsätzen wankend machen können! Wir wollen ein unseres Wissens bisher noch '.unbekanntes Beispiel anführen, wie sorgfältig ein ^bewährter Gottcsmann bemüht war, der Versuchung 'und Verführung aus dem Wege zu gehen. Eine der herrlichsten Gestalten unsrer heiligen Geschichte ist der Prophet Elijahu. Unerschrocken ttat er vor den König Achab und verkündete ihm, daß Gott den götzendienerischen König strafen und dein Lande den Regen entziehen werde. Achab bedrohte den Propheten mit dem Tode und schickte aus, ihn zu suchen; er schickte Boten in die Nähe und in die Ferne; sie konnten ihn aber nicht finden. Da, im dritten Jahre, nachdem das Land furchtbar durch Hungersnoth gelitten hatte, trat er vor den König, der ihm deu Tod geschworen, und befahl ihm, ganz Israel und die nach Hunderte» zählenden Baalspriester nach dem Berge Karmel zu entbieten. Auch dort ttat er ohne Furcht all den Götzendienern entgegen, und als der allmächtige Gott sich vor den Augen von ganz Israel im Feuer offenbart hatte, ließ Eljahu die Baalspriester vor de» Augen ihres Beschützers ergreifen und tödten. — Nachdem Achab sich mit dem unschuldig vergossenen Blute seines Vetters Naboth und dessen Söhne befleckt hatte, trat Elijahu unerschrocken vor den König und verkündete ihm das Sttafgerkcht Gottes. — Als der Sohu des Achab, Achasja, einen Obersten mit 50 Manu ausschickte, um Elijahu zu ergreifen, da entfloh der Prophet nicht, sondern