Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 51 (29.6.1885)
- Date
- 1885-06-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 51. XXVI. Jahrgang. E i n Gentrat - Hrgan für das orfßobose Iudenttinm. Heransgcgebcn vor«. I)r. Lehmann in Mainz. tontag, den SS. Juni 5«45 (1885). IltrT^ Da mit beut 1. Juli 1885 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten ILUHvrf' . „ Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. 3m Anfänge des nächsten (Quartals werden wir unseren geehrten Lesern eine wundervolle Holzschnitt-Ueprodurlion und zwar das Ailü des berühmten Danziger Malers Kiryowslty: ..Eine iübisrhe Mochzeit in Gnlizien" vorführeu. Aas Mb umfaßt einen Aanm von 872 Om. und wird, eingerahmt, einen prachtvollen Zimmcrfchmuck bilden. Air Aedartion des ..Israelit". Leitende Artikel. Me Sprüche der Water, xxn. K iss in gen, 29. Juni. „Sage dich nicht los von der Gemeinde!" Das größte und erhabenste Beispiel der Zugehörigkeit zu der Gemeinde Israels hat uns unser großer Lehrer Moscheh gegeben. Die Gemeinde, die er auf Gottes Geheiß geführt hatte aus dem Lande der Knechtschaft, der durch ihn die Freiheit geworden, die er gebracht hatte an den Berg Sinai, au den Berg der Offenbarung, die ans des Allmächtigen Mund die großen Worte vernommen: „Ich bin der Ewige, Dein Gott — es sollen dir nicht sein andere Götter vor Meinem Angesichte!" — diese Gemeinde war am Fuße des Berges der Offenbarung in Götzendienst verfallen, hatte sich ein goldenes Kalb gemacht, es umtanzt und gerufen: „dies sind deine Götter, Israel!" tlnd Gottes Zorn war entbrannt über das sündige Geschlecht, das so schnell abgewichcn von dem Wege, den Gott ihm vorgezcichnet hatte. Und Gott sprach zu Moscheh: „Laß ab, zu mir zu flehen, auf daß mein Zorn über sie entbrenne, und ich sie vernichte; dich aber will ich machen zu einem großen Volke!" Moscheh aber will sich nicht lossagen von der sündigen Gemeinde: er fleht zu Gott: „Ach, gesündigt hat dieses Volk eine große Sünde, sie haben sich gemacht einen Götzen von Gold; nun aber, verzeihe doch ihre Sünde; wenn aber nicht, so lösche auch mich aus deinem Buche, das du geschrieben." (2. B. M., C. 82, V. 82). Der große Führer seines Volkes will keine Gnade für sich allein; er will sie nur gemeinsam mit der Gemeinde, von der er sich nicht lossagt, die zu retten er freudig und gern sein Leben einsetzt. Und Gott erhört das Gebet des treuen Hirte» und verzeiht dem verirrten Volke. „Sondere dich nicht ab von der Gemeinde!" Von wie schlimmen Folgen es für den ist, der sich von den Seinen absondert, nicht an ihrem Geschicke werklhätigen Antheil nimmt, sondern sich den Leiden der Gemeinde zu entziehen sucht, davon erzählt uns die heilige Schrift ein abschreckendes Beispiel. Es wohnte ein Mann in Bethlehem, ein vornehmer, reicher Mann aus vöruehmem Geschlechte, ein Enkel des Stammesfürsten Nachschon ben Aminadab. Der Mann hieß Elimelech. Er war fromm und gottesfürchtig, hatte ein biederes, edles Weib, Naömi, und zwei hoffnungsvolle Söhne. Da kam Hungersnoth ins Land, und Elimelech furchtet, von seinen armen, hungrigen Landsleuten zu viel belästigt zu werden. Um seine Schätze zu erhalten, wanderte er mit den Seinen ins Ausland. Doch hier erreichte ihn die strafende Hand Gottes; er starb, und seine Sohne nahmen sich moabitische Frauen. Aber nach zehn Jahren starben auch sic. Arm und verlassen kehrte Naömi, nur von ihrer Schwiegertochter 'Ruth begleitet, in die Heimath zurück. Und als sie nach Bethlehem kamen, da umringten sie staunend und bedauernd die Bewohner der Stadt und fragten: „Ist das Naömi?" Und sie sprach: „Nennt mich nicht Naörni (Lieblichkeit), nennt mich