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Der Israelit · 1885-06-29 · Heft 51 (29.6.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 51 (29.6.1885)
Date
1885-06-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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849 Unvergessene und Unvergeßliche. Sein Leben, seine Thaten sind unsere Devise: „Freiheit für« Alle!" Und da wir wissen, daß die Antisemiten dem Inden den gelben Lappen wieder auf den Aermel heften wollen, den Kaiser Joseph beseitigt, deßhalb heißt unsere Parole: „Fischer, nicht Wittmaun!" Während dieser Rede hatte sich die Versammlung zu einer sehr erregten gestaltet. In km verhältnißmäßig engen, überfüllten Raume mischten sich dieBeifallsäußcrungen und Gegen-Demonstrationen stellenweise zu wahrem Tumulte. Wähler Granadia fordert die Entfernung von überlauten Nichtwählern. Jnvectiven fliegen hinüber und herüber. In den Lärm, kräftig accompagnirt von seinen Anhängern, schreit Wittmann seine Entgegnung hinein und citirt eine Stelle aus dem josephinischen Tolcranz-Edicte, wonach die Emancivarion der Inden nach des Kaisers Intentionen vornehmlich den Zweck gehabt hat, die Inden zur Arbeit, zu Ackerbau und (bewerbe anznhalten. Regierungsrath Legard spricht die Ansicht ans, daß es keines neuen Kandidaten inehr bedürfe, nachdem in der Vertranensmänner-Versammluug vom 12. Juni Fischer aufgestellt sei. Nach einem Schlußworte Wittmann's schließt Bürgermeister Kurz die Versammlung nach Inständiger Dauer, ohne daß eine Kundgebung für den Kandidaten der Judenfresser- Partei erfolgt wäre. Werirrt. Crzahiuug vsn S. Behrend. IV. Unruhig ging er im Zimmer umher. „Ueberwinden!" flüsterte er ein über das andere Mal. „Und wird es denn möglich feinV „Dr. Scharf kann betrügen, Marie's Mutter kann betrüge», aber Maries Niemals. „Und wenn ich von der Leidenschaft so verblendet wäre, daß ich den Trug nicht merkte!" Sein Kopf glühte. „Glücklich alle Diejenigen, die Gott vor einer solchen Versuchung bewahrt," sagte er, „ich Unglücklicher, wie soll ich mir Gewißheit verschaffen! „Doch einerlei, wie es auch sein mag, ich werde den Glauben meiner Väter nicht verlassen, ich will überwinden! „Gott, Gott, gib mir Kraft! Zeige Du mir einen Weg, damit ich meinen Entschluß vollführen kann." Die Wirthin trat herein und meldete, daß eine Dame ihn zu sprechen wünsche. Moritz bat die Wirthin, die Dame herein kommen zu lassen; er war befremdet, aber dieses Gefühl stieg zum höchsten Erstaunen, als er Marie in's Zimmer treten sah. „Marie," rief er entzückt und vorwurfsvoll zugleich. „Verzeihen Sie," sagte sie, „daß ich Sie hier in Ihrer Wohnung störe; ich kam hierher, um Sie durch die Wirthin bitten zu lassen, über Mittag zu Hause zu bleiben und fand Sie anwesend." „Marie! was ist Ihnen," sagte Moritz, betroffen durch den Ton, in dem das junge Mädchen sprach; sie ließ den Kopf auf die Brust sinken und sagte mit zitternder Stimme: „Ich komme, Sie zu warnen vor Dr. Scharf und — vor mir!" „Marie!" „Vor Dr. Scharf und mir," wiederholte das junge Mädchen in finsterm Ton. „Erinnern Sie sich jenes Abends," fuhr sie fort, indem sie Moritz ihre Hand entzog, die er plötzlich ergriffen hatte, „jenes Abends, an dem Dr. Scharf' im Theater Ihre Bekanntschaft machte." „Sie spielten die Maria Stuart!" „An jenem Abende war in der Seele dieses Mannes beschlossen worden, Sie dem Ehristenlhnm zuzuführen." „Allmächtiger Gott!" rief Moritz aufspringend, „also doch wahr, hat meine Ahnung mich doch nicht betrogen!" „Das ist noch nicht Alles, mein Freund," sagte das junge Mädchen, „ich war dazu ausersehen, Sie zum Eouvertiteu zu machen," und ein spöttischer, bitterer Zug lagerte sich bei' diesen Worten um ihre Lippen. „Ich warne Sie vor uns, kehren Sie nie zu uns zurück, und glauben Sie nicht, mich jemals besitzen zu können. Als Sie mir den Antrag machten, mich zu heirathen, habe ich Sie um Zeit gebeten, meinen Entschluß zu prüfen, Sie haben jetzt die Antwort. Nicht Abueigung ist es, welche mich so bestimmen läßt, warum sollte ich es leugnen, sondern der Gedanke an mein bisheriges Leben. Ich habe Niemandem mehr gewährt, als ein Lächeln und einen Händedruck, und dies genügte, leine Anzahl Ihrer Glaubensgenossen au den Bettelstab zu bringen, um sie dadurch, indem die Missionäre ihnen aufhalfen, in

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