Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 48 (18.6.1885)
- Date
- 1885-06-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449548--22372-2511990- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXYL Jahrgang. Zweite Beilage zu Ar. 48 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 8. Juni. Tie „Berliner Gesellschaft zur Beförderung des Ehristcnthnms unter den Juden," veranstaltete am letzten Donnerstag ihre kirchliche Jahresfeier. Aus dem Berichte, welchen der erste Prediger der Juden Mission, Taab, abstattete, entnehmen wir folgende interessanten Angaben. Herr Taab beklagte es als eine bekannte Thatsache, daß für keinen Zweig der inneren und äußeren Mission so wenig Herz und Sinn vorhanden sei, wie für die Judenmisüon. Die Bewegungen der Zeit (!) seien der Jndcnmission nicht günstig gewesen; wurde die Mission früher als ein christliches Liebeswerk angesehen, so heute infolge dieser Bewegungen als ein Werk des Haffes und des Fanatismus. (So tragisch faßt kein Mensch die Sache auf! Eorr.) Um das Interesse an der Judcnmission zu fördern, gibt Prof. Tr. Strack das zweimonatlich in Octavformat erscheinende Missionsblatt „Nathanael" heraus.*) Im Laufe des Jahres wurden 61 Missionspredigten gehalten, an Kollektengeldern sind leider nur 600 Mark cingegangen. Mehrere tausend Schriften, 3500. Traktate und 1469 N. T. sind vertheilt, und etwa 6000 Besuche sind bei Inden gemacht worden. Die dabei gemachten Erfahrungen waren verschiedener Art. Viele wiesen die Annäherung unter Hinweis auf die gegenwärtige Bewegung ohne weiteres gab, andere zerrissen die Traktätlein vor den Augen der Missionäre und traten sie mit Füßen. Viele „wandernde Inden" aus dem Auslände fragten, ob sie für den Uebertritt Geld erhielten, und, als man cs verneinte, zogen sie u n getauf t w ie der ab!! Und der Erfolg des kolossalen Apparates? Und der Erfolg des „Nathanael", der 61 Missionspredigten, der vielen tausend Schriften, der 3500 Traktate, der 1469 N. T. und der 6000 *) Das Missionsblatt „Nathanael" bringt wissenschaftliche Aufsätze, „fromme Betrachtungen" und unter der Rubrik „Stimmen aus der jüd. Presse" alle nur möglichen auf das Ehcisienthum u. dcrgl. bezügliche Zitate aus sämmtlichen jüdischen Blättern Deutschlands. Auch eine lange Polemik zwischen dem „Israelit" und einem anderen jüd. Blatte finden wir wörtlich cilirr. Es kann uns nur angenehm sein, unsre Ansichten, die die sich vor 'Niemand zu verbergen haben, durch Prof. Strack einem christlichen Publikum unterbreitet zu sehen. C o r r e s p. Besuche? Zwei weibliche Katechumeu sind in diesem Jahre getauft worden. Herr Daab fügt leider lricht hinzu, welchem Stande die beiden Jüdinnen angehortcn, und aus welchen Beweggründen sic übcrtrareu. Nur „in Liebe" solle man sich den Juden nahen. Auch Hofpredigcr Stöcker sei ein warmer Freund der Juden!! Wie lieb auch das Königliche Haus die Juden habe, sei aus der Thatsachc ersichtlich, daß der Missiousvercin von demselben seit dem Jahre 1822 eine jährliche Zuwendung von 900 Mark erhalten. Dem erlauchten Fürstenhause solle mau nachstreben, denn die finanziellen Verhältnisse sind leider nicht günstig — und doch wäre cs so dringend uöthig! Dies in Kürze der Bericht der Jndcnmission. Wenn die „Berliner Gesellschaft zur Beförderung des Ehrisienhums unter den Juden"'mit ihren diesjährigen Erfolgen und Resultaten zufrieden ist, so soll cs uns herzlich erfreuen; wir als Juden haben alle llrsache, mit ihnen recht zufrieden zu sein. — Aus Weftphalcn. Dem uns vorliegenden Bericht über die Eoufcrenz des „Vereins isr, Elementarlchrer für Westfalen und R Heinprovinz" in Herford entnehmen wir: Der langjährige Vorsitzende Blumcnau-Bielefcld berichtet, daß in neuerer Zeit von den Behörden dem jüdischen Religions-Unterrichte eine erhöhte Aufmerksamkeit und Fürsorge zugewendet werde und erwähnt in dieser Beziehung die bekannte Verfügung der Königsberger Negierung, sowie den jüngsten Ministerialerlaß, der die Aufnahme des Lehrplans für den jüdischen Religions-Unterricht in die Jahresberichte der höheren Lehranstalten anordnet. Von anderer Seite wurde hier die Mittheklung eingefügt, daß eine umfassende Enquete über die Betheiligung am jüdischen Religions-Unterrichte überhaupt eben jetzt in's Werk gesetzt werde. Des Weiteren theilt der Vorsitzende mit, daß in Berlin unter dem Vorsitze des Redakteurs Klausnitzer ein Rechtsschutzverein für Lehrer begründet sei. Jeder Lehrer, der seit mindestens einem Jahre Mitglied eines Krcis-Lehrer- Vereins ist, kann kostenlos den Rechtsschutz dieses Vereins in Confliktsfällen beanspruchen. Ein wahrer Unstern waltete diesmal bezüglich der angemeldeten Referate, indem die Referenten durch Krankheitsfälle in ihren Familien am Erscheinen verhindert waren. Der Bericht über die Kaffenverhältnisfe des