Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 53 (6.7.1885)
- Date
- 1885-07-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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885 denen er als Wächter unserer alten, unveränderlichen ruiDN seine volle Kraft entgegensetzte, auf ihn ausschütteten. Er war einer von den Wenigen, die den Namen mrr in des Wortes wahrer Bedeutung tragen dursten, und nun er von uns geschieden, trauert nicht nur fein großer Verwandtenkreis, dessen Mittelpunkt er gewesen, um ihn, es trauern auch tief seine wenigen hiesigen Gesinnungsgenossen; und selbst diejenigen, welche in religiöser Beziehung nicht mit ihm gingen, werden seinem wahrhaft braven Charakter und redlichen Willen ein ehrenvolles Andenken widmen. Oe st er r. -Ungar. Monarchie. Pefth. Unser Vaterland ordnete eine Landes- Ausstelluug au, die Juden beeilten sich in erster Reihe als gute Bürger Zeugniß für den Fleiß und die StrebsamkcitdesLandes abzulegen und stellten 60°/o Ausstelluugsobjecte zu derselben. Da bewarb sich ein Jude um eine Restauration für seine frömmeren Glaubensgenossen, wie bei der Wiener Weltausstellung solcher zwei bestanden ... er wurde schnöde abgewiesen, damit das christliche Prinzip des Staates, nicht profanisirt werde! . . . Welcher Dank! . . . Während die Arrangeure zumeist dem Undank vieler Juden ihre Wahl in's Parlament verdanken .... wurden zum Danke unter den vielen Angestellten auf dem Ausstellungsplatze am Wenigsten die Juden berücksichtigt, ja ein hochgestellter Stadtbeamter rief geradezu einem Bewerber zu: Als Jude haben Sie hier nichts zu suchen! (Ung. Jsr.) Pesth, 2. Juli. Der Erlaß des Kultusministers an die Munizipien betreffs Bildung von Geburtsmatrikel-Bezirken für die israelitische Bevölkerung erregt große Aufregung in orthodox-jüdischen Kreisen, weil er die jüdische Gemeinde - Autonomie verletze. Pesth. Der ungarische Vice-Notär Bari, welcher durch die bekannte Führung der Untersuchung im Tisza-Eszlarer-Blutbeschuldigungs-Prozesse zu einer traurigen Berühmtheit gelangte, wurde zum Notär ernannt. So ehrt Justizminister Pauler seine Werkzeuge. Rußland. Petersburg, 16. Juni. Neuerdings ist ein Erlaß des Unterrichtsministers veröffentlicht worden, wonach au den höchsten Unterrichts-Anstalten freier Unterricht und Regierungs-Stipendien fortan nur an Studirende christlicher Religion gewährt werden. Petersburg, 3. Juli. Am 14. Juni hat in Wolkowysk eine Judenhetze stattgefundeu', hervorgerufen durch einen geringfügigen Streit zwischen jüdischen Kindern und betrunkenen Arbeitern. Glücklicher Weise konnte die Menge beruhigt werden, ehe sie größeren Schaden verursachte. Werirrt. Erzählung von S. Behrend. VI. In einem Theile der Stadt, der zum Kaufmannsviertel gerechnet wurde, wohnte der Comptoirbote Müller; es war Sonntag und Müller war im Hause anwesend. Derselbe war ein Mann von mittlerer Größe und mit einem ziemlich hohen Rücken. Sein Gesicht war bartlos und ließ seinen Mund in Folge dessen in seiner ganzen Größe erscheinen^ dieser Mund war stets bereit zu lächeln, und so häßlich dieses Lächeln war, so hatte es doch zu den Erfolgen beigetragen, die Herr Müller im Leben erzielt hatte. Freilich kamen dabei seine Verbeugungen, sein Augenaufschlagen und Händereiben in Betracht, auch das, daß Herr Müller niemals eine Kirche versäumte und seine Töchter strenge von ihm angehalten wurden, Strümpfe für die armen Heidenkinder in Afrika zu stricken. Herr Müller war viele Jahre Comptoir-Bote in dem Bankhause, in welchem Moritz Stellung hatte; er genoß das vollkommenste Vertrauen seiner Prinzkpäle und der Angestellten des Geschäftes. Er war 25 Jahre in seinem Amte, und das Bewußtsein auf eine so lange Zeit zurückblicken zu können, erfüllte ihn mit Stolz und gaben seinem Wesen eine Art Arroganz, wie man sie eben bei Bediente» und Dienstmädchen, die die meiste Zeit ihres Lebeus in einer Stellung zugebracht haben, findet. Dabei fehlte Herrn Müller jedoch die Treue gegen die Herrschaften, die man unter solchen Umständen findet, und wenn Herr Müller an Manches zurückgedacht