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Der Israelit · 1885-07-06 · Heft 53 (6.7.1885) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 53 (6.7.1885)
Date
1885-07-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Ferrilletorr. Aekicateffe«. SS Unter dieser Spitzmarkc brachte eine der jüngsten Nummern des „Israelit" eine Unterhaltung. Gestatten Sie nur, Herr Rcdacteur, eine dieses Gebiet berührende, lustige Unterhaltung, die ich mitzugehört,' hier wiederzugeben. Im Hause des Herrn S. waren mehrere junge Damen, Freundinnen von Frl. S., anwesend. Da trat Herr S., ein munterer Fünfziger, ein und rief: „Meine Damen, darf ich Ihnen anfwarten! Ich habe das Neueste aus dem Gebiete der Gourmandise soeben ganz frisch aus meinem Garten mitgebracht!" Herr S. zeigte den neugierigen jungen Damen ein großes, zusammcngerolltes, grünes Blatt, das er behutsam in der Hand hatte, als wäre etwas sehr Kostbares oder Zerbrechliches darin. „Ach, Sie wollen uns necken oder neugierig machen!" rief eine der jungen Damen. „Ich sehe ja, was Sie Merkwürdiges in der Hand haben, ein frisches Kohlblatt; und das soll wohl^die Dclicatesse sein? " „Ein Kohlblatt! ja, aber Pagen Sie auf, meine Damen, welch' kostbaren Inhalt cs birgt!" Auch die nicht neugierig sein wollende junge Dame rief nun: „Lasten Sie doch mal sehen, Sic machen uns ja mit Gewalt neugierig!". „ Eine Raupe! brrr!" riefen die jungen Damen wie aus einem Munde erschreckt aus und wichen zurück, ass Herr S. das Blatt anfgewickclt und eine grüne Raupe zum Vorschein kam. „Ja, eine Raupe, aber wie ich schon gesagt, der neueste und feinste Leckerbissen." „Bei den Hottentotten vielleicht!" rief ein Backfisch dazwischen, „die essen auch Heuschrecken und dergleichen Gethier!" „ Dn kleine' Schulweisheit!" drohte ihr der joviale HerrS. „Nein! diesmal W Du schlecht unterrichtet." „Die Raupe" docirte Herr S. mit derernstesten Miene von der Welt, „wird bei vielen Voltern, auch modernen, als eine sehr schmackhafte Speise gegessen. Man verzehrt sie thrils in rohem Zustande, theils in eingemachtem, bald wird sie gekocht, bald auch gebacken gegessen." Ungläubig lächelten die jungen Danken. „Sie glauben mir das nicht? Nun, Sie wissen doch, daß man in Italien Schnecken ißt; Austern werden überall als Dclicatesse betrachtet. Warum sollte man nicht auch grüne, röche, gelbe und weiße Raupen als Leckerbissen betrachten!" „Gehen Sie doch!" riefe« die jungen Damen, bte merkten, daß hinter dem Ernste des Herrn S. sich der Schalk verbarg, „wir Me haben noch nie etwas davon gelesen, gehört oder gesehen. Es scheint» Sie haben in Ihrem Gartenpavillon ein Mittagsschläfchen gemacht und geträumt, erzählen uns nun Ihren Traum und machen sich lustig über uns, ob wir Ihren Traum als Wirklichkeit hinnehmen." „Geträumt, meinen Sie, habe ich es nur, und ich wollte mir mit so klugen jungen Damen einen solch dummen Scherz erlauben? Wo denken Sie hin! Im Gegentheil, es ist mein voller Ernst. Ich verdanke mein Wissen, ich will es Ihnen nur vcrrathen, einer feinen jungen Dame, die Sie wahrscheinlich ganz gut kennen. Erwähnte junge Dame hat mich, der ich auch keine Ahnung davon hatte, fest überzeugt, indem sie in meiner Gegenwart mit vollem Behagen vielleicht ein Dutzend kleiner Würmer verschluckte." „Gräßlich!" riefen die jungen Damen, „erzählen Sie uns doch, wo das war und wie die Dame hieß!" „Heute morgen," so erzählte Herr S. Wetter, „ging ich am Marktplätze vorüber und traf das Fräulein N.: dasselbe hatte sich soeben auf dem Markte eine Parthie — Würmer gekauft und aß davon, bot auch nur welche an. Freilich waren die Wünner schön garnirt, lagen in einer rothen Sauce und von zartem Fleische umgeben. Ich dankte Frl. N. und sagte: „Was, Sie essen diese Dinger so ohne Weiteres und mit solchem Appetit?" „Warumnicht!" war die Antwort, „ich esse sie ja mit dem Fleisch und der Sauce dazu. Es schmeckt ganz gut". „ Ach ", rief das Backfischchen dazwischen, „jetzt weiß ich, was Sie meinen, Kirschen!" Und alle lachten, daß Herr S. so sehr übertrieben und sie so in Spannung versetzt. „Nun HerrS." rief eine der Damen, „ich mache auch keine Kirschen auf, um nach Wünner» zu suchen..." „ Also Sie auch meine Damen? Nun gut, so werde ich mir erlauben, Ihnen heute noch als neueste Dclicatesse eine Sammlung der schönsten und zartesten Würmer und Raupen zu schicken und wünsche: guten Appetit!" — mm Freitag, 10. Juli, 27. Thamus. Samstag, 11. Juli, 28. Thamus. n"roo 1ZDV1 »JJEQl WDO Sabbat-Ausgang 9 Uhr 5 Min. (Mainzer Uhr.) Montag, 13. Juli, 1. Ab |[ru VdN

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