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Der Israelit · 1885-06-11 · Heft 46 (11.6.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 46 (11.6.1885)
Date
1885-06-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Erste Beilage zu Ar. 46 des Israelit. Leitender Zttikel. Aas ZiM-HeSot. Von D r. H. Sänger. Am Schluffe des vorigen Wochenabschnittes wird uns das n'8'rr-Gebot in Erinnerung gebracht. Dieses Gebot wurde und wird mehr, als viele andere Gebote von unserem Volke, auch in Zeiten des Abfalls und der Nichtbeachtung unserer Gottesgesetze, großentheils beobachtet. Das wird mit wenigen Ausnahmen, beim Gebete noch angelegt, wenn auch das ms» jorw selbst aus seiner bescheidenen Verborgenheit vielfach entfernt wird. Doch auch letzteres tragen noch sehr Viele, die mit den wichtigsten Gesetzen aus sehr gespanntem Fuße leben, ob als Talisman, ob aus Aberglaube, oder aus anderen Rücksichten, das ist nicht Gegenstand unserer Untersuchung. Wenn auch die Beobachtung des n'Lw-Gebotes noch ziemlich allgemein ist, so haben doch nur We. nige eine richtige Vorstellung von der immensen Bedeutung desselben, die doch so klar und deutlich in diesem Abschnitte ausgesprochen ist und zweimal täglich von uns, des Morgens und Abends, gesagt wird. Gar Viele werden denken, das Zizith-Gebot sei doch recht eigenthümlich. In einzelnen Resormgemeinden hat man sogar das rrbv-Anlegen in den Tempeln aus ästhetischen Gründen untersagt; es könnte ja ein Nichtjude einmal in den Tempel kommen und sich über den Gebetmantel Aufklärung erbitten. Welche Antwort sollte man darauf geben? Man käme in Verlegenheit, so meinen jene Aesthettker, und deßhalb — fort mit dem rvbu. Die Zizioth sollen uns als Erinnerungszeichen dienen, orron iniN orvN-n rwrsfc rrnr nrw mnn Nh . DniN Dzvpjn h nnm fe n« :omnN ow dhn nr» uyyy »mw Ein Schaufaden, um ihn anzusehen und um uns zu erinnern an alle Gebote des Ewigen, damit wir sie üben. Also ein einfaches, äußeres Zeichen, und doch so außerordentlich wichtig, um deßwillen so wichtig, weil es in der menschlichen Natur, oder richttger in der menschlichen Schwäche begründet ist. Da wurde uns von Gott als höchstes Zeichen des Bundes zwischen Ihm und Seiner Schöpfung, als Zeichen des innigen Zusammenhanges mit ihr, der rat? eingesetzt. Und doch wagt es ein Mann, wie uns gleichfalls der vorige Wochenabschnitt erzählt, kurz nach der Gesetzgebung, den Sabbat öffentlich zu entweihen, Holz zu sammeln. Und sofort sprach Gott zu Moscheh: hnar» »ja h* ist NL'L Dr& wjn crv^N meNl. Es wird uns an dieser Zusammenstellung so recht eindringlich gezeigt, daß der Mensch seine ideale Aufgabe nur an der Hand der praktischen Bethätigung erfüllen kann, daß er seinen Pflichten, die ihm obliegen, nur dann vollständig nachkommt, wenn er stets an d'eselben erinnert wird. Der Gedanke an seine Aufgabe allein und die Erinnerung daran würden aber verblassen und ihm entschwinden, wenn nicht stets ein äußeres Merkmal ihn so zu sagen mit Gewalt zwingt, die Erinnerung an seine Pflichten in ihm aufzufrischen, oder wach und lebendig zu erhalten. Selbst die höchste Idee verblaßt, wenn sie blos ideal aufgefaßt wird, gerade wie die höchste Begeisterung erlöschen muß, wenn sie nicht immer genährt wird. Mag man von dem menschlichen Geiste noch so hoch denken, so ist er doch an den Körper gebunden, wird bald kräftig, bald schwach sich erweisen, je nachdem der Mensch gerade in der Lage und Laune ist. Wie wenig begeistert man sich z. B. heute für jene Idee, die einst unsere Stammväter entflammte, sie weit über alle Zeiten und Menschen stellte, für die Idee der Gotteserkenntniß und die sich danach zu gestaltenden menschlichen Aufgaben. Die Bestrebungen und Ziele des heutigen Geschlechtes sind jenen hohen und ernsten Zielen eines Abraham so fern, wie Tag und Nacht. Was Abraham erstrebt, das, so glaubt man, haben wir große Geistes des 19. Jahrhunderts schon von Kindheit an gleichsam mit in die Welt bekommen. Daß wir freilich sein Erbe antretcn können, daß ist sein bleibendes Verdienst, sein Ruhm. Aber ob wir dieses Erbe zu erhalten suchen, ob wir, wie Abraham, uns bemühen, Gottes Wege zu wandeln, Gottes Absichten zu erfüllen; ob wir so tief innerlich davon überzeugt, ob wir unser ganzes Können und Wissen daran setzen, uns zu edlen Menschen auszubilden, alle Tugenden so vollkommen wie möglich uns anzueigncn; ob wir unsere ganze Thatkraft einsetzen, unl uns in des Lebens harten Prüfungen auch zu bewähren, immer dazustehen als Männer, immer das hohe Ziel unverrückt im Auge: wenn wir das

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