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Der Israelit · 1885-06-22 · Heft 49 (22.6.1885) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 49 (22.6.1885)
Date
1885-06-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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822 Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. » Deutschland. Berlin. Dem Bericht über das Rcichcnheimschc Waisenhaus der jüdischen Gemeinde pro 1884 entnehmen mir folgende Angaben. Die Einnahmen beliefen sich auf 51,000 Mark, gebildet aus 25,600 Mark Zinsen ans Stiftungsfonds und 23,400 Mark au? Zuschüssen der Gemeinde, die Ausgaben auf 48,000 Mark. Verpflegt wurden 75 Kinder: 30 Mädchen und 45 Knaben. Ter Kostenbetrag für den Kopf belief sich auf 640 Mark, die Beköstigung für die Person auf 171 Mark jährlich oder 47 Pfg. täglich. Zn den bereits bestehenden wohlthätigen Stiftungen: einem Sparkasseufond der einzelnen Waisen, einer Nntcrstützungskasse zum Unterhalt und zur weiteren Ausbildung entlassener Zöglinge, einer Kasse zur Unterbringung schwächlicher Kinder in Ferienkolonien u. A. sind im Laufe des verflossenen Jahres zwei neue hinzugckommcn, eine E d u a r d L as k e r -S t i ftu n g, begründet von einem Bruder des Heimgegangenen, deren Zinsen am Sterbetage von Eduard Laster einem strebsamen Knaben des Waisenhauses znfließen sollen und ferner eine Aussteuer-Stiftung für weibliche Zöglinge, gegründet vom Geh. Sanitätsrath Dr. Hei nrich Oestreich „in der Hoffnung, daß das winzige Samenkörnchen unter der liebevollen Pflege edler, hochherziger Menschen sich zu einer segcnbringendcn Frucht entwickeln werde". Der Vorsitzende des Kuratoriums ist der Geh. Kommerzienrath W. Herz, Direktor der Anstalt Dr. Jutrosinski. England. London, 15. Juni. Vergangenen Sonntag hatte ich die Freude, an einer viD-Feier, die anläßlich des beendigten Studiums des Traktats «a ntq im hiesigen Beth Hamidrasch veranstaltet worden war, theilzunehmcn. Revd. Mr. Spiers, der als Vortragender Dajan jene Talmud- und Bibel- Studien mehrmals wöchentlich leitet, hielt au das recht zahlreich versammelte Auditorium, das durch die Gegenwart der Herren Dr. Hermann Adler, Dr. Friedländer, Dr. Ascher, Dr. Neubauer, Bibliothekar an der Universität zu Oxford, und anderer Persönlichkeiten geschmückt war, eine äußerst .gediegene Ansprache und beleuchtete mit einem den gelehrten und begabten Kenner verrathenden Scharfsinn die m N-ira N32 enthaltene Jurisprudenz in kurzem Resumtz. Redner legte schließlich den Anwesenden das Studium des heiligen Gesetzes und Talmuds warm ans Herz. An diesen geistigen Genuß schloß sich eine kleine körperliche Erfrischung, wobei Herr Dr. Herm. Adler, über das Resultat der Talmud - Thora - Studien seine höchste Satisfaktion ansdrückend, dem Revd. Spiers, Namens der Gcineindc und Versammelten, seinen tiefgefühlten Dank anssprach. Dem Toaste, daß der allgemein beliebte Dajan noch viele Jahre mit unermüdlichem Eifer, wie bisher, sein Gotteswerk fortsetzen möge, ließ Herr Dr. Adler einen auf Herrn Dr. Neubauer folgen, der sich um das hiesige Beth Hamidrasch durch die Abfassung des Eatalogs für seine Bibliothek verdient gemacht. Hiermit endigte die erhebende Feier. Es mag hier noch Erwähnung finden, daß bei der ueulichen Jnstallirung des Herrn Eppstein aus Haag als Ehasan der hiesigen New - Synagogue, Revd. Spiers dem laut gewordenen Wunsche, eine deutsche Ansprache zu halten, in vollem und recht befriedigendem Maße gerecht wurde und gab er uns Deutschen so Gelegenheit, seine Rednergabe in unserer Muttersprache zu bewundern. Revd. Spiers hält sich momentan in Frankfurt a. M. zu dreiwöchentlicher Erholung auf. Möge er recht gestärkt seine Funktionen wieder aufnehmcn. R u ß l a n d. Petersburg, 15. Juni. Aus R a d o m Y s l vom 8. Juni meldet die „Nowoje Wrcmja" eine neue Judenverfolgung. Veranlassung zu derselben soll ein jüdischer Schlächter gegeben haben, der eine bei ihm kaufende Christin so schlug, daß sie drei Stunden darauf starb. Die Arbeiter der großen Tuchfabrik in Ehablom griffen in Folge dessen die Juden mit Steinwürfen an. Dem sofortigen Eingreifen der Behörden gelang es, den Tumult bald zu unterdrücken. Die Rädelsführer wurden gefänglich eingezogen. Ausführliche Nachrichten sind abzuwarten. Griechenland. Athen. Von allen jüdischen Gemeinden in Osteuropa ist das Loos der Juden in Griechenland unstreitig das beste. Keinerlei Unterschied zwischen den Eonfessionen wird vom König, von der Regierung und dem Volke gemacht, und da, wo die Juden die nöthigen Fähigkeiten haben, werden sie zu Staatsämtern zugelagen. Die Rcgier""g unterstützt die von Israeliten errichteten Schulen und zeigt bei jeder Gelegenheit ihr Wohlwollen gegen die jüdische Bevölkerung.

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