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Der Israelit · 1885-06-11 · Heft 46 (11.6.1885) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 46 (11.6.1885)
Date
1885-06-11
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Zweite Beilage;« Nr. 48 des Israelit. ZeitungsnachzicHten uud Correfpondenzen. O e st er r. - Ungar. Monarchie. Wien, 1. Juni. Ueber die heutigen antisemitischen Exceffe in der Leopoldstadt bringt die „W. A. Ztg." folgenden interessanten Bericht: Hier finden Wahlschlachten statt, in denen leider auch Vl nt fließt. Die Antisemiten leisten hier das Denkbarste an Rohheit und Brutalität. Sie haben nach Hunderten vor den Wahllokalen Aufstellung genommen und schlagen jeden „Sucßianer", der zur Wühl schreiten will, blutig nieder. Sie begleiten jeden Hieb, den sie ihren Gegnern versetzen, mit einem wahrhaften Jndianergeheul. Die Polizei erweist sich leider in diesem unerhörten Exceffe gegenüber vollständig machtlos. Es ist begreiflich, daß unter diesen Verhältnissen die Ausübung des Wahlrechtes völlig unmöglich gemacht wird. Die anständigen Wähler ergreifen schaarenweise die Flucht. Auf der Straße kommt eß zu argen Exceffe». Einem Wähler wurde das Gesicht, einem Anderen der Kopf blutig geschlagen. Diese tumultuarischen Scene» wiederholten sich von fünf zu fünf Minuten. Es ist schwer möglich, die Aufregung zu schildern, welche sich der Bewohner und namentlich der Kaufleute bemächtigt. Die vollständig bezechten Antisemiten durchziehen haufenweise die Straßen und Plätze und insceniren wüste Skandale. — Die Zahl der blutig Zugerichteten dürfte sich auf 30 bis 40 belaufen. Es wird militärische Hilfe requirirt. Gewählt wurden drei Antisemiten, zwei in Wien und einer in Baden. Pesth, 4. Juni. Ende dieser Woche wird der Ministerrath zusammentreten, um unter Anderem endgiltig über die Vorschläge bezüglich der Ernennung von dreißig lebenslänglichen Mitgliedern des Oberhauses schlüssig zu werden. Wie verlautet, befinden sich unter den Vorgeschlagcnen Paul Somssich von der Opposition, etwa acht Obergespäne, einige Titular-Bischöfe, zwei Universitäts-Professoren, Baron Friedrich Kochmeister als Präsident der hiesigen Handelskammer und Börse. Ferner sind zwei Mitglieder jüdischer Confession vorgeschlagen, und zwar der Augenarzt Dr. Ignaz Hirschler, Präsident des jüdischen Congreffes im Jahre 1868 und ehemaliger Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde, ferner der Reichstags-Abgeordnete und Großgrundbesitzer Karl Svab. Frankreich. Paris. Die Generalversammlung der „Rettungsgesellschaft de la Seine“ hat unscrn Glaubensgenossen, Herrn Eduard Philipp, zum Generalsecretär erwählt. Herr Philipp hat durch seine Tapferkeit während des 70er Krieges und nach demselben die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und so erfolgte auch seine Ernennung zu diesem Amte mit einstimmiger Wahl. Unter den Personen, welche bei dem Leichenbegängnisse Viktor Hugo's Reden hielten, befand sich unser Glaubensgenosse Herr Maffarani (Tullo),italienischer Senator, welcher im Namen „der ital. Gelehrtengesellschaft" sprach. Paris. Im hiesigen Kunst-Salon waren dieses Jahr scchszig Israeliten Aussteller: 23 Maler, 9 Bildhauer, 5 Graveure und 14 Zeichner. Unter 5034 Gemälden stellten 25 jüdische oder biblische Sujets dar. Rußland. Jaltonschkow (Gouvernement Podolien). Es ist bckanntlch ein Schlagwort der Antisemiten, daß die Inden zu schweren Arbeiten und besonders zum Ackerbau unfähig seien. Daß dem aber nicht so ist, das zeigen die Juden in Rußland, die alle nur möglichen Handwerke, von den leichtesten bis zu den schwersten, erlernen und mit Freuden zum Ackerbau greifen, da wo ihnen Gelegenheit dazu geboten, die aber freilich nur sehr selten ist. Hiervon geben die hiesigen Juden den besten Beweis. Ein hiesiger Glaubensgenosse, Herr B. Scheremet, verwendete voriges Jahr ein größeres Terrain zu Tabakanpflanzungen, auf welchem er an 100 Juden beschäftigte, die zu seiner vollen Zufriedenheit die bisher ungewohnte Arbeit vollbrachten; ihr Fleiß und ihre Beharrlichkeit erregten die Bewunderung der hiesigen Bauern. Ueber die im Kaukasus wohnenden Juden giebt die Zeitung „Kawkas" einen interessanten Bericht, dem wir Folgendes entnehmen: Die im Norden des Kaukasus und den Bergen wohnenden In-

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